Die Philippinen im Wandel der Geschichte
Republika g Pilipinas


Frühgeschichte und spanische Kolonialherrschaft
beginnend vor 1521 bis 1898
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Frühgeschichte

Negritos, Urmalaien und weitere malaiische Völker bildeten die Urbevölkerung auf dem philippinischen Archipel. Von den Negritos wird angenommen, dass sie während der Eiszeit vor etwa 30.000 Jahren über eine Landbrücke eingewandert sind. Spätere Einwanderungen waren nur über See möglich und erfolgten vor und nach der Christianisierung in mehreren Wellen über tausende von Jahren.

Die soziale und politische Organisation der Bevölkerung auf den weit vertreut liegenden Inseln entfaltete sich nach einem allgemein gültigen Muster. Lediglich die sesshaft gewordenen Reisbauern im Norden Luzons entwickelten ein Konzept von Territorialität. Zur Basisgemeinschaft ihrer Siedlungen entstand das "Barangay", wobei es sich vom Ursprung her um eine Großfamilie handelte, die von einem "Datu" (Häuptling) angeführt wurde. Innerhalb des "Barangays" bestand die weit gefächerte soziale Untergliederung in Edelleuten, wozu u. a. der "Datu" zählte, in freien Menschen und in einer Gruppe von Menschen, die in vorspanischer Zeit als Abhängige bezeichnet wurden. Diese wiederum unterteilten sich in mehrere Kategorien, die jeweils einen unterschiedlichen Status hatten. So unterschied man beispielsweise in landlose Landarbeiter und andere, die ihren Status als freie Menschen aufgrund von Verschuldung oder krimineller Taten eingebüßt hatten, sowie in Sklaven, die meistens aus Gefangenen rekrutiert wurden.

Der Islam gelangte auf die Philippinen durch Händler und Bekehrer, die von den indonesischen Inseln herüberkamen. Um 1500 herum hatte er sich im Sulu Archipel fest etabliert und war nach Mindanao gelangt; um etwa 1565 erreichte er die heutige Region um Manila. Moslemische Einwanderer brachten eine politische Struktur mit, die sich nach Territorien orientierte und die von einem "Radscha" (Fürst) oder Sultan regiert wurden, der dann wiederum den "Datus" vorstand. Doch weder das "Staatenkonzept" der moslemischen Herrscher noch das "Siedlungskonzept" der Reisbauern von Luzon setzte sich jenseits ihrer Ursprungsgebiete flächendeckend durch. Als die Spanier im 16. Jahrhundert eintrafen, lebte die Mehrheit der ungefähr 500.000 Menschen zählenden Bevölkerung noch in "Barangay-Siedlungen".



Die frühe spanische Periode, 1521-1762


Seekarte von Indien und Südostasien aus dem 1600. Jahrhundert Geschichtlichen Unterlagen nach wurden die Philippinen am 6. März 1521 durch Ferdinand Magellan bei seiner beabsichtigten Weltumseglung entdeckt. Magellan landete auf der insel Cebu und nahm das Land im Namen von König Karl I. von Spanien in Besitz, bevor er einige Monate später von einem lokalen Häuptling getötet wurde. In den darauf folgenden Dekaden entsandte die spanische Krone mehrere Expeditionen auf das Archipel. Eine anhaltende spanische Besiedlung setzte schließlich ab 1565 ein, nachdem Miguel López de Legaspi, der erste königliche Gouverneur, aus "Neu Spanien" (Mexico) auf Cebu eingetroffen war. Sechs Jahre später, nach dem Sieg über den örtlichen Moslemherrscher, richtete er seine Hauptstadt in Manila ein, da dieser Ort einen ausgezeichneten Hafen in der geschützten Bucht von Manila bot, eine relativ große Bevölkerung hatte und in unmittelbarer Nähe zu den fruchtbaren Feldern von Zentral-Luzon mit seinen Reisfeldern gelegen war. Manila blieb fortan das Zentrum aller zivilen, militärischen, religiösen und kommerziellen Aktivitäten der Spanier auf den Inseln. Dem Archipel wurde zu Ehren von König Philip II. von Spanien, der von 1556 bis 1598 regierte, dessen Namen gegeben, den das Land noch heute trägt.

Spanien verfolgte drei Ziele in seiner Politik gegenüber den Philippinen, seiner einzigen Kolonie in Asien: Es beanspruchte einen Anteil am Gewürzhandel, es beabsichtigte seine Kontakte nach China und Japan auszubauen, um dort eine christliche Missionierung vorzunehmen und es wollte die Filipinos zum Christentum bekehren. Doch nur das dritte Ziel wurde mit gewissen Abstrichen realisiert, denn der aktive Widerstand der Moslems im Süden und der Hochlandstämme der Igorots im Bergland des Nordens verhinderte seine gänzliche Umsetzung. Philip II. ordnete ausdrücklich an, dass die Befriedung der Philippinen nur mit friedlichen Mitteln durchzusetzen war, denn er wollte einen Ruf vermeiden, wie ihn Spanien im blutreichen Kampf um Amerika erlangt hatte. So erfolgte die Besetzung des Landes mit relativ wenig Blutvergießen, weil ihr die Mehrheit der Bevölkerung (außer den Moslems) nur einen geringen bewaffneten Widerstand entgegensetzte.

Der Eingeborenenhäuptling Lapulapu tötete den Entdecker der Philippinen Magellan Kirche und Staat waren untrennbar miteinander verflochten, um die spanische Politik umzusetzen. Der Staat übernahm administrative Aufgaben wie die Finanzierung der Aufwendungen und die Bereitstellung von Personal für die zusätzlichen kirchlichen Aufgaben, und die Bekehrung der indianischen Bevölkerung zum Christentum wurde in die Hände mehrerer religiöder Orden gelegt. Es waren die Dominikaner, die Franziskaner und die Augustiner, die zusammenfassend allgemein als die Mönche bezeichnet wurden - sowie die Jesuiten. Für untergeordnete Stellen der kolonialen Administration griffen die Spanier auf bestehende traditionelle, dörfliche Organisationsstrukturen zurück, um deren örtlichen Führer in konkret umzusetzende Verwaltungsaufgaben einzubinden.

Dieses System der Vorschaltung von "Unterführern" führte dazu, dass sich besonders in ländlichen Gegenden eine Führungsklasse unter den Filipinos bilden konnte, die mit der der "Principalia" oder mit den Häuptlingen verglichen werden kann. Diese Klasse erlangte über einen gewissen Wohlstand, errang Macht und Prestige und erhielt bestimmte Privilegien, wie z. B. Steuerfreiheit, weniger Pflichten im kirchlichen Gemeindeleben und freien und jederzeitigen Zugang zu allen lokalen Behörden. Das "Pricipalia-System" war einflussreicher und effizienter als das vorspanische Häuptlingssystem, und es schuf und implementierte ein oligarchisches System ständiger Kontrolle vor Ort. Zu den signifikantesten und nachhaltensten Änderungen, die unter der spanischen Regentschaft stattfanden, zählte, dass die traditionell philippinische Denkweise über Allgemeinnutzung und Allgemeinbesitz von Land durch das Konzept des privaten, individuellen Eigentums ersetzt wurde und dass den Angehörigen der "Principalia" Titel verliehen wurden.

Die Religion spielte eine bedeutende Rolle in Spaniens seiner Beziehung mit und Einstellung zu der indianischen Bevölkerung. Die Spanier betrachteten die Bekehrung durch die christliche Taufe als Symbol der Unterwerfung und Anerkennung ihrer Autorität. Obwohl man grundsätzlich daran interessiert war, einen Profit aus der Kolonie zu ziehen, erkannten die Spanier dennoch ihre Pflicht an, das Eigentum und die persönlichen Rechte dieser neuen Christen zu schützen.

Die Arbeit der Kirche, die Filipinos zu bekehren, wurde dadurch erheblich erleichtert, dass mit Ausnahme des Islams, der im Süden des Landes dominierte, keine anderen, institutionalisierten Religionen vorhanden waren. Die Missionare erzielten ihre größten Erfolge bei Frauen und Kindern, obwohl die Pracht und der Prunk der Kirche in allen Kreisen einen weiten Anklang fand und was noch durch die Einbeziehung von sozialen Gewohnheiten der Filipinos in die religiösen Riten verstärkt wurde - indem man beispielsweise auf einer Fiesta den Heiligen Patron einer örtlichen Gemeinde feierte. Dieses führte letztlich zu der neuen kulturellen Gemeinsamkeit der hauptsächlich aus Malaien bestehenden Tieflandbevölkerung im Gegensatz zu den Moslems (von den Spaniern als Moros oder Moore bezeichnet) und den Hochlandstämmen auf Luzon, die sich weitgehend abgesondert hatten und sich somit von den Bekehrten zunehmend entfremdeten.

Weder fanden die Spanier Gewürze, noch fanden sie abbaubare Edelmetalle auf den Philippinen. Die Ökologie auf den Inseln veränderte sich zunehmend aufgrund spanischer Importe und technischer Innovationen, wenn man einmal von der Getreidezucht und der Ausdehnung der Anbauflächen absieht, um die Versorgung mit Reis für eine ständig wachsende Bevölkerung zu sichern. Die Kolonie erwies sich als wenig profitabel, und ein lang andauernder Krieg mit den Holländern im siebzehnten Jahrhundert sowie ein kurzzeitig ausgesetzter Konflikt mit den Moros führte die Kolonie fast in den Konkurs. Die jährlichen Defizite mussten von Mexico ausgeglichen werden.

Koloniale Einnahmen erzielte man größtenteils aus dem Zwischenhandel. Die "Manila Galleonen" segelten von Acapulco an der Westküste Mexicos nach Manila, brachten Ladungen an Silberbarren und gestanzten Münzen, mit denen dann für die Rückfahrt chinesische Waren, die vornehmlich aus Seide und Textilien bestanden, eingekauft wurden. Ein direkter Handel mit Spanien bestand nicht. Die Unfähigkeit, einheimische, natürliche Recoursen zu nutzen und die Konzentration von praktisch dem gesamten staatlichen, privaten und kirchlichen Kapital in den Galleonenhandel verstärkte darüber hinaus die Anfälligkeit der Wirtschaft. Der Untergang oder die Kaperung einer Galleone oder einer chinesischen Dschunke auf den Weg nach Manila bedeutete stets ein Disaster für die gesamte Kolonie.

Der blühende Zwischenhandel zog sehr schnell eine wachsende Zahl von Chinesen nach Manila. Die Chinesen, die zudem gewohnt waren, große Handelsströme zu managen, brachten außerdem einige nötige Sicherheitsvorkehrungen und finanzielle Dienstleistungen in den Kapitalmarkt. Die Spanier sahen sich ihre Aktivitäten mit gemischten Gefühlen an und mussten doch ihre unentbehrlichen Finanzkenntnisse anerkennen. In den ersten Dekaden der spanischen Herrschaft waren die Chinesen in Manila weitaus zahlreicher als die Spanier, die sich dagegen zu wehren versuchten, indem man ihnen restriktive Beschränkungen bezüglich der Niederlassung auferlegte, sie zeitlich begrenzt deportierte und sie manchmal auch öffentlich bedrohte, was in der einheimischen Bevölkerung nicht selten zu ungezügelten Tumulten und zu wahren Massakern unter den Chinesen in der Zeit von 1603 bis 1762 führte.



Der Niedergang der spanischen Herrschaft, 1762-1898


Im Jahr 1762 trat Spanien in den Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) auf der Seite Frankreichs gegen Britannien ein. Im Oktober 1762 eroberten Truppen der britischen Ostindien Company Manila nach schweren Gefechten. Der spanische Widerstand sammelte sich unter dem Provinzgouverneur Simón de Anda, der sein Quartier in Bacolor in der Provinz Pampanga errichtet hatte. Erst mit dem Friedensabkommen von Paris, welches formell den Krieg beendete, erhielt Spanien im Mai 1764 Manila zurück. Die britische Besetzung, so unwesentlich sie für den Krieg auch gewesen sein mag, führte in bemerkenserter Weise dennoch zum Anfang vom Ende der alten Ordnung.

Bekannte Collage über die spanische Herrschaft und den Freiheitskampf der Philippinen Spaniens Ansehen hatte wegen der Niederlage durch britische Truppen irreperable Schäden davongetragen. Somit brachen einige, kleine Aufstände aus, von den der bemerkenstwerteste der von Diego Silang im Ilocos Gebiet von Nord-Luzon war. Im Dezember 1762 vertrieb Silang die Spanier aus der Küstenstadt Vigan und richtete dort eine unabhängige Regierung ein, die freundschaftliche Beziehungen zu Britannien unterhielt und sich erfolgreich gegen die spanischen Angriffe auf Vigan zur Wehr setzte, bis er im Mai 1763 einem Attentat zum Opfer fiel. Die Spanier, die durch ständige Attacken der Briten und einiger Rebellen militärisch gebunden waren, sahen sich außerstande, die Angriffe der Moros im Süden gegen die christlichen Gemeinden auf den Visaya Inseln und im Süden von Luzon zu beenden. Tausende von christlichen Filipinos wurden gefangen genommen und versklavt. Die Übergriffe der Moros sollten für den Rest des Jahrhunderts das Hauptproblem der Spanier auf den Philippinen bleiben. Die chinesische Gemeinde, die der spanischen Diskriminierung überdrüssig war, unterstützte überwiegend sehr enthusiastisch die Briten, in dem sie ihnen Arbeiter und bewaffnete Männer zur Verfügung stellten, um Anda in Pampanga zu bekämpfen.

Nachdem die spanische Herrschaft wieder weitgehend gefestigt werden konnte, erwies sich José Basco y Vargas als einer der fähigsten spanischen Gouverneure. Er bekleidete dieses Amt von 1778 bis 1787 und führte eine Reihe von Reformen durch, die zum Ziel hatten, sich von den jährlichen Zuzahlungen aus Neu Spanien (Mexico) zu lösen. 1781 gründete er die "Wirtschaftsgesellschaft von Freunden des Landes", die, trotz ihrer wechselvollen Geschichte über ein Jahrhundert lang Bestand haben sollte, den verstärkten Anbau von Agrarprodukten für den Export anregte. So produzierte man Indigo, Tee, Seide, Klatschmohn (Opium) und Abaka (Hanf) und förderte die einheimische Industrie. Seitens der Regierung wurde ein Tabakmonopolgesetz erlassen, welches der Regierung enorme Steuern einbrachte und die Philippinen zum führenden Tabakproduzenten in der Welt aufsteigen ließ.

Der altehrwürdige Galleonenhandel zwischen den Philippinen und Neu Spanien (Mexico) bestand als Regierungsmonopol bis 1815. In diesem Jahr lief die letzte offizielle Galleone von Acapulco kommend Maila an. Die "Königliche Kompagnie der Philippinen", die 1785 vom spanischen König ins Leben gerufen war, durfte von diesem Jahr an direkte Handelbeziehungen zwischen den Inseln und Spanien aufnehmen. Alle philippinischen Waren unterlagen keinerlei Einfuhrsteuer, und somit sah sich sowohl die Kompagnie wie auch Bascos Wirtschaftsgesellschaft ermutigt, die Agrarwirtschaft auszubauen und einen Teil des Gewinns in die Produktion von Zucker, Indigo, Pfeffer, Maulbeerbäume für die Seidenschnecken und eine verarbeitende Textilindustrie zu investieren.



Der Handel zwischen Europa und Amerika


So lange das Spanische Weltreich am östlichen Rand des Pazifiks intakt blieb und die Galleonen von und nach Acapulco segelten, bestand trotz der Initiative des José Basco y Vargas in seiner Zeit als Gouverneur in Manila auf Seiten der Kolonialbehörden wenig Interesse, einen Anreiz darin zu sehen, die philippinische Wirtschaft zu fördern. So standen der "Wirtschaftsgesellschaft" nach seiner Abberufung harte Zeiten bevor, und selbst die "Königliche Kompagnie" wies sinkende Gewinne aus. Die Unabhängigkeit von Spaniens lateinamerikanischen Kolonien, besonders die von Mexico im Jahre 1821, erforderte eine völlige Neuorientierung der Politik. Die Inseln waren urplötzlich von den mexikanischen Subventionen und geschützten lateinamerikanischen Märkten abgeschnitten und mussten sich fortan selbst tragen. Die im ausgehenden achtzehnten Jahrhundert eingeleitete wirtschaftliche Isolation war nicht länger praktikabel.

Eine wachsende Anzahl ausländischer Geschäftsleute in Manila führte zu einer Integration der Philippinen in das internationale Wirtschaftssytem und vernetzte das Land mit den industrialisierten Ländern Europas und Nordamerikas sowie mit den Rohstoffquellen und Märkten in Amerika und Asien. Grundsätzlich war es nichtspanischen Europäern nicht gestattet, sich in Manila oder sonst wo auf den Inseln anzusiedeln, aber in der Praxis umgingen britische, amerikanische, französische, deutsche und andere ausländische Händler dieses Verbot, indem sie sich unter den Schutz der Flaggen anderer asiatischer Staaten begaben oder schlicht und einfach stillschweigend von lokalen, spanischen Behörden geduldet wurden. 1834 löste die Krone die "Königliche Kompagnie der Philippinen" wieder auf und erkannte damit auch formell den freien Warenhandel an. Der Hafen von Manila wurde für den internationalen Warenaustausch geöffnet.

Ansicht auf Manila von See aus dem 1900. Jahrhundert Um 1856 bestanden dreizehn ausländische Handelsgesellschaften in Manila, von denen sieben britisch und zwei amerikanisch waren. Zwischen 1855 und 1873 öffneten die Spanier weitere Häfen für den Auslandshandel. Es handelte sich dabei um die Häfen von Iloilo auf Panay, Zamboanga im Westen Mindanaos, Cebu auf Cebu und Legaspi im südlichen Teil von Luzon. Die zunehmende Bedeutung der Dampfschifffahrt gegenüber der Segelschiffe und die Eröffnung des Suezkanals im Jahr 1869 trug zu einem spektakulären Anstieg des Handelsvolumens bei. 1851 beliefen sich die Im- und Exporte auf eine Gesamtsumme von 8,2 Millionen USD, zehn Jahre später waren sie bereits auf 18,9 Millionen USD gestiegen und im Jahr 1870 erreichten sie sogar 53,3 Millionen USD. Allein der Export wuchs um 20 Millionen USD im Zeitraum von 1861 bis 1870. Britsche und US amerikanische Händler dominierten in der philippinischen Wirtschaft, wobei sich die Briten in einer besonders bevorzugten Position wegen ihrer Handelsniederlassungen in Singapur, Hongkong und auf der Insel Borneo befanden.

Zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts bestimmten drei landwirtschaftliche Produkte den philippinischen Export. Es waren Tabak, Abaka und Zucker. Das Regierungsmonopol auf Tabak war 1880 aufgegeben worden, aber dennoch behielten die philippinischen Zigarren ihren guten Ruf. Sie wurden ebenso gern in britischen Herrenclubs, wie auf dem europäischen Kontinent und wie auch in Nordamerika geraucht. Aufgrund der wachsenden Bedeutung der Weltschifffahrt stellte sich schon bald das philippinische Abaka (Manilahanf) als das beste Material zur Herstellung von Seilen und Tauwerk heraus, so dass es ab 1850 mit dem Zucker ständig um den ersten Platz in der Ausfuhrstatistik rang. Amerikaner beherrschten den Abakahandel, wobei der Rohstoff zuerst in Werkstätten in Neu Eungland und dann auch auf den Philippinen zu Tauen verarbeitet wurde. Die Hauptregionen für den Abakaanbau befanden sich in der Bicol-Region im Südosten Luzons und an den Ostküsten der nördlichen Visayainseln.

Zuckerrohr wurde noch wie zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts angebaut und die Verarbeitungsmethoden hatten sich seither ebenso wenig verändert. Die Öffnung des Hafens von Iloilo auf Panay ermutigte den britischen Vizekonsul der Stadt, Nicholas Loney, der von einem Zeitgenossen als wahrer "Wirbelwind" bezüglich unternehmerischer und technischer Innovationen bezeichnet wurde, und sie führte auf der ursprünglich unbewohnten Insel Negros dazu, dass sie sich zum Zentrum der philippinischen Zuckerindustrie entwickeln konnte, die ihr Erzeugnis bis nach Britannien und Australien exportiere. Loney handelte günstige Kreditbedingungen für lokale Landeigentümer aus, die in das neue Produkt zu inverstieren gedachten, ermutigte Arbeiter zur Übersiedlung nach Negros von der überbevölkerten Nachbarinsel Panay und ließ Dampf betriebene Zuckerraffinaden errichten, die die traditionelle Methode der Produktion von Zucker revolutionierte. Die Einwohnerzahl von Negros verdreifachte sich binnen kurzer Zeit, und die ürtlichen "Zuckerbarone", die Eigentümer der Zuckerrohrplantagen, stiegen im ausklingenden neunzehnten Jahrhundert zu einer wichtigen politischen und wirtschaftlichen Macht heran.



Chinesen und chinesische Mischlinge


Im späten achtzehnten und frühen neunzehnten Jahrhundert wich langsam das tief sitzende, spanische Misstrauen gegenüber den Chinesen und gab den Weg zur Anerkennung ihrer potentiell konstruktiven Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung frei. Chinesen betreffende Vertreibungsbefehle aus den Jahren 1755 und 1766 wurden 1788 gänzlich wieder aufgehoben. Dennoch blieben die Chinesen in den kleinen Städten um Manila herum wohnen, wobei sie sich besonders auf Binondo und Santa Cruz konzentriet hatten. 1839 gab die Regierung einen Erlass heraus, der ihnen die völlige Freiheit der Berufswahl und der Niederlassung garantierte.

In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts verstärkte sich die Einwanderung auf das Archipel größtenteils aus der maritimen Provinz von Fujian an der Südostküste Chinas, und ein zunehmender Anteil an Chinesen ließ sich in ländlichen Gebieten nieder. Um 1849 lebten rund 90 % der ungefähr 6.000 Chinesen in Manila oder in seiner unmittelbaren Nähe. Bis 1886 änderte sich dieses Verhältnis auf 77 % von etwa 66.000 Chinesen auf den Philippinen, und es verringerte sich bis 1890 nochmals. Die chinesische Präsenz im "Hinterland" ging Hand in Hand einher mit der Wandlung der insularen Wirtschaft. Die spanische Politik ermunterte Einwanderer, Landarbeiter zu werden, und so wurden einige Gärtner und versorgten die Städte mit Obst und Gemüse. Aber die meisten mieden die Feldarbeit und ließen sich als kleine Zwischenhändler und Geldverleiher nieder. Somit erreichten die Chinesen auf provinzieller und lokaler Ebene schon bald eine Schlüsselposition in der "Ware gegen Bargeld Wirtschaft".

Ehepaar chinesischer Mischlinge, die häufig Ilostrados (Landpächter) waren Von gleicher, wenn nicht sogar von noch größerer Bedeutung für die Auswirkungen in politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht waren die chinesischen Mischlinge. Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts machten sie etwa 5 % der Gesamtbevölkerung von etwa 2,5 Millionen Menschen aus, und sie konzentrierten sich hauptsächlich auf die am meisten entwickelten Provinzen in Zentral-Luzon und in Manila bzw. in dessen unmittelbarer Umgebung. Ein weitaus kleinerer Anteil von ihnen lebte in den wichtigen Städten der Visaya Inseln wie z. B. in Cebu und in Iloilo und auf Mindanao. Sie waren dem katholischen Glauben beigetreten und sprachen die Filipino Sprachen oder gar Spanisch besser als die chinesischen Dialekte. Die Mischlinge genossen als Untertanen den vollen Schutz Spaniens, was den Chinesen verweigert wurde. um es mit den Worten des Historikers Edgar Vickberg zu sagen, betrachtete man sie nicht als "eine besondere Art von Chinesen", sondern als "eine besondere Art von Filipinos".

Die Vertreibungsedikte des achtzehnten Jahrhunderts hatte den Mischlingen die Möglichkeit eingeräumt, in den Handel einzutreten und besonders anspruchsvolle Berufe zu ergreifen, die zuvor von Chinesen ausgeübt wurden. Die Aufhebung der Sanktionen gegen die wirtschaftlichen Aktivitäten der Chinesen und der Konkurrenzkampf mit neuen chinesischen Immigranten vertrieb jedoch in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts eine große Zahl von Mischlingen aus dem Finanz- und Bankensektor. Demzufolge legten viele Mischlinge ihr Geld in Land an, wobei sie das mittlere Luzon bevorzugten, und sie wurden zu "Inquilinos" ( Pächtern) dieser Ländereien, die ihnen zur Kultivierung überlassen wurden und von denen sie einen Teil der Erträge an die Mönchsorden abführen. Wie die Chinesen entwickelten sich zahlreiche Mischlinge zu Geldverleihern, und sie forderten Landarbeit von Schuldnern, die ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten.

Im späten neunzehnten Jahrhundert wurden prominente Mischlingsfamilien trotz gelegentlicher Übergriffe auf Chinesen wegen ihres Wohlstands hoch geachtet, und sie bildeten einen beträchtlichen Anteil an der philippinischen Elite. Sobald die Exportwirtschaft expandierte und sich die Auslandskontakte verstärkten, leisteten sich die Mischlinge und andere Mitglieder der Filipino Elite, die allgemein als "Ilustrados" bezeichnet wurden, sehr gute Ausbildungen (einige gar im Ausland), und sie drangen in Berufe wie Rechtsanwälte oder Mediziner vor. Sie standen liberalen und demokratischen Ideen durchaus offen gegenüber, die begonnen hatten, auch die Philippinen zu erreichen und denen sich das spanische Establischment mit aller Macht entgegenstellte und dabei auf die uneingeschränkte Unterstützung der Mönche zählen konnte.



Die "Mönchokratie"


Die Macht der religiösen Orden blieb über die Jahrhunderte eine der unerschütterlichen Rückgrade der spanischen Kolonialherrschaft. Sogar im späten neunzehnten Jahrhundert übten die Mönche der Augustiner, der Dominikaner und der Franziskaner auf lokaler Ebene zahlreiche Exekutiv- und Kontrollfunktionen der Regierung aus. So waren sie beispielsweise für Bildung und Gesundheit zuständig, sie führten Volkszählungen durch und verwalteten die Steuerlisten, sie schrieben Berichte über das Betragen und die Charaktereigenschaften einzelner Gemeindemitglieder, sie führten Wahlen für örtliche Polizeibeamte und für Stadtverordnete durch, und sie waren für die öffentliche Moral verantwortlich und meldeten geplante Aufstände unverzüglich den staatlichen Behörden. Völlig entgegen den Prinzipien der Kirche verwendeten sie angeblich in Beichten erhaltene Informationen dazu, sich unliebsamer Personen zu entledigen. Bei der winzigen Anzahl von Spaniern, die selbst im neunzehnten Jahrhundert außerhalb der Hauptstadt lebte, konnten die Mönche als unentbehrliche Vollstrecker der spanischen Herrschaft betrachtet werden, was ihr nicht zufällig die Bezeichnung "Mönchokratie" einbrachte.

Kontroverse Aufassungen über die Besichtigung und Sekularisation gehörten zu ständigen Themen der philippinischen Kirche. Die Besichtigung beinhaltete die Autorität des Bischofs der Kirche, gemäß Kirchenhierarchie die religiösen Orden zu inspizieren und zu disziplnieren. Dieses ist im Kirchengesetz so vorgeschrieben und wird in der katholischen Welt auch meistens praktiziert. Die mönche jedoch waren meistens sehr erfolgreich, die diesbezüglichen Bemühungen des Erzbischofs von Manila zu widerstehen, und folglich operierten sie praktisch ohne jegliche formelle Kontrolle, wenn man einmal von der der eigenen Provinziale und religiösen Vorgesetzten innerhalb der einzelnen Orden absieht. Unter der Sekularisation verstand man die Ersetzung von Mönchen, die ausschließlich aus Spanien kamen, durch Filipino Priester, die vom lokalen Bischof zu Priestern geweiht worden waren. Diesem Bestreben widersetzte man sich gleichfalls überaus erfolgreich, denn die mönche beriefen sich über alle Jahrhunderte auf das Argument, welches oft in recht rassistischen Schriften bekundet wurde, dass Filipino Priester einfach zu schlecht ausgebildet waren, um den Gemeindedienst versehen zu können. Obwohl die offizielle Kirchenpolitik vorsah, bekehrte Gemeinden des Landes von den religiösen Orden an eingeborene Priester der Diozöse zu übergeben, wurden 1870 von 792 Kirchengemeinden auf den Inseln lediglich 181 von philippinische Priester betreut. Die nationalen und rassischen Dimensionen der Sekularisation führte schließlich dazu, dass sich das Streitthema mit weitergehenden Forderungen nach politischen Reformen verband.

Ansicht auf Manila von See aus dem 1900. Jahrhundert Die wirtschaftliche Stellung der Orden wurde durch ihren ausgedehnten Landbesitz gesichert, der ihnen vom Staat überlassen worden war, um ihre Kirchen, Schulen und andere Einrichtungen zu unterhalten. Ausgehend von dem mangelnden Interesse seitens der Kolonialregierung, die sich weitgehend auf Manila konzentriert hatte und vom Galleonenhandel abhing, waren die reliösen Orden im achtzehnten Jahrhundert zum größten Grundeigentümer auf den Inseln aufgestiegen, wobei sich ihre Ländereien besonders in Zentral-Luzon befanden. Die Landpacht, die häufig von chinesischen Mischlingen, den Inquilinos, für den Anbau von deren Agrarerzeugnissen entrichtet wurden, statteten sie mit einem regelmäßigen Einkommen aus, welches vielen Mönchen erlaubte, ein Leben zu führen, dass Prinzen in göldenen Palästen in nichts nachstand.

Entscheidend für die dominierende Stellung der Mönche war aber, dass sie das Monopol über die Bildung auf allen Ebenen innehielten und sich somit die Kontrolle über das gesamte kulturelle und intellektuelle Leben sicherten. Im Jahr erließ die spanische Regierung einen Erlass, ein System der freien Grundschulversorgung auf den Inseln zu etablieren, welches als eine Bedrohung des Unterrichtsmonopols aufgefasset werden konnte. Um 1863 waren auf 593 Schulen 138.000 Schüler eingeschrieben, um 1877 war die Anzahl der Schulen auf 1.608 mit 177.113 Schülern angewachsen und 1898 gab es 2.150 Schulen mit mehr als 200.000 Schülern. Den Mönchen war jedoch die Überwachung des Systems auf lokalem Sektor wie auch auf nationaler Ebene übertragen worden. Die Jesuiten übten die Kontrolle über die Lehrerbildungsstätten aus. Mit Ausnahme der Jesuiten bekämpften alle religiösen Orden die Unterrichtung der "Indios" (literarisch Indianer - die spanische Bezeichnung für Filipinos) in modernen Fremdsprachen, einschließlich die des Spanischen, sowie die Ausbildung in wissenschaftlichen und technischen Bereichen. Um 1898 lehrte beispielsweise die Universität von Santo Tomás noch exakt die gleichen Fächer, die sie bereits bei ihrer Gründung durch die Dominikaner im Jahre 1611 gelehrt hatte. Es war zwanzig Jahre bevor Galileo wegen seiner Erkenntnis vor die Inquisition gezerrt worden war, dass sich die Erde um die Sonne dreht.

Doch die Mönchokratie schien nicht nur unter der Bürde von personellen Unzulänglichkeiten zu leiden, denn das priesterliche Gelübde der Keuschheit wurde gleichermaßen oft gebrochen. In den Augen der Öffentlichkeit aber sah man die offensichtliche Verachtung der Mönche gegenüber dem Volk als das größere Übel an. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts basierten ihre Ansichten über das Volk praktisch auf reinem Rassismus. Mit den Worten eines der Mönche ausgedrückt, der auf die Bitte einer seiner Ilustrados (Landpächter) zu antworten weiß: "Die einzige Freiheit, die ihr Indianer wirklich braucht, ist die Freiheit nach Erlösung. Lassen wir euch eure Hahnenkämpfe und eure Trägheit, werdet ihr uns mehr danken, als wenn wir euch mit alten und neuen Rechten überschütten würden."

Apolinario de la Cruz, ein Tagale, der die "Cofradia de San José Revolte" von 1839 - 1841 anführte, verkörperte die religiösen Sehnsüchte und Enttäuschungen der Filipinos. Er war ein frommer Mann, der in einen religiösen Orden einzutreten versucht hatte und wiederholt die Erfahrung machen musste, aufgrund rassistischer Vorurteile der Mönche abgelehnt zu werden, und er bekam keine andere Alternative geboten, als sich zum bescheidenen und demütigen Laienbruder ausbilden zu lassen, der bei wohltätigen Institutionen in Manila niedrigsten Dienste verrichten durfte. Während er seinen Diensten nachging, gründete er die "Cofradia" (Bruderschaft), die sich als Gesellschaft zum Ziel gesetzt hatte, die Hingabe zur römisch-katholischen Kirche unter den Filipinos zu fördern. Von 1839 bis 40 sandte Bruder Apolinario Repräsentanten in seine Heimat Tayabas, einer ehemaligen Provinz südlich von Laguna, um Mitglieder zu werben. Diese Maßnahme erwies sich als sehr wirksam, denn es bildeten sich fast überall Zellen, und die Bruderschaft etablierte sich im ganzen südlichen Siedlungsbereich der Tagalen. Ursprünglich war sie weder antispanisch ausgerichtet, noch stand sie ausschließlich Eingeborenen offen, obwohl natürlich unter den Anhägern aus den Provinzen die Einheimnischen überwogen. Doch ihre Entstehung aus der Basis heraus, die starke Ausrichtung ihrer Mitglieder auf Bruder Apolinario und vor allem der Umstand, dass man sich allmählich dagegen sperrte, Spanier oder Mischlinge in die Bruderschaft aufzunehmen, erregte den Verdacht der staatlichen Behörden. Somit wurde die "Cofradia" von den Staatsorganen 1840 verboten.

Im Herbst 1841 verließ Bruder Apolinario Manila und scharrte seine Brüder, die sich mit Gewehren und Bolos (schwere, einklingige Buschmesser) bewaffnet hatten, in Lagern in der Nähe der Dörfer um die Stadt Tayabas um sich. Dort predigte er in seiner Eigenschaft als spiritueller Führer, dass Gott das Volk der Tagalen aus seiner Sklaverei führen würde. Die Rebellenarmee war unter Anspruchnahme von Hilfe seitens der negriden "Hügelmenschen" zunächst imstande, einen Angriff, der von dem dortigen Provinzgouverneur Ende Oktober geleitet wude, abzuwehren, bis schließlich eine bei weitem stärkere, spanische Landstreitmacht bestehend aus Soldaten der Pampanga Provinz - die Elite der philippinische Kolonialtruppen und die traditionellen Feinde der Tagalen - das "Cofradia Lager" bei Alitao am 1. November 1841 erstürmen konnte und ein großes Blutbad anrichtete.

Der Aufsehen erregende Aufstand endete mit dem Verrat und der Gefangennahme von Bruder Apolinario. Er wurde bereits am 5. November 1841 hingerichtet. Viele Überlebende seiner Bewegung wurden "Remontados" (Menschen, die zurück in die Berge gehen). Sie verließen ihre Dörfer und lebten fortan an den Hängen der Vulkanberge von San Cristobal und Banahao, die sich in Sichtweite von Alitao befinden. Diese Bergregionen, in die sich kein Mönch traute, entwickelten sich zu Zentren religiöser Volksglaubensrichtungen, zu Wallfahrtsstätten von Gläubigen aus dem Tiefland und zu Geburtsorten religiöser Gemeinschaften, die als "Die Bunten" bekannt sind.



Die Entwicklung eines Nationalbewusstseins


Religiöse Bewegungen wie die "Cofradia" und "Die Bunten" brachten den aufkeimenden Wunsch ihrer Symphatisanten zum Ausdruck, sich der Spanier zu entledigen und ein versprochenes Land vorzufinden, welches die Erinnerungen an die Zeit vor dem Eintreffen der Kolonialisten wachzurufen vermochte. Der Nationalismus, wie er heute verstanden wird, entwickelte sich aus einem urbanen Umfeld heraus - wie etwa in Manila und in anderen größeren Städten und, was sehr signifikant ist, in Spanien und in anderen Teilen Europas, wo philippinische Studenten und Asylanten modernen intellektuellen Einflüssen ausgesetzt waren. Eine Volksreligion konnte trotz all ihrer Machtfülle keine Basis für eine nationale Ideologie schaffen. dennoch vermischte sich die vielfach erprobte Tradition ländlicher Aufstände mit einem europäisch beeinflussten Nationalismus der Ilustrados (Landpächter) und führte schließlich zu einem wahrhaft nationalen Widerstand, der sich 1896 zunächst gegen Spanien richtete und sich ab 1899 auch gegen die Amerikaner wendete.

Nach der spanischen Revolution vom September 1868, in welcher die unpopuläre Königin Isabella II. gestürzt wurde, wurde Geheral Carlos Maria de la Torre zum Gouverneur der Philippinen ernannt. Der ausgesprochen liberale de la Torre versprach den Filipinos Reformen. Im Gegensatz zu den bisher gehandhabten Praktiken, verbrüderte er sich mit den Filipinos, lud sie zu sich in den Gouverneurspalast ein und nahm auch gern an ihren Prozessionen teil. Die Filipinos ihrerseits heißen de la Torre herzlich willkommen, sie veranstalteten eine "Freiheitsparade", um die Annahme der liberalen spanischen Verfassung von 1969 festlich zu begehen. und sie gründeten ein Reformkomitee, um den Grundstein für eine neue Gesellschaftsordnung zu legen. Unter de la Torres Unterstützern befanden sich Intellektuelle und Geschäftsleute aus der "Ilustrado-Gesellschaft" (Pächtervereinigung) und, was vielleicht von noch größerer Bedeutung war, von einheimischen Filipino Priestern. Einer von ihnen war auch der zum Priester geweihte Pater José Burgos, ein spanischer Mischling, der ein Pamphlet mit dem Titel "Manifest an die noble spanische Nation" eröffentlicht hatte, in dem er die rassistischen Vorurteile von denen kritisierte, die Filipinos den Weg in das Priesteramt und in den gehobenen Staatsdienst versperrten. Für eine kurze Zeit schien sich das Blatt gegen die Mönche zu wenden. Im Dezember 1870 richtete der Erzbischof von Manila, Gregorio Melitón Martinez einen Brief an den spanischen Regenten, in dem er die Sekularisation befürwortete und davor warnte, dass Diskriminierungen gegen Filipino Priester antispanische Bestrebungen nur ermutigten.

Gemäß dem Historiker Austin Coates unterschieden sich die Jahre 1869 und 70 deutlich und erheblich von der übrigen Zeit der spanischen Epoche, da für diesen kurzen Zeitraum der Atem des neunzehnten Jahrhunderts die Inseln erreicht zu haben schien, die grö#tenteils noch im siebzehnten Jahrhundert gelebt hatten. Ge la Torre schaffte die Zensur der Zeitungen ab, legalisierte das Demonstrationsrecht, gewährte die Redefreiheit und garantierte die Versammlungsfreiheit gemäß der neuen spanischen Verfassung. Studenten an der Santo Tomás Universität gründeten eine Vereinigung der jungen, liberalen Studenten (Juventud Escolar Liberal) und bereits im Oktober 1869 rief man zu einer Demonstration auf, um gegen Missstände der von Dominikanermönchen geleitete Universitätsverwaltung und gegen bestimmte Lehrer und Dozenten zu protestieren.

typische Abendgesellschaft im 19. Jahrhundert Die liberale Epoche endete abrupt Ende 1871. Mönche und andere, konservative, spanische Kräfte aus Manila erreichten die Ersetzung de la Torres durch den konservativen Rafael de Izquierdo, der sofort nach seiner Ernennung zum Gouverneur im April 1871 die Bürden des alten Regimes wieder in Kraft setzte. Ihm wird nachgesagt, dass er sich damit gerühmt haben soll, dass er auf die Inseln "mit dem Kreuz in der einen Hand und dem schwert in der anderen Hand" gekommen war. Liberale Gesetze wurden aufgehoben, und die enthusiatischen Filipino Unterstützer de la Torres gerieten unter den Verdacht unerlaubter, politischer Umtriebe.

Der härteste Schlag ereignete sich aber nach einer Meuterei vom 20. Januar 1872, als ungefähr 200 Filipino Hafenarbeiter zusammen mit Soldaten revoltierten und ihre spanischen Offiziere töteten, da sie offensichtlich in dem Irrglauben gestanden hatten, unter den Filipino Regimentern in Manila war ein Aufstand geplant. Enttäuschungen in Verbindung mit der Rücknahme von Privilegien durch die Regierung - besonders die Befreiung von jeglichen Abgabe - veranlasste letztlich die Revolte, die am 22. Januar endgültig niedergeschlagen wurde. Die Staatsmacht jedoch befann das Gerücht in Umlauf zu bringen, es hatte sich um eine Konspiration zwischen den Meuterern und prominenten Mitgliedern der Filipino Gemeinde gehandelt - besonders aus Priester der Dioszöse. Der Gouverneur ließ verlauten, eine geheime Junta mit Verbindungen zu liberalen Parteien in Spanien existierte auch in Manila und bereitete sich darauf vor, die spanische Herrschaft gewaltsam zu beenden.

Ein Militärgericht verurteilte die drei Filipino Priester, José Burgos, Mariano Gomez und Jacinto Zamora, die am meisten mit den liberalen Reformbestrebungen in Verbindung gebracht wurden, zum Tode und schickte eine ganze Reihe von prominenten Ilusostrados (Landpächter) ins Exil nach Guam und auf die Marianen Inseln, die damals zu Spanien gehörten. Viele konnten von dort nach Hongkong, Singapur und Europa entkommen, von wo aus sie den Kampf jetzt erst richtig begannen. Erzbischof Martinez bat den Gouverneur, das Todesurteil gegen die Priester aufzuheben und weigerte sich, den Befehl des Gouverneurs zu befolgen, sie aus dem Priesteramt zu entlassen. Martinez Bemühungen waren vergeblich, denn sie wurden dennoch am 17. Februar 1872 im Luneta Park (der weitläufige Park unmittelbar an der Bucht von Manila) mit der schrecklichen Garrote öffentlich hingerichtet. Der Erzbischof ließ anordnen, dass Manilas Kirchturmglocken ein Requiem für die Opfer läuten sollten - es war ein Requiem, welches ebenso die "Totenglocke" für die spanische Herrschaft über die Inseln bedeutete. Während eine Politik des Ausgleichs gleichermaßen die Loyalität der kleinen Bauern wie auch der Ilustrados (Ländpächter) gewonnen hätte, warf die unversöhnliche Haltung - besonders die der Sekularisation der Kirche - bei vielen Filipinos die Frage auf, ob überhaupt noch ein weiterer Bedarf der Bindung an Spanien bestand.



José Rizal und die Propaganda- Bewegung


Zwischen 1872 und 1692 war ein Nationalbewusstsein unter den Filipinos gewachsen, welche sich als Immigranten in Europa niedergelassen hatten. In der freieren Atmossphäre Europas schlossen sich diese Immigranten, die sich aus im Zusammenhang mit der 72er Meuterei ins Exil geschickte Liberale und aus an europäischen Universitäten studierende Studenten zusammensetzten, zu einer Propaganda-Bewegung zusammen. Organisiert und ausgerichtet waren die "Propagandisten" mehr auf literarische und kulturelle Ziele als auf politische. Ihr gehörten vornehmlich Filipinos der höheren Gesellschaftsklassen aus den christianisieren küstennahen Gebieten an, die danach strebten, "in den Spaniern den schlafenden Intellekt bezüglich der wirklichen Bedürfnisse des Landes zu wecken", um so eine engere Bindung zwischen den Inseln und dem Mutterland herzustellen, die mehr auf Ausgleich und partnerschaftliche Kooperation ausgerichtet sein sollte. Zu ihren Zielen gehörte die Repräsentanz der Philippinen in der Cortes, die Trennung von Kirche und Staat, gleiche Rechte und Pflichten für Spanier wie für Filipinos, Schaffung eines von den Mönchen unabhängigen Bildungswesens, Abschaffung des "Polo" (Arbeitsdienst) und der Vandala (Verpflichtung, lokale Erzeugnisse an den Staat verkaufen zu müssen), Meinungs- und Versammlungsfreiheit und gleiche Vorausaussetzungen für Filipinos und Spanier, in den Staatsdienst eintreten zu können.

Der Nationalheld der Philippinen: José Rizal Der herausragendste "Propagandist" war José Rizal, ein Arzt, Gelehrter, Wissenschaftler und Schriftsteller. Er wurde 1861 in der Provinz Laguna als Sohn einer wohlhabenden chinesischen Mischlingsfamilie geboren und entwickelte bereits in jungen Jahren eine beachtliche Intelligenz. Nach einem mehrjährigen Medizinstudium an der Santo Tomás Universität ging er nach Madrid, um an der dortigen Universität sein Studium abzuschließen. In dem folgenden Jahrzehnt verband Rizals Streben zwei Welten miteinander. Einerseits entwickelte er sich in den kleinen Gruppierungen philippinischer Studenten in Madrid und anderen europäischen Städten zu deren geistigem Führer und eloquentem Sprecher, und in der "großen Welt" der europäischen Wissenschaft und der Gelehrten - besonders in Deutschland - gelang es ihm, gute Beziehungen zu prominenten Wissenschaftlern aus der Natur- und Sozialwissenschaft aufzubauen. Die damals neue Disziplin der Anthropologie war für ihn von ganz besonderem Interesse, und er sah sich gefordert, die stereotypen Thesen der Mönche der rassisch bedingten Unfähigkeit der Filipinos mit wissenschaftlich fundierten Argumenten zu widerlegen. Sein größter Durchbruch in bezug auf ein Nationalbewusstsein der Filipinos aber gelang ihm mit der Veröffentlichung von zwei Romanen. "Noli me Tangere" (Berühre mich nicht) erschien im Februar 1887 in Berlin und "El Filibusterismo" (Die Herrschaft der Gier) 1891 im belgischen Gent. Rizal griff dabei auf persönlich gemachte Erfahrungen zurück und beschrieb die spanische Herrschaft auf den Inseln und die Verfehlungen, die besonders die Mönche betrafen. Obgleich die Bücher sofort verboten wurden, schmuggelte man sie auf die Philippinen, und sie erreichten dort eine breite Leserschaft.

Ein weiterer, wichtiger "Propagandist" war Graciano Lopez Jaena, ein vielbeachteter Redner und Herausgeber von Pamphleten, der die Inseln Richtung Spanien 1880 verlassen musste, weil er eine satirische Kurzgeschichte und ein ungeschminktes Portrait von Bruder Botod (Bruder Fatso), einem Mönch aus der Provinz, veröffentlicht hatte. 1889 gründete er die Zeitung "La Solidaridad" (Die Solidarität) in Barcelona, die alle zwei Wochen erschien und zum wichtigsten Organ der "Propaganda-Bewegung" wurde, die schnell sowohl Leser in Spanien als auch auf den Inseln fand. Zu Ihren Schreibern gehörte unter anderen Rizal, Dr. Blumentritt, einem österreichischen Geographen und Ethnologen, dem Rizal in Deutschland begegnet war und Marcelo del Pilar, ein reformorientierter Rechtsanwalt. Del Pilar hatte sich aktiv in der Anti-Mönchsbewegung auf den Inseln betätigt, bis er sich 1888 nach Spanien zu flüchten genötigt sah, wo er zum Chefredakteur der "La Solidaridad" und erwiesenermaßen auch zum Führer der Filipino Gemeinde in Spanien wurde.

1887 kehrte Rizal kurz auf die Inseln zurück, doch ihm wurde vom dortigen Gouverneur geraten, wegen des Aufruhrs, welches sein ein Jahr zuvor veröffentlichtes Buch "Noli me Tanger" verursacht hatte, das Land schnellstmöglich wieder zu verlassen. Er kehrte über Japan und Nordamerika nach Europa zurück und schrieb seinen zweiten Roman, in dem er sich einiger Elemente aus einer Ausgabe von Antonio de Morgas Buch, "Sucesos de las Islas Filipinas" (Geschichte der philippinischen Inseln) aus dem siebzehnten Jahrhundert bediente. Dieses entsprach seinem ethnologischen Interesse, um die kulturellen Verbindungen zwischen den philippinischen Völkern aus vorspanischer Zeit und den großen malaiischen Regionen (einschließlich dem heutigen Malaysia und Indonesien) aufzuzeigen und darüber hinaus auf die miteinander verknüpften, politischen Notwendigkeiten zur Ermutigung auf einen gewissen Nationalstolz hinzuweisen. De Morga lieferte ihm allerlei anregende Informationen über die frühen Bewohner der Inseln und nützliche Hinweise über vorchristliche Religionen und Sozialstrukturen.

Nach seinem Aufenthalt in Europa und einem Zwischenstopp in Hongkong kehrte Rizal im Juni 1892 endgütig auf die Philippinen zurück. Hauptsächlich geschah es, weil die Dominikaner seinen Vater und seine Geschwister von dem Land, welches sie von den Mönchen in Kalamba (Provinz Laguna) gepachtet hatten, vertreiben wollten. Doch war er auch davon überzeugt, dass der Kampf nach Reformen nicht länger ausschließlich von Übersee aus zu führen war. Bereits im Juli gründete er die "Liga Filipina", die sich als neonationale aber völlig gewaltlose Organisation verstanden wissen wollte. Sie löste sich aber auf, nachdem man ihn verhaftet und ins Exil in die entlegene Stadt Dapitan im Nordwesten von Mindanao geschickt hatte.

Die "Propaganda-Bewegung" lag nach Rizals Festnahme und dem Zusammenbruch der "Liga Filipina" darnieder. Die Zeitung "La Solidaridad" stellte im November 1895 ihr Erscheinen ein, und bereits im Verlauf des Jahres 1896 verstarben del Pilar und Lopez Jaena in Barcelona aufgrund von Verarmung und Enttäuschung. Es wurde der Versuch unternommen, die Liga Filipina neu zu gründen, aber die nationale Bewegung hatte sich inzwischen in die von "Ilustrados" (Landpächter) favourisierte friedliche Bewegung und in die plebeische Fraktion gespalten, die die Revolution forderte, um die nationale Unabhängigkeit zu erreichen. Da sich Spanien wirklichen Reformen weiterhin vehement verweigerte, gewann die letztgenannte Gruppe immer mehr Befürworter und übernahm schließlich die Führung der Bewegung.



Die "Katipunan"


berühmtes Bild der Katipunan Nach Rizals Festnahme und Exil gründete Andres Bonifacio, ein einfacher Mann aus dem Volk, der sich selbst etwas Bildung beigebracht hatte, eine Untergrundorganisation in Manila, die sich den Namen "Katipunan" gab. Diese Organisation, die sich teilweise Verbindungen der Freimaurer bediente, trat an, die völlige Unabhängigkeit von Spanien durchzusetzen. Rizal, Lopez Jaena, del Pilar und andere Führer der "Propaganda-Bewegung" waren auch Freimaurer gewesen, und die Freimaurerei wurde von der katholischen Kirche als eine Irrlehre verteufelt. Die "Katipunan" hatte wie die Freimaurer geheime Passworte und Zeremonien und ihren Mitgliedern wurden Titel und Dienstgrade verliehen, die sich in verschiedenfarbigen Mützen, speziellen Passworten und geheimen Zeichen unterschieden. Neue Mitglieder hatten sich einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, die dann mit dem "Pacto de Sangre" (Blutsbund) endete.

Die "Katipunan" breitete sich flächendeckend von Tondo im Bezirk Manila, wo Bonifacio sie gegründet hatte, in alle Provinzen aus, und im August 1896, am Vorabend des Aufstandes gegen Spanien, verfügte sich bereits über 30.000 Mitglieder bestehend ebenso aus Männern wie auch aus Frauen. Meistens stammten sie aus den unteren Gesellschaftsschichten und der unteren Mittelklasse, einschließlich der Bauern. Die Nationalbewegung hatte sich von einem geschlossenen Kreis einiger, wohlhabender "Ilostrados" (Landpächter) zu einer wirklichen Volksbewegung gewandelt.



Der Aufstand von 1896 und Rizals Exekution


Während der ersten Jahre der Katipunan blieb Rizal im Exil in Dapitan. Er hatte dem spanischen Gouverneur versprochen, keinen Fluchtversuch zu unternehmen, welcher in dieser abgeschiedenen Gegend leicht durchzuführen gewesen wäre. Allerdings hätte eine derartige Aktion sowohl seine moderate Reformbestrebungen, die er nach wie vor favourisierte, als auch den Verdacht der Reaktion der Spanier gegen ihn kompromitiert. Ob er während seiner Zeit der Verbannung auch weiterhin für die philippinische Unabhängigkeit eintrat, ist heute nur schwer nachzuweisen.

Er hatte sich letztendlich die dekadente Redlichkeit sogenannter spanischer Ehrenmänner bewahrt, die es ihm unmöglich machte, den revolutionären Kurs der "Katipunan" gut zu heißen. Im Februar 1895 war auf Cuba eine Revolution ausgebrochen, und Rizal bat den Gouverneur, auf die vom Gelben Fieber geplagte Insel als Armee-Arzt entsandt zu werden. Er glaubte damit, nicht sein Wort gegenüber dem Gouverneur brechen zu müssen und dennoch seinen Ort der Verbannung verlassen zu können. Seiner Bitte wurde zugestimmt, und er bereitete sich gerade auf seine Abreise nach Cuba vor, als im August 1896 urplötzlich der "Katipunan" Aufstand ausbrach. Eingeweihte Kreise vermuteten, dass er von einem spanischen Mönchen initiiert wurde, der von der Existenz dieser Untergrundbewegung wusste, und Bonifacio, der sich jetzt gefordert sah, rief die Revolution aus und griff ab dem 29. August 1896 spanische Militäreinrichtungen an. Dennoch wurde Rizal gestattet, Manila auf einem spanischen Dampfschiff zu verlassen. Der Gouverneur wurde aber durch offensichtlich reaktionäre Kräfte genötigt, Rizal an Bord erneut festnehmen und in die Stadt bringen zu lassen, wo er vor ein Militärgericht wegen Landesverrats gestellt wurde.

Die Rebellen wurden schlecht geführt und hatten demzufolge wenige Erfolge gegen die Kolonialtruppen zu verzeichnen. Nur in der Provinz Cavite kamen sie voran. Kommandiert wurden sie dort von Emilio Aguinaldo, einem siebenundzwanzigjährigen Major, aus der Stadt Cavite, der seit 1895 der "Katipunan" angehörte. Die Rebellen schlugen die dortige Guardia Civil (spanische Miliz) und die dort stationierten, regulären Kolonialverbände vom August bis November 1896 und bauten die Provinz zum Zentrum der Revolution aus.

Unter einem neuen Gouverneur, der von den religiösen Orden als "Hardliner" viel Zuspruch fand, wurde Rizal vor ein Militärtribunal gestellt, welches zuvor mit konstruierten Beweisen manipuliert worden war, die seine vermeintliche Verbindung zur "Katipunan" belegen sollten. Die Ereignisse von 1872 wiederholten sich. Am 26. Dezember 1896 wurde eine kurze Gerichtsverhandlung anberaumt, die Rizal kaum eine Gelegenheit zur Verteidigung einräumte, und so wurde er kurzerhand schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Schon am 30. Dezember 1896 wurde er in den Luneta Park geführt und dort von einem Erschießungskommando hingerichtet.

Anklageschtift gegen Rizal Rizals Tod führte bei den Rebellen zu einer weiteren Entschlossenheit, obwohl sich die "Katipunan" in Unterstützer von Bonifacio aufzuspalten begann, der sich zunehmend als wenig effektiver Anführer erwies und in Anhänger von Aguinaldo, dem "aufgehenden Stern". Bei einer Vollversammlng, die in Tejeros, dem Hauptquartier der "Katipunan" im März 1897, stattfand, wählten die Delegierten Aguinaldo zu ihrem neuen Präsidenten und degradierten Bonifacio zum Innenminister. Bonifacio zog sich daraufhin mit seine Getreuen zurück und rief seine eigene Regierung aus. Dieses führte zu einem Kampf zwischen Bonifacios und Aguinaldos Truppen, in dessen Verlauf Bonifacio gefangen genommen werden konnte. Ihm wurde der Prozess gemacht und am 10. Mai 1897 auf Anordnung von Aguinaldo hingerichtet.

Im Verlauf des Jahres 1897 erlitt Aguinaldo einige schwere Niederlagen durch die spanischen Truppen, und er sah sich im Juni gezwungen, Cavite zu verlassen, um seine Truppen bei Biak-na-Bato in der Provinz Bulacan neu zu formieren. Die Sinnlosigkeit dieses Kampfes zeigte sich auf beiden Seiten. Obwohl die spanischen Truppen die Aufständischen auf dem Schlachtfeld schlugen, konnten sie nicht deren Guerilla-Aktionen unterbinden. Im August 1897 wurden zwischen Aguinaldo und einem neuen Gouverneur Waffenstillstandsgespräche aufgenommen. Mitte Dezember konnte ein Abkommen vereinbart werden, welches besagte, dass Aguinaldo ein Betrag in Höhe von rund 800.000 USD ausgezahlt bekäme, wenn er sich mit seiner Regierung ins Exil begibt. Aguinaldo ging daraufhin nach Hongkong, womit sich die Spanier sozusagen etwas Zeit erkauft hatten. Doch noch innerhalb eines Jahres ging die Herrschaft über die Inseln nach mehr als dreihundert Jahren trotzdem plötzlich und unerwartet zu Ende.

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