Wirtschaft
Republika g Pilipinas


Volkswirtschaft
Wirtschaftsdaten: Stand Juni 1991
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Herausforderung der Wirtschaft


Verbreitung der Armut

1990 hatten sich die Philippinen noch nicht wieder von der wirtschaftlichen und politischen Krise aus der ersten Hälfte der achtziger Jahre erholt. 1990 blieb das BSP real per Capita um 18.419 Pesos oder 668 USD unter dem Niveau von 1978. Ein Hauptanliegen von Aquinos revolutionärer Volksbewegung von 1986 war, die Bedürfnisse der verarmten Filipinos zu verbessern. Einer der vier Grundsätze ihrer "Politischen Agenda der Volksbewegungsentwicklung" verhieß die Förderung der sozialen Gerechtigkeit und die Bekämpfung der Armut. Die Regierungsprogramme, welche 1986 und 1987 verkündet wurden, nach denen Arbeitsplätze geschaffen werden sollten, erzielten nur mäßigen Erfolg, da zunächst der Abschwung der ersten Hälfte der Dekade umgedreht werden musste, und dieses konnte nur wenig dazu beitragen, die chronischen Aspekte der Armut der Philippinen zu beheben.

Menschen wird allgemein nachgesagt in absoluter Armut zu leben, wenn es ihnen unmöglich ist, mindestens ein Minimum an Lebensmittel, Kleidung und ein Dach über dem Kopf zu sichern und was zum Überleben unbedingt nötig ist. Auf den Philippinen gelten nur zwei dieser Minimalbedürfnisse. Hier wird Armut nach dem Warenkorb der billigsten, erhältlichen Lebensmittel berechnet, der pro Person 2.016 Kalorien und 50 Gramm Protein am Tag vorsieht und Nonfoodartikel richten sich nach Bedürfnissen von Familien der untersten sozialen Schicht. 1988 wurde die Armutsgrenze für eine sechsköpfige Familie bei einem Monatseinkommen unter 2.709 Pesos festgelegt. Das Existenzminimum wird bei einem Einkommen definiert, welches nur zum Einkauf des minimalen Nahrungsmittelbedarfs ausreicht.

1985 lebten etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, und das war der gleiche Anteil wie schon 1971. Der Anteil der Bevölkerung unter dem Exixtenzminimum, fiel von ungefähr 35 Prozent aus dem Jahr 1971 auf 28 prozent im Jahr 1985. Der Wirtschaftsabschwung in den ersten 1980er Jahren und die wirtschaftliche- und politische Krise von 1983 hatten einen verheerenden Einfluss auf den allgemeinen Lebensstandard.

Die ländlichen Gebiete litten unter einen unverhältnismäßig hohen Anteil an der Armut. So lebten 1980 zum Beispiel mehr als 80 Prozent von den ärmsten Familien auf den Philippinen in ländlichen Gebieten. Die Mehrzahl unter ihnen waren Pachtbauern oder landlose Arbeiter aus der Landwirtschaft. Die landlosen Fischer und Forstarbeiter gehörten zu den Ärmsten der Armen. In einigen ländlichen Regionen - das Zuckeranbaugebiet der Insel Negros das beste Beispiel dafür - gab es Zeiten, in denen Hunger und Unterernährung an der Tagesordnung und weitverbreitet waren.

Die landwirtschaftlich geprägten Gebiete waren auch mit der Ausbreitung der ländlichen Armut zwischen 1971 und 1983 um 13 Prozent betroffen, und sie erfasste die Hälfte der Bevölkerung. Die Armen auf dem Lande lebten generell in überfüllten Slums oder oft auf Land und in Gebäuden ohne Erlaubnis der jeweiligen Eigentümer, und darum wurden sie als wilde Siedler betrachtet. Diesen Unterkünften fehlte oft jede Grundausstattung wie fließendes Wasser, Kanalisation und Elektrizität. Nach einer Regierungsstudie aus dem Jahr 1984 verfügten 44 Prozent aller bewohnten Unterkünfte der Metro Manila über weniger als dreißig Quadratmeter Wohnfläche, und die durchschnittliche monatlichen Ausgaben einer armen Familie auf dem Lande lag bei 1.315 Pesos. Davon wurden 62 Prozent für Lebensmittel ausgegeben und weitere 9 Prozent für Verkehrsmittel, wohingegen nur 57 Pesos für Miete oder Pacht gezahlt wurden, und das lag zweifellos an der Ausweitung der wilden Siedlerei von verarmten Familien. Über 55 Prozent der Armen, die einer Arbeit nachgingen, waren in der Schattenwirtschaft als Verkäufer oder Straßenhändler tätig. Andere Tätigkeiten lagen im Dienstleistungsbereich, im Reparaturdienst, auf dem Bau, beim Tranaport und in der Heimarbeit. Frauen und Kinder unter fünfzehn Jahren bildeten fast 60 Prozent der derart beschäftigten Personen. Die Mehrheit befragten Personen verfügten über einen mittleren Bildungsstand, und 30 Prozent hatten einen Beruf wie Schneider, Elektromechaniker, Klempner oder Zimmermann erlernt. Nichtsdestoweniger war es ihnen unmöglich, eine dauerhafte Vollzeitstelle zu bekommen.


Gründe der Armut

Einerseits ist die Armut das Ergebnis der Gesamtproduktivität der Wirtschaft im Verhältnis zu seiner Bevölkerung - BSP per Capita - und die Verteilung des Volkseinkommens unter den einzelnen Familien. Im Bericht der Weltbank von 1990 werden die Philippinen am unteren Ende der Gruppen von Volkswirtschaften des unteren mittleren Einkommens genannt. Somit sollte es dem Land möglich sein die Auswüchse der Armut mit einer vernünftigen Verteilung des Volkseinkommens selbst zu brgrenzen. Tatsächlich aber hängt die Verteilung des Einkommens reichlich schief. Obwohl Denkmodelle, was zu geschehen hat, ausschließlich in Familien mit höherem Einkommen durchgespielt werden und diese Modelle aufgrund mangelnder Informationen, besonders was das Einkommen in Naturalien angeht, meistens unkorrekt sind, zeigen sie doch, dass man sich auf breiter Front des Problems bewusst ist.

1988 erzielten die 20 Prozent der reichsten Familien auf den Philippinen mehr als 50 Prozent des Volkseinkommens, wobei davon die 10 Prozent der allerreichsten wiederum den "Löwenanteil" unter sich aufteilten. Unter den 10 Prozent der reichsten Familien verminderte sich der Anteil dessen, was auf den einzelnen entfiel, wiederum nur unwesentlich. Der Armutsbericht der Weltbank stellte fest, dass seit 1961 zwar eine geringe Verschiebung des Volkseinkommens stattgefunden hatte, aber die Nutznießer dieser schienen die Verdiener der Mittelklasse und weniger die der Armen zu sein.

Der Weltbankbericht shloß daraus und viele Wirtschaftswissenschaftler, die sich mit den Philippinen auseinandersetzen, bestätigten das, dass das große Bevölkerungswachstum des Landes der Hauptgrund für die weitverbreitete Armut war - besonders in den ländlixchen Regionen. Der Versuch einer Einführung eines von der Regierung finanzierten Familienplanungsprogramms jedoch wurde hartnäckig von der Führung der römisch-katholischen Kirche durchkreuzt. Die kirchlichen Äußerungen in dieser Beziehung sprachen noch während Ende der 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre mehr von Ungerechtigkeiten, von Gier und Korrruption und vom Missmanagement als Hauptursache für die Unterentwicklung der Philippinen. Diese Aussagen waren allerdings wohl mehr darauf abgestellt, um auf die Konzentration der Kontrolle der wirtschaftlichen Resourcen und auf die Struktur der Wirtschaft aufmerksam zu machen. Die Verteilung des Bodens war höchst ungerecht, aber jede Landreforminitiative hatte nur geringen Erfolg gebracht.

In ländlichen Gebieten war zudem noch die Armut direkt mit der Kontrolle des örtlichen Wohlstands verbunden. Große Teile der Industrie als auch der Finanzwelt waren in einem sehr hohen Grade monopolisiert. Zugriff zu Kapital erhielten nur diejenigen, die ohnehin schon über genug Geldquellen verfügten. Die profitabelsten Investitionsmöglichkeiten waren meistens in Gegenden verhanden, wo Steuervergünstigungen und andere Schutzmaßnahmen der Regierung reichen Profit versprachen, und das hatte nicht zwangsläufig auch etwas mit der Schaffung von Arbeitsplätzen zu tun. In ihrer Wahlkampagne trat Präsidentin Aquino dafür ein, die Monopole zu zerschlagen und die Strukturen der Priviligierten des Marcos Regimes zu zerstören. Sie setzte auf den privaten Sektor, um die Wirtschaft erneut zu revitalisieren, Arbeitsplätze für die breite Masse zu schaffen und die Gesellschaft zu einem höheren Lebensstandard zu verhelfen. Die staatlich geförderten Monopole wurden daraufhin zwar weitgehend aufgelöst, aber nicht jene, die schon lange bevor Bestand hatten, bevor Marcos die Macht ergriffen hatte. In ihren priviligierten Stellungen rührte sich die Elite der Wirtschaft um keinen Milimeter, um den Erwartungen der Präsidentin nachzukommen. Somit blieben in der Konsequenz weiterhin die Arbeitlosigkeit, und was für die Armen noch schlimmer war, die Unterbeschäftigung weithin verbreitet.

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