Die Philippinen im Wandel der Geschichte
Republika ñg Pilipinas


Der amerikanische Commonwealth und der 2. Weltkrieg
1935 bis 1945
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Commonwealth Politik, 1935-41


Die Konstellation der politischen Kräfte in den Vereinigten Staaten, die eine Resolution in der Frage der Unabhängigkeit zustimmten, formierte sich aus einer merkwürdigen Interessensgemeinschaft mit philippinischen Nationalisten. Das Hauptmotiv lag in agrarwirtschaftlichen Interessenslagen begründet. Amerikanische Zuckerproduzenten, Tabakbauern und Milchwirtschaftler fürchteten gleichermaßen die Konkurrenz billiger Produkte von den Inseln, und die Bedrängten litten unter einer tiefen Depression in den ersten dreißiger Jahren. Dieses führte dazu, dass sie darin ihr Heil sahen, sich für eine Trennung von kolonialen Beziehungen auszusprechen. Dabei erfuhren sie ebenfalls die Unterstützung der kubanischen Zuckerproduzenten, die fürchteten, Marktanteile an das philippinische Zuckerrohr zu verlieren. Die Gewerkschaften der Vereinigten Staaten, besonders die an der Westküste, wollten philippinische Arbeit fernhalten. Eine ganze Anzahl von amerikanischen Beobachtern sahen die Philippinen als einen potentiellen Gefahrenherd für ein expandierendes Japan und liebäugelten damit, sich über den Pazifik nach Hawaii zurückzuziehen.

Durch das politische Klima dieser Konstellation konnten Osmeña und Manuel Roxas, ein aufgehender Stern in der "Nationale Partei" und Osmeñas Nachfolger als Sprecher des Unterhauses, eine erfolgreiche Kampagne zugunsten der Annahme der Hare-Hawes-Cutiing Unabhängigkeitserklärung starten, die der Kongress trotz Präsident Herbert Hoovers Veto im Januar 1933 billigte. Quezon widersetzte sich einer Annahme durch das Parlament aber dennoch aus dem Grund, weil die Klauseln, die den Handel betrafen, die eine philippinische Einwanderung betrafenen, zu restriktiv erschienen und weil die Vereinigten Staaten Garantien verlangten, auf philippinischem Boden Basen zu belassen und die Möglichkeit, einen "Hohen Kommissar" einzusetzen, der die Unabhängigkeit überwachen sollte. Daraufhin wurde das Gesetz vom philippinischen Parlament abgelehnt, und Quezon begab sich persönlich nach Washington, um über ein zu überarbeitendes Unabhängigkeitsgesetz zu verhandeln, dem Tydings-McDuffie-Akt aus dem März 1934.

Der Tydings-McDuffie-Akt sah eine zehnjährige Übergangszeit zur Unabhängigkeit vor, in welcher der Commonwealth der Philippinen eingerichtet werden sollte. Der Commonwealth sollte seine eigene Verfassung erhalten und sollte sich selbst regieren, obwohl zunächst alle außenpolitischen Angelegenheiten in den Händen der Amerikaner verbleiben sollten. Gesetze, die die Einwanderung, den Außenhandel und das Währungssystem betrafen, konnten erlassen werden und bedurften der Zustimmung des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Wenngleich der Tydings-McDuffie-Akt eine neue Stufe in der phlippinisch-amerikanischen Partnerschaft markierte, so blieb sie trotzdem eine höchst ungleiche. Obwohl nach dieser Vereinbarung nur jährlich fünfzig philippinische Einwanderer in die Vereinigten Staaten gestattet wurden, blieb die amerikanische Einwanderung und Niederlassung auf den Philippinen unbeschränkt.Pasig River in Manila nahe der Mündung um 1935 Auf Handelsbeschräkungen während der Übergangsfrist wurde nach dem Akt für fünf Jahre völlig verzichtet, was den Import philippinischer Waren anbetraf, und danach sollten die Zölle in einem weitern Zeitraum von fünf Jahren schrittweise angehoben werden, bis sie im Jahr 1946 die 100 Prozent erreichen würden. Waren aus den Vereinigten Staaten konnten auf die Inseln unbeschränkt und zollfrei während des gesamten Zeitraums von zehn Jahren geliefert werden. Quezon hatte lediglich verbesserte Bedingungen bezüglich der Basen aushandeln können. Den Vereinigten Staaten sollte nur eine Marinebasis und eine Bunkerstation verbleiben, und ferner sollten die Vereinigten Staaten mit ausländischen Regierungen über die Neutralität der Inseln verhandeln.

Die erste Verfassung des Landes wurde von einer Verfassungsversammlung erarbeitet, die im Juli 1934 zusammentrat. Im Mai 1935 wurde sie mit überwältigender Mehrheit in einer Volksabstimmung angenommen. Dieses Dokument begründete die politischen Institutionen während der zehnjährigen Commonwealth-Periode, die in diesem Jahr begann, und ab dem Juli 1946 wurde es die Verfassung der unabhängigen Republik der Philippinen. Die ersten Commonwealth-Wahl für einen neuen Kongress wurde im September 1935 abgehalten. Quezon und Osmeña, die ihre Meinungsverschiedenheiten über den Weg zur Unabhängigkeit beigelegt hatten, wurden erwartungsgemäß zum Präsidenten und Vizepräsidenten gewählt.



Der 2. Weltkrieg, 1941-45


Japan begann am 8. Dezember 1941 seinen Überraschungsangriff auf die Philippinen - gerade einmal zehn Stunden nach dem Angriff auf Pearl Harbour. Heftigen Bombadierungen aus der Luft folgte ein Angriff durch angelandete Bodentruppen nördlich und südlich von Manila. Die sich verteidigenden philippinischen und amerikanischen Truppen standen unter dem Befehl von General Douglas McArthur, der erst in dem Jahr wieder zurück in den aktiven Dienst der amerikanischen Armee berufen wurde und dafür vorgesehen war, das Kommando über die Verbände der Vereinigten Staaten im asiatisch-pazifischen Raum zu übernehmen. Die ihm unterstehende Luftwaffe war zerstört, die Marine hatte den Befehl erhalten, auszulaufen, und aufgrund der besonderen Umstände der Pazifik-Region war eine Verstärkung und eine Versorgung seiner Bodentruppen unmöglich. Unter dem Druck der Übermacht zogen sich die Verteidiger auf die Halbinsel von Bataan und auf die kleine Insel Corregidor, am Eingang der Bucht von Manila, zurück. Manila wurde zur offenen Stadt erklär, um sie vor der Zerstörung zu schützen und wurde am 2. Januar 1942 von den Japanern besetzt.

Die Kathedrale Manilas wurde nahezu völlig zerstörtDie Verteidigung der Philippinen wurde bis zur endgültigen Aufgabe der vereinigten amerikanisch-philippinischen Kräfte im April 1942 auf der Halbinsel Bataan und bis zum Fall der Insel Corridor im Mai fortgesetzt. Die meisten der 80.000 Kriegsgefangenen, welche die Japaner in Bataan festnahmen, wurden gezwungen, einen 105 km langen "Todesmarsch" nach Norden in ein Kriegsgefangenenlager anzutreten. Es wird geschätzt, dass etwa 10.000 Männer, die durch Krankheiten und Unterernährung geschwächt waren und zudem noch recht hart von ihren Fängern behandelt wurden, verstarben, bevor sie ihren Bestimmungsort erreichten. Quezon und Osmeña waren mit den Truppen nach Corregidor gegangen, von wo aus sie in die Vereinigten Staaten gelangten, wo sie eine Exilregierung installierten. McArthur wurde befohlen, nach Australien zu gehen, von wo aus er seinen Plan verfolgte, auf die Philippinen zurückzukehren

Die japanischen Militärbehörden begannen unverzüglich, eine neue Regierungsstruktur auf den Philippinen einzurichten. Obwohl die Japaner die sofortige Unabhängigkeit der Inseln versprochen hatten, errichteten sie einen Staatsrat, der bis zum Oktober 1943, als sie die Philippinen zu einer unabhängigen Republik erklärten, alle zivilen Angelegenheiten regelte. Fast alle der philippinischen Elite, von ein paar löblichen Ausnahmen abgesehgen, dienten den Japanern.Die Taft Avenue in Manila am Ende des Krieges Die philippinische Kollaboration innerhalb von Japanern unterstützten politischen Institutionen, die später zu den entscheidenden politischen Einrichtungen wurden, wurde durch verschiedene Gegenleistungen motiviert. Unter ihnen war die Möglichkeit, das Volk vor der allzu harten Behandlung durch die Japaner zu schützen (eine Möglichkeit, die Quezon selbst genutzt hatte) und die Familie und persönliche Interessen zu sichern. Zudem kam noch der Glaube hinzu, dass sich der philippinische Nationalismus vorteilhaft bezüglich einer asiatischen Solidarität auszahlt. Die Alliierten erreichten viele Informationen über Kollaborateure. Die durch Japan gestützte Republik, die der Präsident José P. Laurel vorstand, blieb allerdings unpopulär.

Die japanische Besetzung der Philippinen wurde durch eine sich stetig vertärkende Untergrundarmee und durch Guerilla-Aktivitäten bekämpft, die recht beachtliche Erfolge hatten. Nachforschungen nach dem Krieg ergaben, dass ungefähr 260.000 Frauen und Männer in Guerilla-Organisationen tätig und dass die Mitglieder im antijapanischen Untergrund noch zahlreicher gewesen waren. Die Effektivität war derart, dass bei Kriegsende die Japaner nur noch zwölf von achtundvierzig Provinzen kontrollierten. Die Hauptlast des Widerstandes auf Zentral-Luzon lag bei den "Huks" (Hukbalahap) oder der Anti-Japanischen Volksarmee, die sich bereits zu Beginn des Jahres 1942 unter der Führung von Luis Raruc, einem Mitglied der kommunistischen Partei seit 1939, formiert hatte. Die "Huks" bewaffneten etwa 30.000 Mann und dehnten ihre Kontrolle über Luzon mehr und mehr aus. Andere Guerilleverbände standen den Streitkräften der Vereinigten Staaten in Fernost nah.

McArthurs alliierten Streitkräfte landeten am 20. Oktober 1944 auf der Insel Leyte, und er wurde von Osmeña begleitet, dem es gelungen war, die Präsidentschaft des Commonwealth nach dem Tod von Quezon am 1. August 1944 zu übernehmen. Weitere Landungen erfolgten auf der Insel Mindoro und im Bereich des Golfes von Lingayen an der Westküste von Luzon, und damit wurde der Vormarsch auf Manila eingeleitet. Es fanden schwere Gefechte statt, besonders in den Bergen im Norden Luzons, wohin sich japanische Einheiten zurückgezogen hatten und in Manila, wo sie einen Widerstand bis zum letzten Mann lieferten. Vor der abschließenden Offensive tauchten überall Guerillaeinheiten auf, und die Kämpfe wurden fortgesetzt, bis Japan am 2. September 1945 formal kapitulierte. Die Philippinen hatten viele Tote zu beklagen und enorme Schäden an Gebäuden und an der Infrastruktur waren in den letzten Kriegstagen entstanden. Man schätzt die Zahl der Toten auf etwa 1 Million Filipinos, wovon die meisten erst in den letzten Kriegstagen ihr Leben verloren, und Manila wurde weitgehend zerstört.

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