Die Philippinen im Wandel der Geschichte
Republika ñg Pilipinas


Die ersten Jahre der amerikanischen Kolonialherrschaft
1898 bis 1935
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Spanisch-Amerikanischer Krieg und philippinischer Widerstand


Kriegsausbruch, 1898

Spaniens Herrschaft auf den Philippinen endete mit dem Eingreifen der Vereinigten Staaten in die Auseinandersetzungen in Spaniens anderer Hauptkolonie Cuba. Amerikanische Führer aus der Wirtschaft befürchteten eine Wirtschaftblockade - mit oder ohne Spanien - wegen der Aufstände, die auf Cuba im Februar 1895 ausgebrochen waren. Darüber hinaus hatte sich in den Staaten aufgrund von Zeitungsberichten über die Brutalität der spanischen Herrschaft eine negative Meinung über die Spanier gebildet. Als die Vereinigten Staaten Spanien am 25. April 1898 den Krieg erklärten, befahl der damalige Marineminster, Theodore Roosevelt dem Befehlshaber der asiatischen Flotte, Commodore George Dewey, die Philippinen anzulaufen und die dort in der Bucht von Manila vor Anker liegende spanische Flotte zu zerstören. Die spanische Marine, die seit dem sechzehnten Jahrhundert ihre Aufgabe darin verstand, das Weltreich zu schützen, erlitt am 1. Mai 1898 eine schreckliche Niederlage, als die teilweise noch hölzernen Schiffsrümpfe von den Kanonen von Deweys Flaggschiff, der Olympia, und anderen amerikanischen Kriegschiffen zerschossen wurden. Mehr als 380 spanische Seeleute kamen dabei ums Leben, wohingegen auf amerikanischer Seite nur ein einziger Gefallener zu beklagen war.

Noch bevor Spanien und die Vereinigten Staaten in den Krieg um Cuba eingetreten waren, begannen in den letzten Monaten des Jahres 1897 höchst sensible Vorgespräche zwischen amerikanischen Stellen und Aguinaldo sowohl in Hongkong als auch in Singapur. Sobald der Krieg erklärt worden war, wurde Aguinaldo als Partner, wenn nicht gar als Verbündeter, von Dewey gedrängt, schnellstmöglich auf die Philippinen zurückzukehren. Er traf am 19. Mai in Manila ein und zog sofort wieder das Oberkommando der Rebellentruppen an sich. Aufständische überwältigten demoralisierte, spanische Garnisionen um die Hauptstadt herum, und sofort wurden Verbindungen zu anderen Freiheitsbewegungen auf den Inseln aufgenommen.

In den Augen der Filipinos stellte sich die Beziehung zwischen ihrem Land und den Vereinigten Staaten so dar, dass sich zwei Nationen im Kampf gegen Spanien verbündet hatten. Als Alliierte versorgten die Filipinos amerikanische Streitkräfte mit wertvollen, nachrichtendienstlichen Informationen, so z. B., dass die Spanier über keine Minen oder Torpedos verfügten, um amerikanische Kriegsschiffe zu gefährden, welche die Bucht von Manila anliefen, und Aguinaldos etwa 12.000 Mann starke Armee hatte eine wesentlich größere spanische Streitmacht in Manila eingekesselt und hielt diese dort bis zum Juni in Schach, bis amerikanische Einheiten zur Unterstützung aus San Francisco herangeführt werden konnten. Aguinaldo zeigte sich jedoch äußerst ungehalten darüber, dass die Vereinigten Staaten sich nicht dazu bereitfanden, einen Vertrag zu unterzeichnen, der die philippinische Unabhängigkeit vorsah.

Ende Mai befahl das Marineministerium Dewey, der inzwischen zum Admiral befördert worden war, sich von Aguinaldo etwas zu distanzieren, um nicht unbeabsichtigterweise den philippinischen Kräften gegenüber verbindliche Zugeständnisse zu machen. Der Krieg mit Spanien war noch in vollem Gange, und die Zukunft der Philippinen blieb weiter ungeklärt. Das unmittelbare Ziel war es, Manila zu erobern, und man suchte nach einer Möglichkeit, dieses ohne Unterstützung der Aufständischen zu erreichen. Ende Juli standen etwa 12.000 Mann der US-Truppen in der Region, und die Beziehungen zwischen ihnen und den Rebellen hatten sich erheblich abgekühlt.

Im Sommer 1898 geriet Manila in den Blickpunkt des Spanisch-Amerikanischen Konflikts, und nicht nur das wachsende Misstrauen zwischen den Amerikanern und den philippinischen Rebellen, sondern auch deren offene Rivalität war den europäischen Mächten nicht verborgen geblieben. Nach Deweys Sieg füllte sich die Bucht von Manila mit Kriegsschiffen aus Groß Britannien, Deutschland, Frankreich und Japan. Die deutsche Flotte bestand aus acht Schiffen und wurde von Vizeadmiral von Diedrichs geführt. Sie hielt sich angeblich in philippinischen Gewässern auf, um dortige deutsche Interessen zu wahren und verhielt sich überaus provozierend. Sie schnitt die Kurse amerikanischer Schiffe, verweigerte gegenüber der amerikanischen Flagge den Gruß, was in der internationalen Seeschifffahrt als ein Akt von Unhöflichkeit betrachtet wird, man lotete den Hafen aus und versorgte die belagerten Spanier mit Versorgungsgütern. Deutschlands Machtstreben nach einem Symbol, welches seine Weltmachtstellung untermauerte, wollte für sich jeden nur möglichen Vorteil aus diesem Konflikt ziehen, der sich ihm auf den Inseln bot. Dewey wendete schließlich einen Bluff gegenüber dem deutschen Befehlshaber an und drohte ihm, dessen Schiffe anzugreifen, wenn nicht sofort das aggressive Auftreten eingestellt würde, und daraufhin zogen sich die Deutschen zurück.

Die spanische Sache war entschieden, aber Fermin Jaudenes, Spaniens letzter Gouverneur auf den Inseln, suchte nach einem Weg, zumindest die Ehre seines Landes zu retten. Vermittlungsgespräche über britische und belgische Diplomaten wurden aufgenommen, und man kam in einem Geheimabkommen zwischen dem Gouverneur und den militärischen Führern der Vereinigten Staaten überein, dass die Übergabe Manilas in den ersten Augusttagen erfolgen sollte. Auf ihren Vormarsch sollten die amerikanischen Kräfte die Stadt weder beschießen, noch sollten Aufständische daran teilnehmen, denn die Spanier hatten die Befürchtung, dass die Filipinos planten, sie alle zu massakrieren. Die Spanier dagegen wollten nur zum Schein einen gewissen Widerstand leisten und nach einem zuvor vereinbarten Signal die Waffen strecken. Auf diese Weise konnte sich der Gouverneur die Blamage ersparen, die Stadt kampflos geräumt zu haben, und beide Seiten konnten so weitere Verluste vermeiden. Das Scheingefecht wurde am 13. August durchgeführt; die Angreifer überrannten die Stadt, und bereits am Abend wehte das Sternenbanner über Intramuros, der alten, von einer Stadtmauer umgebenen Stadt, die seit mehr als 300 Jahren als Sitz der spanischen Macht gedient hatte.

Das Abkommen zwischen Jaudenes und Dewey hatte die Rollen auf eine merkwürdige Weise vertauscht. Zu Beginn des Krieges waren Amerikaner und Filipinos Alliierte im Kampf gegen Spanien gewesen, und jetzt waren die Spanier mit den Amerikanern eine Partnerschaft eingegangen, die die Aufständischen außen vor ließ. Zwischen amerikannischen Soldaten und Truppen der Rebellen kam es fast zu KJampfhandlungen, als die Amerikaner versuchten, die Rebellen am Vorabend des "Angriffs" an strategisch wichtigen Positionen um Manila herum abzulösen. Aguinaldo wurde von den Amerikanern unmissverständlich mitgeteilt, dass seine Armee zum Angriff nicht benötigt wurde und dass man auf sie schießen würde, wenn sie versuchten, die Stadtgrenzen zu überschreiten. Die Aufständischen waren empört darüber, dass man ihnen den Triumpf verweigerte, in ihre eigene Hauptstadt einmarschieren zu dürfen, aber Aguinaldo wartete den richtigen Moment ab. Die gegenseitigen Beziehungen verschlechterten sich nochmals zusehends, als den Filipinos klar wurde, die Amerikaner richteten sich auf den Inseln zum Bleiben ein.



Die Malolos Verfassung und der Friedensvertrag von Paris


Von seinem Hauptquartier in Cavite aus erklärte Aguinaldo am 12. Juni 1898 die Unabhängigkeit der Philippinen. Nach seiner Rückkehr auf die Inseln, ließ Aguinaldo etwas Zeit verstreichen, ehe er eine unabhängige Regierung installierte. Am 12. Juni 1898 erfolgte in seinem Hauptquartier in Cavite die Unabhängigkeitserklärung, die nach amerikanischen Modell vorgenommen wurde. In diesen Tagen stieß auch Apolinario Mabini, ein Rechtsanwalt und politischer Vordenker, zu ihm vor und erlangte als Aguinaldos Hauptberater einen gewissen Ruhm. Geboren wurde er in einer armen Indio-Familie, aber ausgebildet hat man ihn an der Santo Tomás Universität. Er vertrat die Überzeugung einer "gleichzeitigen äußeren wie auch inneren Revolution", eine Philiosophie, die umso mehr die konservativen Landeigentümer wie auch Ilostrados (Landpächter) verunsicherte, die eigentlich Aguinaldo unterstützten. Gemäß Mabini konnte wirkliche Unabhängigkeit nicht nur die Loslösung von Spanien oder von jeder anderen Macht bedeuten, sondern sie musste auch mit einer Erziehung des Volkes zu einer Selbstverwaltung einhergehen. und die paternalistische, koloniale Mentalität, die Spanien drei Jahrhunderte lang so sehr gepflegt hatte, musste ausgemerzt werden. Mabinis Buch, "Der wahre Dekalog" (Die wahren zehn Gebote), wurde im Juli 1898 in Form der Zehn Gebote veröffentlicht und man nutzte paradoxerweise dieses Medium irgendwie, ein kritisches Denken anzuregen und die Gewohnheiten und Verhaltensweisen des Volkes zu reformieren. Seine Verfassungsvorschläge für die Republik der Philippinen, die etwa zur gleichen Zeit veröffentlicht wurden, vertraten seine Vorstellungen vor den politischen Institutionen.

Am 15. September 1898 versammelte sich der Revolutionskongress in Malolos, damals ein Marktflecken 32 km nördlich von Manila, mit der Absicht, eine Verfassung für die neue Republik der Philippinen zu erarbeiten, die auf den Verfassungen von Frankreich, Belgien und einiger lateiamerikanischer Staaten basieren sollte. Ein Entwurf wurde vom Kongress am 29. November 1898 angenommen und diese dann am 21. Januar 1899 in Malolos verkündet. Zwei Tage später rief man Aguinaldo zum Staatspräsidenten aus.

Ausländische Beobachter, die durch Luzon reisten, berichteten übereinstimmend, dass in den von der Republik kontrollierten Gebieten Ruhe und Frieden herrschten. Der Malolos Kongress hatte Schulen eröffnen lassen sowie eine Militärakademie und eine "Literarische Universität der Philipiinen" ins Leben gerufen. Die Fianzen der Regierung waren wohl organisiert, und eine neue Währung wurde eingeführt; auch die Armee und die Marine konnten auf eine solide Basis gestellt werden und verfügten über regionale Kommandostrukturen. Jedoch nützten die Komplimente über die philippinische Regierung wenig in den Augen der Großmächte, da die Übergabe der Inseln von Spanien an die Vereinigten Staaten in den letzten Monaten des Jahres 1898 schon längst eine beschlossene Sache war.

In der zweiten Septemberhälfte wurden Friedensverhandlungen zwischen spanischen und amerikanischen Vertretern in Paris angesetzt, und am 10. Dezember 1898 wurde dort der Friedensvertrag unterzeichnet. Zu den Bedingungen gehörten die Abtretung der Philippinen, von Guam und von Puerto Rico an die Vereinigten Staaten, und Cuba sollte in die Unabhängigkeit entlassen werden. Im Gegenzug wollten die die Vereinigten Staaten von Amerika Spanien 20 Millionen USD zahlen. Der Grund für diese finanzielle Zuwendung ist ziemlich schwer zu nachzuvollziehen, denn sie wurde weder geleistet, um Spanien diese Territorien abzukaufen, noch können sie als eine Art Kriegsentschädigung betrachtet werden. Nach den Worten des Historikers Wolff handelte es sich dabei um ein "Geschenk". Spanien akzeptierte und übergab die Philippinen fast nebenbei an die Staaten. Nicht ein Wort von Ehre oder Eroberung wurde erwähnt, und das philippinische Volk hatte mit alledem nicht das geringste zu tun, obwohl seine Rebellion zuvor sozusagen dankend angenommen worden war.

Der Friedensvertrag von Paris verursachte einen gewaltigen Ärger unter den Filipinos, besonders weil Spanien ein Betrag von 20 Millionen USD gezahlt worden war. "La Independencia" (Die Unabhängige), eine in Manila verlegte Zeitung eines Revolutionärs, des Generals Antonio Luna, schrieb: "Völker können nicht wie Pferde oder Häuser verkauft werden. wenn es einst das Ziel war, den Handel mit Negern zu unterbinden, weil es ein Handel mit Menschen war, warum sollte dennoch der Handel mit ganzen Ländern samt ihren Bewohnern gestattet sein?" Aufgrund verletzter Gefühle bauten sich zunehmend Spannungen zwischen den amerikanischen Truppen in Manila und den Aufständischen auf, die noch um die Stadt herum verteilt in ihren Stellungen lagen. Zusätzlich zu Manila entwickelte sich ebenfalls Iloilo, der größte Hafen auf der Insel Panay, zu einem Brennpunkt. Am 17. November 1898 wurde dort eine Revolutionsregierung von Visaya ausgerufen, und die amerikanischen Streitkräfte standen Gewehr bei Fuß, die Stadt zu erobern. Nach Bekanntwerden der Friedensvereinbarungen bereiteten sich die Radikalen unter Mabini und Luna auf einen Krieg vor, und die Verfassung wurde um einige Artikel erweitert, die dem Präsidenten in Notzeiten diktatorische Machtbefugnisse einräumten. Der amerikanische Präsident, William McKinley ließ am 21. Dezember eine Verrlautbarung verkünden, nach der es das Ziel der amerikanischen Politik war, eine "wohlwollende Assimilation" entgegenzusteuern, welche "die Willkürherschaft" durch "den milden Einfluss von Gesetz und Ordnung" ersetzen sollte. Als dieses am 4. Januar 1899 veröffentlicht wurde, waren alle Referenzen zur "amerikanischen Souvereignität" sorgfältig gelöscht worden. Aguinaldo gab eine Gegenproklamation heraus und verdammte das "gewaltätige und aggressive Verhalten" der Vereinigten Staaten, und er drohte mit Krieg.



Widerstandskampf


Erste Unruhen brachen in der Nacht zum 4. Februar 1899 aus, nachdem zwei amerikanische Soldaten auf Streife drei philippinische Soldaten in einem Vorort Manilas getötet hatten. Damit begann ein Krieg, der sich über zwei Jahre lang hinziehen sollte. Ungefähr 126.000 amerikanische Soldaten wurden mit in diesen Konflikt einbezogen, wobei 4.234 amerikanische und etwa 16.000 philippinische Soldaten ihr Leben ließen. Die Toten der über das ganze Land agierende Guerrilla Bewegung blieben weitgehend unbekannt.

Die philippinische Truppen, die größtenteils mit alten Gewehren und Bolos (lange, einklingige Buschmesser) und mit "Anting-Anting" (magische Glücksbringer) ausgerüstet waren, waren in offenen Schlachten kein ernst zu nehmender Gegner, aber sie erwiesen sich als ganz ausgezeichnete Gegner im Guerrillakrieg. Nach General Ewell S. Otis, Kommandeur der US-Streitkräfte, der auch zum militärischen Giouverneur der Philippinen ernannt worden war, begann der Konflikt Ende Februar mit der Vertreibung der Rebellen aus Manila und aus den Vororten und mit der Eroberung von Malolos, der Hauptstadt der Revolution, am 31. März 1899. Die Filipinos erlitten eine ganze Reihe von Niederlagen. Der Versuch Mabinis und des Präsidentenstellvertreters aus Aguinaldos Kabinett, Pedro Paterno, im Mai 1899 einen Waffenstillstand auszuhandeln, scheiterte, weil Otis auf eine bedingungslose Kapitulation bestand.

Noch ernster wurde die Lage nach der Ermordung von Luna, Aguinaldos fähigsten, militärischen Führers, im Juni 1899. Heißblütig und hart anderen gegenüber, wie er war, hatten sich unter seinen sogenannten Anhängern eine ganze Menge Gegner gebildet, und, gemäß den Gerüchten nach, soll seine Ermordung sogar von Aquinaldo selbst befohlen worden sein. Nach dem Tod seines besten Befehlshabers erlitten seine Truppen weiter schwere Niederlagen und wurden von den amerikanischen Kräften in Richtung Norden auf Luzon gedrängt. So entschied Aguinaldo im November 1899 seine regulären verbände aufzulösen und eine dezentralisierte Guerillaarmee einzurichten, die in mehrerem, militärischen Zonen operierte. Den amerikanischen Soldaten war die schwierigen Lage durchaus bewusst, in der sie sich ab sofort befanden, denn diese Armee konnte sich nur mit dem Wissen und der Duldung der einheimischen Zivilbevölkerung in den Ortschaften bewegen. Die Bevölkerung, die sich zwischen den Amerikanern und Rebellen gefangen sah, musste schrecklich darunter leiden.

Nach dem Historiker Gregorio Zaide, kamen dabei bis zum Ende des Krieges mindestens 200.000 Zivilisten um, wobei die meisten dem Hunger und Krankheiten zum Opfer fielen. Greueltaten wurden zudem noch von beiden Seiten begangen. Da Aguinaldos Regierung die Regierungsgewalt nicht über das ganze Archipel ausdehnen konnte, gingen viele Amerikaner von der Annahme aus, der Widerstand war im Gebiet der Tagalen in Zentral-Luzzon am stärksten und am besten organisiert. Doch diese Vermutung wurde dadurch widerlegt, dass auch auf den Visaya-Inseln und auf Mindanao heftig gekämpft wurde. Obgleich beispielsweise die Häfen von Iloilo auf Panay und von Cebu auf Cebu im Februar 1899 und Tagbilaran, die Hauptstadt Bohols, im März erobert werden konnten, wurde der Guerillawiderstand von den Bergen der Inseln aus mit unveränderter Härte fortgesetzt. Lediglich auf der "Zuckerrohrinsel" Negros ergaben sich die örtlichen Verwaltungen widerstandslos der amerikanischen Vorherrschaft. Auf Mindanao sah sich die amerikanische Armee der entschlossenen Opposition christlicher Filipinos gegenüber, die loyal zur Republik standen.

Aguinaldo konnte am 23. März 1901 in Palanan unter Mithilfe philippinischer Scouts, die sich den Amerikanern angeschlossen hatten, gefangen genommem werden, und er wurde umgehend nach Manila gebracht. Von der Sinnlosigkeit weiteren Widerstands überzeugt, schwor er sich den Vereinigten Staaten zu unterwerfen und ließ einen Proklamation verlautbaren, in der er seine Kampfgefährten aufforderte, die Waffen niederzulegen. Dennoch wurde in verschieden Teilen der Philippinen der bewaffnete Widerstand bis 1903 fortgeführt.

Die Moros auf Mindanao und von den Sulu Inseln, die beiden, sowohl den christlichen, philippinischen Aufständischen als auch den Amerikanern, misstrauten, verhielten sich überweigend neutral. Im August 1899 wurde zwischen dem General John C. Bates, der die Vereinigten Staaten von Amerika vertrat, und dem Sultan von Sulu, Jamal-ul Kiram II., ein Vertrag unterzeichnet, mit dem sich die Vereinigten Staaten zu einer Politik der Nichteinmischung verpflichteten. Doch bereits 1903 gründete die Kolonialverwaltung der Vereinigten Staaten eine Moro Provinz, und darüber hinaus wurden weitere Gesetze erlassen. So wurde die Sklaverei verboten, Schulen nach nicht muslemischer Tradition wurden eingerichtet, und es wurden örtliche Verwaltungen eingerichtet, welche die traditionellen Führer der Gemeinde geradezu herausfordern mussten. Ein neues Rechtssystem ersetzte fortan die islamische Scharia oder das islamische Recht. Die Gesetze der Vereinigten Staaten wurden von der islamischen Bevölkerung ls eine größere Bedrohung angesehen als es die von Spanien je vermocht hatten. Folglich organisierte sich ein bewaffneter Widerstand, und die Moro Provinz musste unter amerikanischer Militärverwaltung bis 1914, bis die Hauptmuslimgruppen geschlagen werden konnten, verbleiben.



Die ersten Jahre der amerikanischen Herrschaft, 1898-1935


Am 20. Januar 1899 ernannte Präsident McKinley die "Erste Philippinische Kommission", die "Schumann Kommission", die aus einer Gruppe von fünf Personen bestand, die von Dr. Jacob Schumann, dem Präsidenten der Cornell Universität, geleitet wurde, und welche die Admirale Dewey und Otis einschloss. Sie sollte die Lebensumstände auf den Inseln untersuchen und Vorschläge ausarbeiten. In dem Bericht, den sie dem Präsidenten ein Jahr später unterbreiteten, bestätigten die Kommissionäre die philippinischen Bestrebungen nach Unabhängigkeit, aber sie erklärten gleichfalls, dass sie die Philippinen dafür noch nicht reif befanden. Spezifizierte Empfehlungen schlugen den Aufbau einer Zivilverwaltung zum schnellstmöglichen Zeitpunkt vor (der amerikanische Verwaltungschef der Inseln zu jener Zeit war noch der Militärgouverneur), die aus einem Zweikammerparlament und aus autonomen Regierungen auf Provinz- und Gemeindeebene bestehen sollte. Auch sollte ein freies, öffentliches Schulsystem aufgebaut werden.

Die "Zweite Philippinische Kommission", die "Taft Kommission", wurde von McKinley am 16. März 1900 berufen und wurde von William Howard Taft geleitet, und ihr wurden legislative wie auch begrenzte exekutive Befugnisse erteilt. Vom September 1900 bis zum August 1902 erließ sie 499 Gesetze. Ein Rechtssystem, über welches ein oberster Gerichtshof wachte, wurde etabliert, ein bürgerliches Gesetzbuch wurde erlassen, welches die antiquierten, spanischen Verordnungen ersetzte, und eine zivile Beamtenschaft wurde aufgebaut. Die Gemeindeverordnung von 1901 sah frei gewählte Bürgermeister, Bürgervorsteher und Gemeindevertreter vor, die in Gemeinderäten zusammenkamen. Den Gemeinderäten oblag die Pflicht, Steuern einzuziehen, gemeindeeigenes Eigentum zu unterhalten und notwendige Baumaßnahmen durchzuführen. Außerdem wählten sie aus ihrer Mitte die jeweiligen Provinzgouverneure. Im Juli 1901 formierte sich die philippinische Gendarmerie, und sie fungierte als landesweite Polizeitruppe auf allen Inseln, die den Schmuggel unterbinden sollte und sich mit den Versprengten der Widerstandsbewegung herumschlagen musste. Nachdem die Militärverwaltung am 4. Juli 1901 beendet worden war, übernahm die philippinische Gendarmerie von den Amerikanern schrittweise die Zuständigkeit, alle Aktivitäten von Guerillaverbänden und Banditen zu unterbinden.

Gleich vom Beginn an verstanden die amerikanischen Präsidenten wie auch ihre Repräsentanten auf den Inseln ihre koloniale Mission als eine Tutorenschaft, die die Philippinen auf eine spätere Unabhängigkeit vorbereiten sollte. Außer bei einer kleinen Gruppe von "Reaktionären" ging es nie darum, den Philippinen die Selbstbestimmung zu verweigern; es ging nur um das Wann und Wie. So wurde die politische Entwicklung auf den Inseln schnell und besonders nachhaltig eingeleitet, wenn man diese einmal mit dem Mangel derartiger Aktivitäten in der spanischen Ära vergleicht. Das philippinische Grundgesetz vom Juli 1902 sah vor, dass beim Erreichen des Friedens eine aus freien Wahlen hervorzugehende, gesetzgebende Versammlung, ein philippinisches Parlament, bestehend aus einem Unterhaus einberufen werden sollte, und ein Oberhaus sollte gebildet werden, welches aus der "Philippinischen Kommission" zu bilden war, die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt wurde. Beide Häuser sollten sich die Gesetzgebung teilen, obwohl das Oberhaus allein alle für die Moros und sämtliche anderen, nichtchristlichen Bevölkerungsteile betreffende Gesetze zuständig bleiben sollte. Das Gesetz sah ebenfalls vor, die allgemeinen Menschenrechte auf die Filipinos anzuwenden und zwei philippinische Vertreter nach Washington zu entsenden, um den Sitzungen des amerikanischen Kongresses beizuwohnen. Im Juli 1907 wurden die ersten Parlamentswahlen abgehalten, und die Versammlung trat am 16. Oktober 1907 erstmalig zusammen. Es wurden politische Parteien gegründet, und, obgleich ein öffentliches Eintreten für die Unabhängigkeit während der Jahre des Aufstands untersagt war, wurde Kritik an Regierungsentscheidungen in lokalen Zeitungen durchaus toleriert.

Taft, der erste Zivilgouverneur der Philippinen, formulierte einen leicht verständlichen Entwicklungsplan, den er wie folgt vertrat: "Die Philippinen den Filipinos... Jede Maßnahme, ob nun Gesetz oder Verordnung muss vor dem Inkrafttreten auf die Frage hin eingehend untersucht werden, ob sie zum Wohle des philippinischen Volkes gereicht oder nicht?" Seine Hauptziele bestanden nicht nur darin, öffentliche Einrichtungen zu stärken, sondern er wollte auch ein System freier, allgemeiner und öffentlicher Bildung installieren sowie eine Wirtschaftspolitik etablieren, die zum Fortschritt der Inseln beitragen sollte. Die Filipinos interpretierten Tafts Erklärung großzügig als Versprechen zur baldigen Unabhängigkeit.

Das Grundgesetz von 1902 trennte die katholische Kirche vom Staat, so dass der Katholizismus nicht länger Staatsreligion war. Die Regierung der Vereinigten Staaten bemühte sich, den weiteren Status der Mönche zu regeln und verhandelte darüber direkt mit dem Vatikan. Die Kirche erklärte sich einverstanden, die Besitztümer der Kirche an den Staat zu verkaufen und versprach zudem, Filipinos und nichtspanische Priester als Mönche in die Orden aufzunehmen. Um Spanien nicht zu brüskieren, weigerte man sich jedoch, die religiösen Gesetze auf den Inseln sofort aufzuheben. 1904 kaufte die Verwaltung für 7,2 Millionen USD den größten Teil der kirchlichen Liegenschaften, die sich auf etwa 166.000 Hektar beliefen, wovon sich fast die Hälfte im Bereich von Manila befand. Teilweise wurde das Land an Filipinos weiterverkauft, wovon einige ehemalige Pächter waren; doch der größte Teil blieb im Staatseigentum.



Eine kollaborative, philippinische Führungsschicht


Der wichtigste Schritt, ein neues, politisches System einzurichten, bestand darin, die philippinische Elite erfolgreich einzubinden, und man umschrieb es mit der "Politik des Anreizes". Reiche und konservative "Ilustrados" (Landpächter), die selbsternannte "Oligarchie der Intelligenz" war weitgehend von den unentschlossenen Revolutinären ausgeschlossen geblieben, da sie der Katipunan verdächtig gewesen war, und so hatten diese bereits früh bereitwillig Verhandlungen mit Spanien und/oder den Vereinigten Staaten aufgenommen. Trinidad H. Pardo de Tavera, ein Abkömmling des spanischen Adels, und Benito Legarda, ein wohlhabener Großgrundbesitzer und Kapitalist, waren 1898 aus Aguinaldos Regierung wegen Meinungsverschiedenheiten mit Mabini ausgetreten und arbeiteten inzwischen eng mit der Schumann und der Taft Kommission zusammen, und sie hatten die amerikanische Herrschaft vollends akzeptiert.

Im Dezember 1900 gründeten Tavera und Legarda die "Föderale Partei", die für den staatlichen Anschluss der Inseln an die Vereinigten Staaten eintrat. Im darauf folgenden Jahr wurden sie sie als erste philippinischen Mitglieder der "Philippinischen Kommission" für die Gesetzgebung ernannt. In einer derartig hervorgehobenen Stellung, war es ihnen möglich, den von ihnen vertretenen Födaralismusgedanken bei den Provinzgouverneuren, vor dem obersten Gerichtshof und bei den höchsten Stellen der Zivilverwaltung zu verbreiten. Doch obwohl sich die Partei schon im Mai 1901 mit 120.000 Mitgliedern brüstete, erreichte ihr Appell, die Inseln zu einem Bundestaat der Vereinigten Staaten machen zu wollen, nur einen geringen Anklang, denn die Partei wurde sowohl auf den Inseln als auch in den Vereinigten Staaten als eine überaus opportunistische Vereinigung betrachtet. Im Jahr 1905 überarbeitete die Partei ihr Programm gegen den entschiedenen Widerstand ihrer Führer und bekannte sich fortan zu einer "uneingeschränkten Unabhängigkeit", und sie änderte ihren Namen in "National Progressive Partei" (Partido Nacional Progresista).

Die "Nationale Partei" (Partido Nacionalista) etablierte sich 1907 und dominierte den politischen Prozess auf den Philippinen bis nach dem 2. Weltkrieg. Sie wurde von einer neuen Generation politischer Führer geführt, die nicht aus den Reihen der "Ilustrados" (Landpächter) stammten, und sie waren keineswegs radikal. Einer ihrer Führer, Manuel Quezon, entstammte einer mittelständischen Familie. Er war Offizier in Aguinaldos Armee gewesen, hatte Jura studiert und sein Staatsexamen 1903 abgelegt. Zunächst hatte er sich der Provinzpolitik zugewandt, war 1906 Gouverneur von Tayabas geworden und wurde bereits ein Jahr später in das philippinische Parlament gewählt. Sein Erfolg trotz seiner jungen Jahre erklärte sich aus seiner politischen Geschicklichkeit und seiner Fähigkeit, sich die Unterstützung einflussreicher Amerikaner zu sichern. Sein Mitstreiter und zeitweiliger Rivale in der "Nationalen Partei" war Sergio Osmeña, der als Sohn eines Ladenbesitzers studiert hatte und zuvor Journalist gewesen war. Seine journalistische Gründlichkeit und seine Fähigkeit, Details zu hinterfragen, ließen ihn zu einer perfekten Ergänzung von Quezon werden. Wie Quezon auch, war Osmeña Provinzgouverneur seiner Heimatprovinz Cebu gewesen, bevor er 1907 ins Parlament gewählt worden war und im Alter von nur 29 Jahren zu dessen ersten Parlamentssprecher gewählt wurde.

Obgleich das Parteiprogramm der "Nationalen Partei" bei ihrer Gründung für die "sofortige Unabhängigkeit" plädierte, glaubten amerikanische Beobachter, dass Osmeña und Quezon diese Forderung nur benutzen, um Stimmen zu gewinnen. Tatsächlich war ihre Politik gegenüber den Amerikanern überaus entgegenkommend. Im Jahr 1907 wurde mit amerikanischen Stellen eine Vereinbarung getroffen, die beide Führer dazu verpflichtete, im philippinichen Parlament jede Forderung nach Unabhängigkeit zu Fall zu bringen. Osmeña und Quezon, die bis zum 2. Weltkrieg die bestimmenden politischen Figuren auf den Inseln blieben, wären eigentlich an die Forderung nach sofortiger Unabhängigkeit gebunden gewesen. Das Scheitern von Aguinaldos Revolutionsbewegung aber hatte sie den Pragmatismus gelehrt, sich einer gemäßigteren Politik zu bedienen.

Die Gründung der "Nationalen Partei" 1907 beendete zunächst das Tauziehen in der Parteienlandschaft, denn die Partei bleib von 1916 an ohne ernst zu nehmende Mitbewerber bis die "Liberale Partei" 1946 siegreich aus den Wahlen hervorging. Der Erfolg des Systems oder besser der Erfolg der Nationalisten ging aus ihren guten Beziehungen zu modernen, politischen Einrichtungen mit traditionell sozialen Strukturen und Denkweisen hervor. Das bedeutendste daran war, dass die Integration der Elite auf lokaler Ebene in das neue, politische System gelang. Von dem Politikwissenschaftler Carl Landé wurden die philippinischen Parteien so beschrieben, dass sie sich mehr von "unten nach oben" als von "oben nach unten" organisiert hatten. So wurden nationale Forderungen von den Parteiführern zusammengefasst, die eng mit lokalen Eliten zusammenarbeiteten, welche oft noch Abkömmlinge der herrschenden Schicht aus spanischen Tagen waren und die ihre Wahlkreise kontrollierten, als stünden diese in einem Verhältnis zu ihnen wie zwischen dem von Herr zu Diener. Die Frage der Unabhängigkeit sowie deren Bedingungen und der Zeitrahmen, unter dem sie zu verwirklichen war, war vordergründig die entscheidende Frage auf nationaler, politischer Ebene. Doch gemäß Landé lagen die entscheidenden Faktoren bezüglich der öffentlichen Unterstützung eher in lokalen und sehr speziellen Gegebenheiten als auf nationaler und ideologischer Ebene. Die politischen Parteien der Filipinos glichen mehr einem intigranten Netzwerk persönlicher Beziehungen, welches von unten nach oben bis nach Manila und bis in die nationale Gesetzgebung reichte.

Als Klammern des durch die Anleitung der Vereinigten Staaten installierten Systems galten die einflussreichen Personen auf Gemeinde- und Provinzebene. Oft waren es Geschäftsleute und Grundbesitzer oder Freunde kolonialer Verwaltungsbeamter, die von diesen durch ihr Wohlverhalten entsprechende Unterstützung für geschäftliche Vorhaben erhielten. Wechselseitige Beziehungen zwischen Untergebenen und Vorgesetzten, wie meistens zwischen denen von Pachtbauern und Erntehelfern zu ihren Großgrundbesitzern, beruhten gewöhnlich auf dem Konzept des "Utang na loob" (Begleichung von Schulden) oder dem verwandschaftlicher Verbundenheit, und sie bildeten die Basis der Unterstützung auf Gemeindeebene durch die angesehenen Persönlichkeiten. Dieser Klüngel entschied über den Einfluss politischer Parteien. Die Ausdehnung des Wahlrechts auf alle Männer, die lesen und schreiben konnten, im Jahr 1916, der Erfolg in der Volksbildung und das Stimmrecht für Frauen ab 1938 vergrößerte die Anzahl der Wahlberechtigten ganz erheblich. Die Elite jedoch war weiterhin erfolgreich, sich die Unterstützung der neuen Wahlberechtigten zu sichern, und folglich wurde der Status quo zu einer rein populistisch orientierten Alternative nie wirklich vollzogen.

Die Politik des Anreizes sicherte den Erfolg, den die koloniale Verwaltung als politische Erziehung der Filipinos bezeichnete. Sie war allerdings gleichermaßen deren größter Fehler. Osmeña und Quezon waren als anerkannte Volksvertreter nicht sonderlich nachhaltig an einer sozialen Reform interessiert, und sie ignorierten lange die Probleme des Großgrundbesitzes, der Pachtbauern und der höchst ungerechten Aufteilung des Reichtums. Der wachsende Einfluss der "Nationalen Partei" besonders ab 1916, als sie fast die gesamte Kontrolle über die Zweikammerlegislative der Philippinen erreichte, verhinderte die effektive Berücksicktigung nicht konformer Interessen in das politische System. Nicht nur revolitionäre Vorstellungen, sondern auch moderate Reformen des sozialen und ökonomischen Systems wurden blockiert. Diskussionen über politische Alternativen wurden weniger berücksicktigt in politischen Prozessen als Personalangelegenheiten, die aus der Ethik vom Geben und Nehmen herrührten.



Der "Jones Akt"


In der Amtszeit von Gouverneur General Francis Burton Harrison (1913 - 1921) bestand seine besondere Absicht darin, eine harmonische Zusammenarbeit zwischen Amerikanern und Filipinos herzustellen. Harrisons Standpunkt (er wird dahingehend interpretiert, dass er sich selbst als "konstitutioneller Monarch" sah, der über eine "Regierung von Filipinos" herrschte) reflektierte die relativ liberale Einstellung von Präsident Woodrow Wilsons Verwaltung aus der "Demokratischen Partei". 1913 hatte Wilson fünf Filipinos in die "Philippinische Kommission" für die Gesetzgebung berufen und gestand damit den Filipinos erstmalig die Kommissionsmehrheit zu. Harrison führte zum großen Unmut der Amerikaner einschließlich der im Ruhestand befindlichen Beamten auf den Inseln eine "Filipinosierung" der Zivilverwaltung durch. Im Jahr 1913 gab es 2.623 amerikanische und 6.363 philippinische Beamte, und 1921 waren es 13.240 philippinische und nur noch 614 amerikanische Staatsdiener. Gegenüber Harrison wurde die Kritik laut, er hätte eine "Kolonialregierung der Amerikaner, die von Filipinos unterstützt wurde" in eine "Regierung von Filipinos mit amerikanischer Unterstützung" umgewandelt, wobei die Amerikaner als "Spielball und Werkzeug der Nationalen Partei" dienten.

Ein großer Schritt in Richtung Unabhängigfkeit wurde 1916 unternommen, als in den Vereinigten Staaten ein zweites philippinisches Grundgesetz verabschiedet wurde, welches umgangssprachlich als der "Jones Akt" bekannt wurde, welches das Gesetz von 1902 ersetzte. In der Präambel wurde die Absicht festgeschrieben, die Philippinen in die Unabhängigkeit entlassen zu wollen, sobald sich eine stabile Regierung etabliert hatte. Der "Philippinische Senat" ersetzte die "Philippinische Kommission" als Oberhaus der Gesetzgebung. Im Gegensatz zu der Kommission waren mit Ausnahme von zwei Personen alle der vierundzwanzig Senatoren frei gewählt, und von den neunundneunzig Repräsentanten des Unterhauses gingen abgesehen von neun Personen alle aus freien Wahlen hervor. Die zwei Senatoren und die neun Abgeordneten wurden vom Generalgouverneur ernannt, um den nichtchristlichen Bevölkerungsanteil zu repräsentieren. Die gesetzgeberischen Befugnisse unterlagen jedoch dem Vetorecht des Generalgouverneurs, und es konnten keine Gesetze verabschiedet werden, die die Rechte amerikanischer Staatsbürger einschränkten. Dennoch legte der "Jones Akt" die Gesetzgebung weitgehend in philippinische Hände. Die Exekutive blieb aber weiterhin in der Hand des Generalgouverneurs, und der oberste Gerichtshof bestand auch 1916 noch aus amerikanischen Richtern, die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt worden waren.

Für beide Häuser wurden 1916 Wahlen abgehalten, und die "Nationale Partei" gewann diese haushoch. Alle außer einem der wählbaren Sitze im Senat und dreiundachtzig von neunzig Sitzen des Unterhauses, die durch Wahlen besetzt werden konnten, wurden von ihren Kandidaten gewonnen und degradierten die "National Progressive Partei", die frühere "Föderale Partei" in eine unbedeutende Opositionsrolle. Quezon wurde zum Präsidenten des Senats gewählt, und Osmeña blieb weiterhin Sprecher des Unterhauses.

Der "Jones Akt" blieb das Grundgesetz der Verwaltung auf den Philippinen bis der Kongress der Vereinigten Staaten 1934 ein neues Gesetz verabschiedete, welches 1935 in Kraft trat und den "Commonwealth der Philippinen" ins Leben rief. Jedoch die Auslegung des "Jones Akts" wurde von den Generalgouverneuren unterschiedlich ausgelegt. Harrison forderte die Gesetzgebung kaum durch die Inanspruchnahme seines Vetorechts heraus. Während sein Nachfolger, General Leonard Wood (1921 - 1927), davon überzeugt war, dass es, wenn sich die Vereinigten Staaten von den Inseln zurückzogen, für die Filipinos zu einem Disaster kommen musste, und außerdem würde es sich negativ für die Interessen der Vereinigten Staaten im westlichen Pazifik auswirken. Er forderte durch den 166maligen Gebrauch seines Vetorechts innerhalb von sechs Jahren den erbitterten Widerstand der Nationalisten heraus. Die Nationale Partei initiierte einen politischen Stillstand, als 1923 eine ganze Reihe ranghohe, philippinische Beamte von ihren Posten zurücktraten und diese Positionen bis zum Ende der Amtzeit von Wood im Jahre 1927, welches auch sein Todesjahr war, vakant blieben. Sein Nachfolger hingegen änderte Woods Politik grundsätzlich und fand zu einer effektiven Zusammenarbeit mit philippinischen Politikern zurück.

Obwohl der "Jones Akt" die Verantwortlichkeit für die Moro-Regionen, welches 1914 in der Abteilung Mindanao und Sulu zusammengefasst worden war, nicht vom amerikanischen Gouverneur auf die durch Filipinos kontrollierte Legislative übertragen wurde, bemerkten die Moslems die "Filipinisierung" der Zivilverwaltung und empfanden die Einwilligung der Vereinigten Staaten bezüglich einer eventuellen Unabhängigkeit als Bedrohung. Nach Auffassung der Moros würden die unabhängigen Philippinen von den Christen, ihren traditionellen Feinden, dominiert werden. Die Politik der Vereinigten Staaten war es seit 1903 gewesen, die historisch gewachsene Autonomie der Moslems aufzuheben. Die Zuwanderung christlicher Siedler von Luzon und von den Visaya-Inseln in relativ dünn besiedelten Gebieten Mindanaos wurden gefördert, und die Neuankömmlinge begannen bald die Moros aus ihre eigene Heimat zu verdrängen. Große Gebiete der Insel wurden für die wirtschaftliche Erschließung frei gegeben. Moslemische Traditionen und Einrichtungen wurden von gesetzlich nicht anerkannt. Im März 1935 sandten die Moslems eine Petition an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt, worin sie baten, dass "das amerikanische Volk uns nicht eher die Freiheit geben möge, bis wir gebildet und stark genug sind, denn wir fühlen uns wie Kälber, die, wenn sie von ihrer Mutterkuh verstoßen werden, den gnadenlosen Wölfen zum Fraß fallen." Jeglicher Vorschlag über einen gesonderten Status oder gar über eine weitere Herrschaft der Vereinigten Staaten über die Moro-Regionen stießen auf den vehementen Widerstand der christlichen Filipinos, denen, nachdem der "Commonwealth der Philippinen" eingerichtet worden war, virtuell die gesamte Kontrolle auf Regierungsebene übertragen wurde.



Ökonomische und soziale Entwicklung


Die "Taft Kommission", die 1900 ernannt wurde, betrachtete die wirtschaftliche Entswicklung zusammen mit der Bildung und der Einrichtung staatlicher Institutionen als einen der drei Hauptpfeiler des Erziehungsprogramms der Vereinigten Staaten. Ihre Mitglieder entwickelten kühne Pläne, um Eisenbahnen und Fernstraßen anzulegen, die Hafenkapazitäten zu erweitern, Märkte für philippinische Waren durch Senkung oder Subventionierung von von Herstellungskosten zu erschließen und ausländische Investoren für den Bergbau, die Forstwirtschaft und den Getreideanbau zu gewinnen. Noch 1901 war 93% der gesamten Landmasse der Inseln in öffentlichem Besitz, und man hoffte, einen Teil des Landes an amerikanische Investoren verkaufen zu können. Die Pläne aber wurden vereitelt, da die mächtigen Vwertreter aus der Landwirtschaft im amerikanischen Kongress die Konkurrenz des philippinischen Zuckers, Kokosnussöls, Tabaks und anderer Exportgüter fürchtete. Obwohl Taft für liberalere Bedingungen eintrat, erließ der Kongress der Vereinigten Staaten 1902 ein Landgesetz, nach dem an amerikanische Einzelpersonen nur 16 Hektar Land aus philippinischem Eigentum und lediglich 1,024 Hektar Land an amerikanische Firmen verkauft werden durfte.Die Schulen des Landes richteten sich nach amerikanischem Vorbild aus, und dieses hat sich bis heute nicht geändert. - Eine philippinische Schulklasse und ihr amerikanischer Lehrer um 1920. Diese Gängelung und Einschränkung des Finanzmarktes in den Vereinigten Staaten verhinderte eine Entwicklung weitgehend, wie sie durch Plantagen ausländischer Eigentümer stattfand, sie sich in britisch Malaysia, in niederländisch Ostindien (heute: Indonesien)und im französischen Indochina (heute: Vietnam, Kambodscha und Laos) niedergelassen hatten.

Die "Taft Kommission" argumentierte, Handelserleichterungen wären wichtig für die Inseln, um sie zu entwickeln. Im August 1909 passierte das sogenannte Payne Aldrich Gesetz den Kongress, welches mit Ausnahme von Reis, Zucker und Tabak allen philippinischen Produkten die zollfreie Einfuhr gewährte, wobei für Zucker und Tabak noch Quoten festgelegt wurden. 1913 hob das Underwood-Gesetzt alle Beschränkungen auf. Diese Gesetze führten hauptsächlich dazu, dass die Inseln zunehmend von den amerikanischen Märkten abhingen; zwischen 1914 ond 1920 stieg der Anteil des philippinischen Exports in die Vereinigten Staaten von 50 auf 70 Prozent. Um 1939 hatte er 85 Prozent erreicht, und 65 Prozent der Importe kamen aus den Staaten.

Im Jahr 1931 waren in der inländischen Wirtschaft zwischen 50.000 und 100.000 Chinesen beschäftigt, wovon viele erst nach der Übernahme der Macht durch die Vereinigten Staaten ins Land gekommen waren. Etwa 16.000 Japaner hatten sich weitgehend auf Mindanao in der Provinz Davao konzentriert (die durch sie "besetzte" Stadt wurde oft scherzhaft mit "Klein-Tokyo im Süden" bezeichnet), und sie fanden in der Abaka-Industrie Arbeit. Dennoch erreichte die Zuwanderung nie ein Ausmaß, die ausgereicht hätte, die Kontrolle über ganze Industriezweige oder gar die Gesamtwirtschaft zu erlangen und damit die sozialen Strukturen zu zerstören, wie es im britischen Malaysia und Burma geschah.



Das Problem der Landpacht


Die nur begrenzte Intervention der Vereinigten Staaten in die Wirtschaft und die Dominanz der Elite der "Nationalen Partei" im politischen System der Philippinen sicherte den Status quo im Verhältnis zwischen Großgrundbesitzern und deren Landpächtern, sogar obgleich sich einiges an traditionellen Aspekten änderte. Der Versuch der Regierung ab 1903, verstreut liegende landwirtschaftliche Betriebe nach dem Modell des amerikanischen Westens einzurichten, vertrug sich nicht mit den getroffenen Vereinbarungen mit den Großgrundbesitzern. Obwohl einige Regionen auf dem Archipel ihre eigenen, speziellen Arrangements getroffen hatten und verschiedene Pächter zu Eigentümer kleiner Parzellen wurden, blieb das "Kasama-System" (Pacht-System) das vorherrschende, besonders in den Reisgegenden von Zentral-Luzon und auf den Inseln Visayas.

Die Arbeit in der Landwirtschaft auf den Philippinen war schon immer schwer... und sie ist es geblieben Nach diesen Arrangements lieferten die Landeigentümer die Saat und das nötige Kapital, um die Landpächter über die Saison an sich zu binden, wohingegen die Pächter für alle benötigten Werkzeuge und Arbeitstiere zuständig und für eine Hälfte des Getreides verantwortlich waren. Gewöhnlich teilten sich der Landeigentümer und der Pächter die Ernte je zur Hälfte, doch erst nachdem der Eigentümer seine zuvor gemachten Ausgaben davon abgezogen hatte. Die Bedingungen konnten in gerade gerodeten Landabschnitten etwas besser gewesen sein, in denen die Eigentümer Pächter zunächst anlocken mussten, um das Land zu kultivieren. Manchmal waren die Landpachtverträge allerdings auch dreigeteilt, wobei ein Landeigentümer sein Land einem "Inquilino" verpachtete, der es dann den "Kasamas" unterverpachtete. Nach den Worten des Historikers David R. Sturtevant hört sich das so an: "Dreimal vertrieben vom Besitz quält jeden "Taos" (Bauern), der ständig kleinere Anteile von den gestohlenen Resten seiner Ernte erhält."

Die Landpächter waren gewöhnlich hoch verschuldet, denn sie hingen völlig von den Bedingungen ab, die ihnen der Landeigentümer oder "Inquilino" auferlegte, und sie mussten hohen Schuldzinsen aufbringen. Die Schulden samt Zinsen stiegen schnell ins Unermessliche und wurden zu unüberwindlichen Hürden. Es wird geschätzt, dass im Jahr 1924 eine durchschnittliche Landpächterfamilie ununterbrochen für etwa 163 Jahre lang arbeiten musste, um ihre Schulden zu begleichen und um einen Besitzanspruch auf das Land, welches sie bewirtschaftete, zu erhalten. Das "Kasama-System" brachte eine Klasse von Leibeigenen und Sklaven hervor, wobei die Kinder die Schulden der Eltern erbten und somit Generationen einer Familie an ihre Gläubiger fesselte. Verträge wurden gewöhnlich mündlich vereinbart, und die Landeigentümer konnten diese jederzeit nach ihren Vorstellungen nachbessern.

Von jeher lebten die einfachen Bauern auf den Philippinen unter den ärmsten Bedingungen. Zwei Faktoren führten zu der Verschlechterung der Position der Landpächter. Das schnelle Wachstum der Bevölkerung (von 7,6 Millionen im Jahre 1905 auf 16 Millionen im Jahr 1939) durch Verbesserungen in der Gesundheitsvorsorge brachte einen erheblichen Druck auf das Land und verringerte den Lebensstandard durch ein Überangebot an Arbeitskräften. Eng verbunden mit dem Bevölkerungsanstieg war die Erosion der traditionellen Bande zwischen Patron und Pächtern. Das Interesse der Landeigentümer am Wohlergehen ihrer Pächter ließ nach. Die Landeigentümer hörten auf, wichtige Dienste zu leisten und zogen es vor, ihre Profite aus dem Verkauf landwirtschaftlicher Produkte, die zuvor das Leben auf dem Lande ermöglichten, in andere Geschäfte zu investieren. Die Pächter beschuldigten die Grundbesitzer der Schamlosigkeit, indem sie das Prinzip des "Utang na Loob" (Geben und Nehmen) vergessen hatten und sich der Dienste ihrer Pächter ohne Bezahlung und ohne jegliche andere Gegenleistung bedienten.

Da die Kultivierung des Landes von 1,3 Millionen Hektar im Jahr 1903 auf 4 Millionen Hektar im Jahr 1935 anstieg (es wurde durch die große Nachfrage der Vereinigten Staaten und das inländische Bevölkerungswachstum verursacht), vergrößerte sich ebenfalls das Landpächterproblem. 1918 gab es ungefähr 2 Millionen landwirtschaftliche Betriebe, von denen 1,5 Millionen von ihren Eigentümern bewirtschaftet wurden, und 1939 waren diese Zahlen auf 1,6 Millionen und etwa 800.000 gesunken, da Eigentümer zunehmend durch Pächter und eingewanderte Arbeiter ersetzt wurden. Die ungleiche Verteilung des Reichtums vergrößerte sich kontinuierlich. Im Jahr 1939 erwirtschafteten die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung 40 Prozent des Volkseinkommens. Die Elite und die Landpächter und Landarbeiter hatten sich sowohl kulturell und geographisch als auch wirtschaftlich voneinander getrennt. Neue, ländliche Zentren entstanden, die amerikanische Kultur versprachen. Die Elite verließ den ländlichen Raum und wurde zu abwesenden Eigentümern, die das Management ihrer Ländereien anderen und oft skrupellosen Geschäftemachern überließ. Die philippinische Polizeitruppe musste eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Widerstand der unterdrückten Anti-Landeigentümer- Bewegung übernehmen.



Widerstandsbewegungen


Die Tradition der ländlichen Revolten, die meistens von missionarisch klingenden Tönen begleitet wurden, setzte sich unter der Herrschaft der Vereinigten Staatewn fort. Bunte Sekten, die auf die alte "Cofradia de San José" (Bruderschaft von San José) zurückgingen, verbreiteten sich rasch in den christlichen Regionen des Archipels, und in den frühen zwanziger Jahren machten sie den Führern der römisch-katholische Kirche und den Missionaren von Gregorio Aglipays unabhängiger, philippinischer Kirche (Iglesia Filipina Independiente) enrsthaft zu schaffen. Eine Sektenrevolte brach im Nordosten von Mindanao zu Beginn des Jahres 1924 aus, welche von der Vorhersage des baldigen Jüngsten Gerichts eines Sektenführers ausgelöst worden war. Florencio Entrencherado, ein Ladenbesitzer auf der Insel Panay, proklamierte sich 1925 selbst zu Florencio I., dem Kaiser der Philippinen, was etwas paradox klang, denn er hatte sich im selben Jahr der Wahl zum Gouverneur von Iloilo gestellt und wollte die Steuern senken, Maßnahmen gegen chinesische und japanische Händler einleiten, und er hatte die sofortige Unabhängigkeit gefordert. Obwohl er bei der Wahl unterlag, hatte seine Wahlkampagne ihn zu einem bekannten Mann auf den westlichen Inseln Visayas werden lassen und ihm die Sympathien der Armen in den Zuckerprovinzen von Panay und Negros eingebracht. Indem er halbgöttliche Fähigkeiten vorgab (er konnte angeblich die Elemente kontrollieren, da dieses ihm vom Heiligen Geist, von Vater Burgos und von Rizal offenbart worden war), gewann Florencio im Jahr 1926 auf Panay und Negros mehr als 10.000 Anhänger. Im Mai 1927 folgten seine Anhänger seinem Ruf, indem "die Stunde gekommen ist, dass die Armen aufgerufen sind, die Reichen zu töten", und damit begann ein weiterer, erfolgloser Aufstand

Der Spannungen waren jedoch in Zentral-Luzon am größten, wo die Landpacht am verbreitesten war und die Bevölkerung sich unter dem größten Druck befand. Der Tayug Aufstand im Jahr 1931 nördlich von Manila wurde in von einer Sekte ausgelöst und hatte religiöse Motive, denn messiastische Strömungen drückten sich durchaus weltlich aus und das besonders in revolutionären Zeiten. Eine der ersten dieser Bewegungen war die "Vereinigung der Heiligen Kabola" (Kapisanan Makabola Makasinag), ein Geheimbund, der 1925 etwa 12.000 Mitglieder zählte und in der Provinz Nueva Ecija agierte. Sein Anführer, Pedro Kabola, forderte die Befreiung der Philippinen und versprach dabei die Hilfe der Japaner. Die Tangulang Bewegung (Kapatiran Tangulang Malayang Mamamayang - Vereinigung einer Offensive für unsere zukünftige Freiheit), die 1931 gegründet wurde, war sowohl bodenbständig als auch ländlich geprägt und vereinte mehr als 40.000 Anhänger.

Die wichtigaste Bewegung jedoch war die der Sakdalistas. Diese wurde 1933 durch Benigno Ramos ins Leben gerufen, der ein früheres Mitglied der "Nationalen Partei" und Mitstreiter von Quezon gewesen war. Mit ihm hatte er sich wegen der Frage der Kollaboration überworfen. Die "Sakdal Partei" (Sakdal bedeutet Anklage) stellte Kandidaten für die Wahl von 1934 auf, und sie forderte die völlige Unabhängigkeit zum Ende des Jahres 1935. Eine neuerliche Landverteilung sollte erfolgen und die Landpacht beendet werden. Die Sakdalistas gewannen eine ganze Reihe von Sitzen im Parlament und auf Provinzebene, und sie hatte Anfang 1935 bereits mehr als 200.000 Parteimitglieder. Wegen schlechter Ernten und einer steigenden Frustration gegenüber der Regierung, die sich als unfähig erwiesen hatte, berechtigte Forderungen zu erfüllen, griffen die Sakdalistas zu den Waffen und besetzten Regierungsgebäude an vielen Orten vom 1. auf den 2. Mai 1935. Der Aufstand, der von der philippinischen Polizei niedergeworfen werden konnte, kostete 100 Menschen das Leben, und Benigno Ramios musste ins Exil nach Japan fliehen.

In den dreißiger Jahren gewannen die Pächterbewegungen zunehmend an Bedeutung in Zentral-Luzon, da ihre Aktivitäten zunahmen, sie sich besser artikulierten und perfekter organisierten. 1938 schloss sich die "Soziale Partei" mit der "Kommunistischen Partei" (Partido Komunista ñg Pilipinas - PKP) zu einem Bündnis zusammen, welches bessere Verträge für die Landpächter und Landarbeiter und verbesserte Arbeitsbedingungen forderte. Als die Wirtschaftskrise fortschritt und die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse zusammenbrachen, begannen die Landpächter zu streiken, und es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Großgrundbesitzern, den Aufsehern und der philippinischen Polizei.

Als Antwort der verschlechterten Bedingungen startete der Commonwealth-Präsident, Quezon, das "Soziale Gerechtigkeitsprogramm", welches eine Regulierung der Pacht beinhaltete und dennoch nur magere Ergebnisse hervorbrachte. Es gab keine ausreichenden finanziellen Mittel, das Programm umzusetzen, und auf lokaler Ebene wurde es durch die Landeigentümer und von den Verantwortlichen in den Gemeinden sabotiert. 1939 und 1940 wurde tausenden von Pächtern gekündigt, weil sie darauf bestanden hatten, das Reisanteilgesetz für Pächter von 1933 endlich umzusetzen, welches den Pächtern einen größeren Ernteanteil zusicherte.

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