Wirtschaft
Republika g Pilipinas


Volkswirtschaft
Wirtschaftsdaten: Stand Juni 1991
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Industrie


Fertigungsindustrie

Unmittelbar nach der Unabhängigkeit konzentrierte die Regierung alle Benühungen auf den Wiederaufbau und die Instandsetzung der im Kriege zerstörten Wirtschaft. 1949 wurden die Importe und der Devisenhandel einer strengen Kontrolle unterzogen, um die Zahlungsbilanz zu entlasten. Die Importe gingen dramatisch zurück und stimulierten somit den Aufbau einer kleinen Fertigungsindustrie, die sich am inländischen Markt orientierte. Der Aufbau der Fertigungsindustrie schritt mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 9,9 Prozent in den 1950er Jahren rasch voran. Anfangs dominierten die Textilindustrie, die Nahrungsmittelherstellung, die Tabakproduktion, die Plastikfertigung und die Metallverarbeitung. Es wurden ebenfalls Autos und Lastkraftwagen zusammengebaut, und Karosserien für Lastautos und Busse wurden konstruiert. Jedoch in den frühen 1960ern fiel das Wachstum der Fertigungsindustrie auf etwas unter dem Wachstum des BSPs ab. Der Anteil der Beschäftigten in der Fertigungsindustrie betrug 1988 um die 10,4 Prozent und lag damit noch unter der Zahl von 1956, wenn auch die Beschäftigtenzahl sich bis 1990 wieder auf 12 Prozent erholen konnte.

In den späten 1980ern hatte die industrielle Struktur teilweise aus der Konsequenz heraus, dass zwischen den verschiedensten Branchen der Fertigungsindustrien Geschäftsverbindungen entstanden waren sowie das Selbstvertrauen gewachsen war, mit Halbfertigungs- und Endfertigungsindustrien für ein Land von der Größe der Philippinen einen beachtlichen Entwicklungsstand erreicht. Mitte der achtziger Jahre hatte ein ehrgeiziges und 6 Milliarden USD umfassendes Industrieentwicklungsprogramm, welches ursprünglich 1979 vom Marcos Regime angestoßen worden war, zu einer funktionierenden Kupferverarbeitungsindistrie, zu einer kokoschemischen Industrie und zu verschiedenen Phosphatdüngerprojekten geführt. Der Ausbau und ein Expansionsprogramm zugunsten der Zementindustrie sowie ein integriertes Eisen- und Stahlhüttenprojekt befanden sich noch auf dem Weg. Ein petrochemisches Vorhaben schien 1990 gestartet zu werden, aber es ging dann unerwartet in einer Auseinandersetzung über den Standort und die Finanzierung unter.

Die Fertigunfgszahlen fielen innerhalb der politischen und wirtschaftlichen Krise ab 1983, und die Industrie arbeitete 1985 nur mit 40 Prozent ihrer Kapazität. Um die Mitte von 1988, nach dem durch die Aquino Regierung verursachten Wirtschaftsschub, arbeitete die Industrie wieder mit voller Kapazität. 1990 bestätigte der Investitionsausschuss Projekte im Wert von 3,75 Milliarden USD, die allein für die Fertigungsindustrie 1,48 Milliarden USD vorsahen.

Die Fertigungsindustrie ist geographisch stark konzentriert, wobei 1990 ca. 50 Prozent der industriellen Fertigung aus dem Großraum Manila stammte und weitere 20 Prozent aus den angrenzenden Regionen der südlichen Tagalog-Provinzen und von Zentral-Luzon. Vor 1986 waren die Bemühungen der Regierungen weitgehend erfolglos, Industrien großräumig über das ganze Land zu verteilen. Während der wirtschaftlichen Erholung nach der Marcos Ära jedoch stiegen die Investitionen in kleine und in mittelständische Betriebe, die im Handwerk, in der Möbelherstellung, in der elektronischen Bauteilefertigung, in der Bekleidungsindustrie, in der Schuhproduktion und in der Konservennahrungsmittelfabrikation in Gebieten außerhalb der Hauptstadt Manila tätig waren, wobei besonders Cebu City auf der Visayas-Insel Cebu und Davao City auf Mindanao zu nennen sind.

Doch der industrielle Sektor war 1990 uneffizient und oligopolistisch organisiert. Obwohl kleine und mittelständische Betriebe 80 Prozent der in der Industrie arbeitenden Personen beschäftigten, erwirtschafteten sie nur 25 Prozent der Wertschöpfung in der industriellen Fertigung. Der gößte industrielle Ausstoß konzentrierte sich auf einige, wenige große Firmen oder Konzerne. Zum Beispiel ergab 1990 eine sechs monatige Untersuchung des Senats, dass sich acht der siebzehn Zementfabriken des Landes unter der Kontrolle nur einer einzigen Muttergesellschaft befanden.


Bergbau

Die achtziger Jahre waren sehr schwierig für den Bergbau auf den Philippinen. 1990 trugen der Bergbau unter Tage und der Übertageabbau 1,5 Prozent zum BSP bei, wobei die Prozentzahl von zehn Jahren zuvor nur etwa halb so groß gewesen war. Die Exporte von Mineralien erreichten 1988 fast 5,4 Prozent des Gesamtwarenhandels, wohingegen sie 1980 noch 17,8 Prozent ausgemacht hatten. Steigende Herstellungskosten und eine Depression auf dem Markt machten der Industrie schwer zu schaffen. Zudem litt der Bergbau 1990 unter Arbeitskämpfen, höheren Mindestlöhnen, höheren Kapitalzinsen, Taifunen, einem Erdbeben und diversen Stromausfällen.

Anfang der 1990er Jahre verfügten die Philippinen über große Vorkommen an Kupfer, Chrom, Gold und Nickel und über kleinere Vorkommen an Cadmium, Eisenerz, Mangan, Quecksilber, Molybdän und Silber. Industriell hergestellte Mineralien umfassten Asbest, Gips, Kalksandstein, Marmor, Phosphate, Salz und Schwefel. Minerale Brennstoffe setzten sich aus Kohle und Erdöl zusammen.

1988 waren die Philippinen der sechsgrößte Produzent auf der Welt von Chrom, rangierte an neunter Stelle in der Goldproduktion und belegte den zehnten Platz beim Kupfer. Die Nickelbergbaugesellschaft des Landes, die Nonoc Bergbau- und Industrie Aktiengesellschaft (Nonoc Mining and Industrial Corporation) stellte im März 1986 ihren Betrieb nach finanziellen Problemen und Schwierigkeiten mit den Arbeitnehmern ein. Die Vermögensverwaltungstreuhandsgesellschaft (Asset Privatization Trust), ein staatliches Unternehmen, welches Firmen in Konkursen im Auftrag des Staates veräußert, verkaufte die Nonoc Ende 1990. Die neuen Eigentümer gingen davon aus, ab Mitte 1991 den Betrieb wieder aufnehmen zu können und jährlich etwa 28.700 Tonnen zu produzieren, was Nickel wieder zum größten Exportschlager der Philippinen machte.


Energie

Während der 1970er und 1980er Jahre versuchten die Philippinen ein Wachstum und eine Selbstversorgung in der Energieproduktion zu erreichen. Ab 1972 gab die Regierung legale Verträge für Konzessionen verbunden mit Liefervereinbarungen zur Erdölsuche aus, und die ernsthafte Suche nach Erdöl begann Mitte bis Ende der siebziger Jahre. Als Ergebnis der angestrengten Suche im Palawan-Sulu-Meeressockel wurde 1976 auf dem Nido-Ölfeld Erdöl entdeckt. Die kommerzielle Ausbeutung begann 1979 und förderte 8,8 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 ltr.)zutage. Erfolgreiche Bohrungen wurden 1981 und 1982 ebenfalls auf den Cadlao und Matinloc Feldern vor der Küste Palawans vorgenommen. Aber diese Felder waren relativ klein. Die Produktionsmenge schwankte in den achtziger Jahren stark, aber sie erreichte niemals mehr als 5 Millionen Barrel in einem Jahr. 1988 betrug die einheimische Förderung 2,2 Millionen Barrel und deckte damit lediglich 3 Prozent des Inlandsbedarfs an Erdöl. Eine Studie aus den frühen 1990ern besagte, dass die Philippinen aufgrund ihrer geologischen Lage höchstwahrscheinlich über weitere Erdölverkommen verfügen mussten, und diese wurde von der Regierung genutzt, Firmen ,die sich mit der Erdölsuche befassen, weiter zu motivieren. Produktionskostenaufteilungsvereinbarungen gestatteten Firmen zunächst, die Kosten ihrer Investitionen zu erwirtschaften, und erst danach waren 60 Prozent des Gewinns an den Staat zu entrichten. Im Dezember 1990 wurden neue Vorkommen an Erdöl und Erdgas vor der Nordwestküste der Insel Palawan entdeckt. Versuche ergaben, dass diese Ölquelle eine Fördermenge von 6.000 Barrel am Tag ergeben konnte und dass sich die potentiellen Reserven auf etwa 1 Milliarde Barrel belaufen mussten.

Zwischen 1973 und 1983 stieg die Stromproduktion mit einer jährlichen Wachstumsrate von 7,0 Prozent und lag damit zwei Prozent über der Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts. 1988 verfügte die Nationale Elektrizitätsgesellschaft (National Power Corporation), die ungefähr 90 Prozent der benötigten Elektrizität des Landes produziert, über eine Kapazität von 5.772 Megawatt. Davon stammten ungefähr 42 Prozent aus Ölverbrennungsanlagen und 7 Prozent aus dualen Öl- und Kohleanlagen. Zusätzlich kamen 37 Prozent aus Wasserkraftanlagen und etwas weniger als 15 Prozent stammten aus geothermalen Anlagen.

Die Philippinen verfügten geradezu über einen Reichtum an Energieresourcen. Sie rangierten hinter den Vereinigten Staaten von Amerika in der Produktion an Elektrzität aus geothermalen Anlagen weltweit an zweiter Stelle. Die Kapazitätsgrenze lag 1988 bei 828 Megawatt, und das geschätzte Potential belief sich auf 35.00 Megawatt. Das nicht genutzte Potential an Energiegewinnung aus Wasserkraft wurde mit 3.771 Megawatt angesetzt. Die Kohlereserven, die mit 1,2 Milliarden Tonnen veranschlagt wurden, waren auch reichlich vorhanden, aber Kohle erreichte nur einen schlechten Wirkungsgrad bei der Umwandlung in Energie. Zusätzlich zu diesen Quellen blieben Solargewinnung, Tiergasanlagen, Abfallverwertungsanlegen und andere nichtkonventionelle Möglichkeiten völlig ungenutzt, um zumindest kleine Mengen elektrischer Energie in ländlichen Gebieten zu erzeugen. Zusammen gerechnet verbrauchten diese Regionen insgesamt nur 15 Prozent des gesamten Energiebedarfs.

1990 sahen sich die Philippinen einer Krise bezüglich einer ungenügenden Stromerzeugung ausgesetzt. Die Metro Manila und 33 Provinzen in dem Verbundnetz von Luzon mussten tägliche Stromabschaltungen von bis zu vier Stunden ertragen, wobei das Netz durchschnittlich ein tägliches Defizit von ca. 262 Megawatt aufwies. Ursache dieses Problems war die Entscheidung des Marcos Regimes, ein 620 Megawatt großes Atomkraftwerk auf der Bataan Halbinsel zu errichten. Die Aquino Regierung entschied, das Kraftwerk nicht nutzen zu wollen, da es auf einer seismologischen Erdspalte errichtet worden war. Die Folge war, dass eine dringend erforderliche Erhöhung der Stromerzeugung auf Luzon, wo allein fast 75 Prozent des gesamten Stroms des Landes benötigt wird, nicht erreicht werden konnte. Die Ursache des Problems bestand vornehmlich in einer verfehlten Planung und aufgrund bürokratischer Hemmnisse. So gab es Verzögerungen bei dem Bau einer Anlage, die in der Provinz Albay 110 Megawatt aus geothermaler Erzeugung produzieren konnte und einer weiteren in der Batangas Provinz, die 300 Megawatt aus Kohlen gewinnen sollte. Die kurzfristige Lösung des Problems hieß, eine Reihe von Gasturbinenanlagen mit einer Kapazität von insgesamt 500 Megawatt in Betrieb zu nehmen. Doch nur 245 Megawatt gingen davon zwischen 1987 und 1989 ins Netz. Wirtschaftswissenschaftler schätzten, dass, um die geplanten 5,6 Prozent Wachstumsrate des realen BSPs zu erreichen, das Land jährlich weitere 300 Megawatt Erzeugungskapazitäten für die Elektrizitätsenergie benötigten.

Ebenfalls wurden Anstrengungen unternommen, das Elektrifizirungsprogramm auf dem Lande voranzutreiben. 1985 bildete man eine Franchising Gesellschaft aus 120 Elektrokooperativen, die zusammen ungefähr 2,7 Millionen Haushalte belieferten. Die Regierung plante, die Lieferung auf um die 4 Millionen Haushalte bis 1992 auszudehnen.

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