Wirtschaft
Republika g Pilipinas


Volkswirtschaft
Wirtschaftsdaten: Stand Juni 1991
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Beschäftigung, Arbeit und Vertretungen der Arbeitnehmer


Arbeitskäfte und Beschäftigung

Eine hohe Bevölkerungswachtumsrate, der Mangel an Land, ungenügende Schaffung von Arbeitsplätzen in der Industrie und eine lange Geschichte von unangepasster Wirtschaftspolitik trugen seit Ende der 1980er Jahre zu der hohen Arbeitslosenzahl, zu der Unterbeschäftigung und einem relativ hohen Anteil von Arbeitskräften mit geringer Produktivität im Dienstleistungsbereich bei. Die Reallöhne waren niedrig und waren seit 1960 jährlich um ungefähr 3 Prozent gesunken, und die ziemlich schwachen Gewerkschaften erwiesen sich als unfähig, einen Schritt gegen die Verringerung des Arbeitseinkommens voranzukommen.

Das Bevölkerungswachstum betrug von 1965 bis 1980 durchschnittlich 2,9 Prozent, und bis Ende bis der achtziger Jahre lag es bei 2,5 Prozent. Während mehr als 40 Prozent der Bevölkerung jünger als fünfzehn Jahre waren, entwickelte sich das Wachstum der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter, jene im Alter unter fünfzehn Jahren, sogar schneller als das Gesamtbevölkerungswachstum. In den 1980er Jahren stieg das Wachstum des arbeitsfähigen Bevölkerungsanteils jährlich um 2,7 Prozent. Gleichzeitig vergrößerte sich die Rate der Arbeitssuchenden, der Anteil der arbeitsfähigen Bevölkerung, die sich um einen Arbeitsplatz bemühten, in den Achtzigern um etwa 5 Prozent, weil der Teil der Frauen stark zunahm, die auf den Arbeitsmarkt drängten. So wuchs das Arbeitskräfteangebot in der achtziger Jahren jährlich real um 750.000 Personen oder um 4 Prozent.

Die Landwirtschaft, die die meiste Beschäftigung anbot, beschäftigte 1990 nur noch ungefähr 45 Prozent der Arbeitskräfte, während es 1960 noch 60 Prozent waren. Der Fertigungsindustrie war es nicht möglich, diese Arbeitskräfte aufzunehmen, denn der Anteil von Beschäftigten in der Fertigung blieb bis 1990 konstant um die 12 Prozent.

Der Dienstleistungsbereich (Handel, Finanzen, Transport und verschiedene Dienste im privaten und öffentlichen Bereich) wurden zum Ersatzarbeitgeber, und er beschäftigte, im Gegensatz zu 1960, als er noch 25 Prozent der Menschen Arbeit gab, 1988 fast 40 Prozent aller Arbeitskräfte. Sehr viel dieses Wachstums erfolgte in Kleinst- und Kleinbetrieben oder in Beschäftigungsinitiativen als Straßenhändler und Straßenverkäufer, in Reparaturdiensten, in Botendiensten und bei persönlichen Dienstleistungen. Diese Arbeitsangebote kamen häufig aus dem Bereich der "Schattenwirtschaft", die nirgends offiziell aufgeführt wurde und die relativ frei von gesetzlichen Regeln, Vorschriften oder Verordnungen war. Beschäftigungen in der "Schattenwirtschaft" charakterisierten vor allem niedrige Produktivitäten, mäßige Gewinnbeteiligungen, lange Arbeitszeiten und niedrige Gehälter. Nach einer Studie aus dem Jahr 1988 über die Armen der Städte Metro Manila, Cebu City und Davao City, die im Wirtschaftsjournal der Philippinen (Philippine Economic Journal) veröffentlicht wurde, bestritten mehr als die Hälfte der Befragten den Hauptanteil ihres Lebensunterhalts aus illegalen Beschäftigungsverhältnissen.

Die Arbeitslosigkeit hatte in den 1970er Jahren durchschnittlich um die 4,5 Prozent betragen und war während der Wirtschaftskrise in den achtziger Jahren drastisch angestiegen, und sie hatte 1989 ihren Höchststand von 11,4 Prozent erreicht. Die Städte traf es am schlimmsten, denn beispielsweise lag die Arbeitslosenrate in der Metro Manila Mitte der 1990er noch bei 15 Prozent.

Hinter der Arbeitslosigkeit, die vordergründig über eine lange Zeit durch Missmanagement in der Wirtschaft und Krisen hervorgerufen wurde, steckte ein strukturelles Problem und war eine Konsequenz der überzogenen Überwachung von produktiven Unternehmen und die geringe Zahl von Arbeitsplätzen, die nach Investitionen in der industriellen Wirtschaft geschaffen wurden. Die Größe und das Wachstum des Dienstleistungsbereichs galt als ein Indikator dafür, und ein anderer war die Unterbeschäftigung.

Die Unterbeschäftigung war vornehmlich ein Problem für die Armen, die schlecht ausgebildeten und älteren Arbeitnehmer. Die Arbeitslosen dagegen waren eher jung, hatten keine Erfahrung, sich dem Arbeitsmarkt anzubieten, obwohl sie relativ gut ausgebildet waren, und sie standen noch keiner Familie als Familienvorstand vor. In der ersten Hälfte der achtziger Jahre fanden nur etwa 20 Prozent der männlichen Familienoberhäupter und 35 Prozent der weiblichen Familienvorstände mehr als 40 Tage Arbeit innerhalb eines Quartals.

Die Abwanderung nach Übersee absorbierte einen beträchtlichen Anteil der philippinischen Arbeitskräfte. Seit dem Ende der 1940er Jahre bis die 1970 Jahre hindurch waren die Auswanderer überwiegend Filipinos, die in Diensten der amerikanischen Streitkräfte gestanden hatten, Akademiker waren oder Verwandte im Ausland hatten, die schon vorher ausgewandert waren. Nach der Liberalisierung der Zuwanderung in die Vereinigten Staaten durch das Nationalitätengesetz vom Oktober 1965, stieg die Anzahl der Visa, die Filipinos erteilt wurden, dramatisch von 2.500 im Jahr 1970 auf mehr als 25.000 im Jahr 1979 an. Die meisten der Emigranten waren Akademiker zusammen mit ihren Familien. Um 1990 zählten die Filipino-Amerikaner 1,4 Millionen Personen und bildeten die größte asiatische Bevölkerungsgruppe innerhalb der Vereinigten Staaten.

In den siebziger und achtziger Jahren formierte sich eine ganz andere Gruppe von Auswanderern, denn die meisten dieser Auswanderer waren Arbeiter, und sie gingen Arbeitsverträge im Mittleren Osten und zu einem kleineren Teil auch in anderen Teilen der Welt ein. Obwohl einige unter ihnen Akademiker waren, gehörten die Mehrzahl unter ihnen zu den Arbeitern aus der Produktion, vom Bau oder aus dem Transportwesen, und einige kamen auch aus dem Dienstleistungsbereich. Eine zunehmende Anzahl waren die Seeleute aus der Handelsschifffahrt. Die Löhne und Gehälter, die für Arbeitsverträge im Ausland gezahlt wurden, lagen bei weitem höher als die, welche Filipinos zu Hause verdienen konnten, und ein solches Angebot schaffte natürlich eine große Nachfrage. Staatliche Statistiken zeigen, dass die Zahl der heimischen Arbeiter in Übersee von 12.500 im Jahr 1970 auf 385.000 im Jahr 1988 angestiegen war, und das jährliche Wachstum in diesem Bereich lag bei 30 Prozent. Die Anzahl der Seeleute auf ausländischen Schiffen stieg ebenfalls von 23.500 im Jahr 1975 auf 86.000 im Jahr 1988. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Ausland lag bei 3,1 Jahre für Arbeiter und bei 6,3 Jahre bei Seeleuten.

1982 wurde die "Philippinische Überseebeschäftigtungsverwaltung" (Philippine Overseas Employment Administration) vom Arbeitsministerium (Ministry of Labor and Employment) eingerichtet. Diese Behörde erarbeitete die Bestimmungen für Arbeiter im Ausland und für Seeleute unter fremden Flaggen und überwachte die Anwerbeverfahren ebenso wie die Beurteilung von Beschwerden und Arbeitskonflikten. Auch war sie beauftragt, Arbeitsmöglichkeiten für Filipinos im Ausland zu untersuchen. Die Beschäftigung im Ausland brachte der Wirtschaft zwei Vorteile: Arbeit und Devisen. Die Gesamtzahl der im Ausland beschäftigten Personen von 1980 bis 1988 lag bei 3,2 Millionen und war damit das halbe Wachstum an Arbeitsplätzen im Land selbst während dieser Zeit. Die Überweisungen der Auslandsbeschäftigten über Banken während des Zeitraums von 1983 bis 1988 erreichte nahezu 4,6 Milliarden USD, und sie erreichten damit 14 Prozent vom Wert der Exporte an Waren und Gütern in der gleichen Zeit.


Gewerkschaften

Von der Unabhängigkeit 1946 bis zum 1972 ausgerufenen Notstandsgesetz unterstützte die Regierung kollektive Lohnverhandlungen und, mit Ausnahme einer Kommission ab 1970, welche die Aufgabe übertragen bekam, die Einhaltung der Zahlung von Mindestlöhnen zu überwachen, hielt sie sich ansonsten weitgehend aus den Arbeitsbedingungen heraus. Während der meisten Zeit der Gültigkeitsdauer der Notstandsgesetzte (1972-81) waren Streiks grundsätzlich verboten und unterlagen strengen Auflagen. Das Marcos Arbeitsdekret von 1974 sah bindende Schiedsgerichtssprüche vor. Das Recht auf Streik wurde 1976 teilweise wieder gewährt, aber es mussten strenge Regeln eingehalten werden. Die Aquino Regierung bezog zwar grundsätzlich eine etwas liberalere Einstellung zur Arbeiterschaft, aber dennoch blieben die Grundstrukturen aus der Marcos Zeit erhalten.

Die Gewerkschaften auf den Philippinen waren relativ schwach. Eine Schätzung von 1986 sprach von rund 2,2 Millionen Filipinos, die Mitglied in einer der Gewerkschaften waren, und damit vertraten sie nur etwa 20 Prozent der lohn- und gehaltsabhängigen Arbeitnehmer und nur 10 Prozent aller Arbeitskräfte. Diese organisierten Arbeiter gehörten etwa 2.000 Gewerkschaften an, von denen nur etwa die Hälfte einem nationalen Dachverband oder einem Gewerkschaftsbund angehörten. 1987 waren nur etwa 350.000 Arbeiter von kollektiv ausgehandelten Tarifverträgen betroffen.

Der größte Gewerkschaftsbund war der Trade Union Congress of the Philippines (TUCP). Er hatte sich im Dezember 1974 gebildet und wurde von der Marcos Regierung als die offizielle Arbeitervertretung der Philippinen bezeichnet. Eine andere Arbeiterbewegung, die Kilusang Mayo Uno (KMU) oder die First May Movement (Erste Mai Bewegung) gründete sich im Juli 1980 unjd brachte neun weit verbreitete, mehr ideologisch orientierte Gewerkschaften zusammen. Die zwei Hauptgewerkschaften unterschieden sich wesentlich in der Betrachtung der Rolle der Gewerkschaften in der Gesellschaft. Obgleich die TUCP Marcos unterstützte, sah sie sich selbst als Vertreter einer nicht politisch orientierten Gewerkschaft und kümmerte sich in erster Linie um die kollektive Aushandlung von Lohntarifen. Die KMU gab sich nach außen politischer und sah sich als Verfechter einer "reinen, militanten und nationalistischen Gewerkschaft". Sie ging über die kollektiven Lohnverhandlungen hinaus und rief zur Bildung von Arbeitersolidaritätsbewegungen auf und propagierte eine national orientierte Alternative zu der eingeschlagenen Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung. Der "Arbeitsberatungsrat" (Labor Advisory and Consultative Council = LACC), der bei Amtsantritt der Aquino Regierung 1986 vom Arbeitsminister Agusto Sanchez ins Leben gerufen wurde, brachte auf Anraten des Arbeitsministers die verschiedenen gewerkschaftlichen Splittergruppen zusammen. Mitglieder des LACC wurden die KMU, die Föderation freier Arbeiter, Lakas Ng Manggagawa Labor Center und für eine kurze Zeit sogar der TUCP.

Als Aquino 1986 ihr Amt antrat, standen hinter ihr weite Teile der Bevölkerung, einschließlich der Mitglieder von Gewerkschaften. In ihrer Ansprache zum 1. Mai in dem Jahr kündigte sie in einer langen und von enthusiastischen Beifällen begleiteten Rede vor den Arbeitern ein Paket von Gesetzesreformen an. Es beinhaltete die Ausweitung des Streikrechts, eine Erleichterung von Petitionen für Betriebsratswahlen und die Abschaffung der repressiven Arbeitsrechtgesetzgebung, die von der Marcos Regierung verfügt worden war. Doch schon kurz darauf änderte sie ihre Meinung grundlegend, da sie sowohl von philippinischen als auch von ausländischen Geschäftsleuten scharfe Proteste wegen ihrer Maifeierversprechungen erhielt. Die Versprechen wurden gründlich überdacht und in entscheidenden Punkten modifiziert und in anderen nicht umgesetzt. Diese Bereitschaft, eher auf die Interessen der Chefetagen einzugehen als auf die des "Fußvolks" schlug sich dann auch in ihren offiziellen Statements nieder. Besonders ihr erster Arbeitsminister, Agusto Sanchez, wurde als zu arbeitnehmerfreundlich angesehen und binnen eines Jahres nach seiner Ernennung abgelöst.

Die TUCP unterstützte grundsätzlich die Aquino Regierung, aber die KMU und andere progressive Gewerkschaften widersetzten sich dem konservativen Kurs ihrer Regierung mit Streiks, Demonstrationen und Antiregierungsveranstaltungen. Die KMU gewann zunehmend Einfluss durch ihre Führungsrolle bei den landesweiten Streiks oder "Welga g Bayan" von 1987, 1989 und 1990. Vom September bis zum Dezember 1990 führte die KMU eine ganze Serie von Streiks als Reaktion auf den dramatischen Anstieg der Preise für Petroleumerzeugnisse an. Diese Arbeiteraktionen waren aus zwei Gründen besonders beachtenswert, da sie einmal die aufgestauten Konflikte zwischen den Streikenden und den Staatsorganen offenbarten und da sie ebenfalls von Akademikern und anderen Berufsgruppen aus der Mittelklasse begleitet wurden.

Repressionen auf Arbeiterführer, die während der Marcos Ära weitverbreitet waren, wurden auch unter der Aquino Regierung schon bald wieder aufgenommen. Im November 1986 wurde der Vorsitzende der KMU ermordet. Im darauf folgenden Januar eröffnete die Armee das Feuer auf einen Marsch der Bauernbewegung der Philippinen (Kilusang Magbubukid g Pilipinas = KMP) und ihre Sympahtisanten, die gegen die Tatenlosigkeit der Regierung wegen der versprochenen Landreform protestierten. Achtzehn Menschen wurden dabei getötet und nahezu einhundert verletzt. 1990 beschuldigte die Regierung die beiden Führer der KMU, Medardo Roda, den Vorsitzenden von PISTON, der Kraftfahrergewerkschaft, und Crispin Beltran, den Vorsitzenden der KMU, der Anstiftung zum öffentlichen Aufruhr. Alte Anschuldigungen wegen Verleumdung und Betrug, die aus den Jahren 1967 und 1971 stammten, wurden gegen Beltran erneut verwandt. Die Regierung ließ auch den Führer der KMP, Jaime Tadeo, inhaftieren und benutzte zehn Jahre alte Beschuldigungen wegen Betrugs, die schon unter dem Marcos Regime gegen ihn vergebracht worden waren. Nach einem Streik mit gewaltätigen Auseinandersetzungen 1990, bei dem eine geschätzte Anzahl von 500 Teilnehmern festgenommen worden waren, schlugen beide, das Militär und die Regierung, vor, die KMU als "kommunistische Frontorganisation" zu verbieten.

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