Wirtschaft
Republika ñg Pilipinas


Volkswirtschaft
Wirtschaftsdaten: Stand Juni 1991
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Agrarwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei


Agrarwirtschaftliche Geographie

Am Ende der achtziger Jahre wurden etwa 8 Millionen Hektar - über 25 Prozent des Landes - landwirtschaftlich genutzt, wovon auf 4,5 Millionen Hektar Feldfrüchte und auf 3,2 Millionen Hektar Baumfrüchte und Obst angebaut wurden. Das Bevölkerungswachstum verringerte das pflügbare Land pro in der Landwirtschaft beschäftigte Person von ungefähr einem Hektar in den fünfziger Jahren auf etwa einem halben Hektar in den ersten achtziger Jahren. Das Wachstum der landwirtschaftlichen Produktion resultierte überwiegend aus einer höheren Fruchtfolge und aus steigenden Erträgen. 1988 wurden auf 13,4 Millionen Hektar abgeernteter Anbaufläche eine zweifache Aussaat und ein Mischanbau praktiziert, und damit war die Ernte erheblich größer als die eigentlich anbaubare Gesamtfläche. Mit ungeschältem Reis und Mais, die beiden überwiegend auf den Philippinen angebauten Getreidepflanzen, erwirtschaftete man etwa die Hälfte der gesamten Getreideernte. Auf weiteren 25 Prozent der Anbaufläche baute man Kokosnüsse, einen anderen Exportschlager, an. Zuckerrohr, Ananas und Flachbananen (eine Zwergsorte) zählten ebenfalls zu den Verdienern auf Auslandsmärkten, obwohl sie nur auf einem relativ kleinen Teil der kultivierten Fläche angebaut wurden.

Die klimatischen Bedingungen sind die Hauptfaktoren des Getreideproduktionsschwerpunkts. Beispielsweise benötigen Kokosnüsse eine konstante Bewässerung und gedeihen nicht gut in Gebieten mit langen Trockenphasen. Zuckerrohr andererseits braucht nicht zu heftige Regenfälle, die sich dafür aber über die gesamte, lange Wachstumsphase verteilen, und sie benötigen eine ausgedehnte Trockenphase zum Reifen und für die Ernte. Die Beschaffenheit des Erdbodens, die Topographie, die Regierungspolitik und regionale Konflikte zwischen Christen und Moslems waren auch bestimmend im Ablauf der landwirtschaftlichen Aktivitäten.


Landwirtschaftliche Produktion und Regierungspolitik

Der Prozentsatz der Bevölkerung in ländlichen Gebieten fiel von 68 Prozent aus dem Jahr 1970 auf 57 Prozent im Jahr 1990, und der Anteil der in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei tätigen Arbeitskräfte sank auch auf weniger als 50 Prozent gegen Ende der achtziger jahre. Grob gerechnet bewirtschafteten zwei Drittel der Agrarhaushalte ihr eigenes Land oder waren Landpächter; die anderen waren landlos oder landwirtschaftliche Arbeiter. Etwa 75 Prozent des Ertrages aus der Landwirtschaft erwirtschaftete man mit Getreide und Tierhaltung. Die verbleibenden 25 Prozent kamen aus der Forstwirtschaft und der Fischerei. Der Wertzuwachs beim Getreide stieg während der ersten siebziger Jahre ganz erheblich an und ereichte durchschnittliche Zuwachsraten von 7,7 Prozent. In den Achtzigern allerdings, mit Ausnahme des Mais, welcher als Tierfutter stark nachgefragt wurde, fiel die Wachstumsrate in der Landwirtschaft ab und war, was Bananen und Zuckerrohr betraf, manchmal sogar negativ. Niedrige Weltmarktpreise verbunden mit hohen Produktionskosten für Dünger waren die zwei entscheidenden Ursachen.

Die Regierung verfolgte manchmal einander widersprechende Wege, um die Nahrungsmittel- und Rohstoffpreise unten zu halten. Ein hohes Einkommen der Landwirte, Nahrungsmittelversorgungssicherheit und stabile Preise versuchte sie zeitweise durch direkte Interventionen zu erreichen. 1981 wurde die "Nationale Nahrungsmittelbehörde" gegründet. Sie war ermächtigt, das Marketing aller Nahrungs- und Lebensmittel zu regulieren und ihr wurde das monopolartige Privileg übertragen, Getreide, Sojabohnen und andere Lebensmittel zu importieren. Die Fähigkeit der "Nationalen Nahrungsmittelbehörde" und ihrer Vorgängerorganisationen, die Preise zu stabilisieren und sie innerhalb der vorgesehenen Bandbreite zu halten, entweder die "ab Hof Preise" oder die Verkaufspreise war wegen unzureichend ausgestatteter Fonds ziemlich begrenzt. Sie konnte wegen korrupter Praktiken des Behördenpersonals weder den Markt beeinflussen noch strenge Einkaufsregeln durchsetzen. Im Jahr 1985 wurde der Einfluss der "Nationalen Nahrungsmittelbehörde" reduziert, und die Preisbegrenzungen für Reis wurden aufgehoben. Bereits ab den fünfziger Jahren hatten die Regierungsbemühungen, die industrielle Entwicklung zu stimulieren, wie die Zölle auf Endprodukte, die Überbewertung der Währung, Exportsteuern auf landwirtschaftliche Gebrauchsartikel und Preise zu kontrolliern, einen schädlichen Effekt auf den Agrarsektor und machten ihn relativ unprofitabel. Andererseits wurden Bewässerungsanlagen zu nicht kostendeckenden Preisen betrieben und die Düngemittelherstellung subventioniert.

Beginnend in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre richtete das Marcos Regime sein Augenmerk zunehmend auf den ländlichen Bereich im allgemeinen und einschließlich auf die agrarwirtschaftliche Entwicklung. Die Aquino Regierung setzte diese Bemühungen fort, obwohl ihre Politik sich von einer warenspezifischen Orientierung zur allgemeinen entwickelte, welche vornehmlich die Maisdiversikation betraf, die auf Marktsignale hörte, um die Getreidesorten anzuführen. Das Reispreisstabilisierungsprogramm blieb in Kraft, und ein Programm wurde gestartet, um den Zugang auf Ernteverarbeitungseinrichtungen wie z. B. Lagerhäuser, Reismühlen, Trockenanlagen und Dreschmaschinen auch für Kleinbauern zu ermöglichen.

Unterstützungskredite für den landwirtschaftlichen Bereich bereitzuhalten, besonders für kleine und mittelgroße Bauern waren seit den frühen fünfziger Jahren Bestandteil der Regierungspolitik gewesen, und sie griffen bestenfalls mit gemischtem Erfolg. In den frühen achtziger Jahren gab es ungefähr 900 Landwirtschaftsbanken im Privatbesitz, welche die Hauptumsetzer der von der Regierung subventionierten und überwachten Kredite waren. Das "Masagana 99 Programm" wurde in den frühen Siebzigern initiiert, um den Anbau neuer Reissorten mit höheren Erträgen anzuregen. Nicht kollaterale Niedrigzinskredite wurden meistens privaten Kleinbauern von den Landwirtschaftsbanken zur Verfügung gestellt, für die die Regierung eine Bürgschaft über 85 prozent auf jegliche Verluste, welche die jeweilige Landwirtschaftsbank erleiden sollte, übernahm. Generell jedoch machten regulierte Zinsraten die Landwirtschaftsbanken uninteressant für Geldanleger.

1975 nahmen mehr als 500.000 Bauern am "Masagana 99 Programm" teil. Um 1985 jedoch lief das Programm wegen der großen Restsummen und der engen Geldpolitik, die ein Bestandteil einer Übereinkunft mit dem IWF war, zwischenzeitlich aus. Das Programm wurde von der Aquino Regierung im mittelfristigen Entwicklungsplan für 1987-92 erneut mit aufgenommen. Gemäß eines Bericht der Regierung hatte das Programm 1988 jedoch noch nicht die meisten der geplanten Nutznießer erreicht. Die Regierungsbemühungen waren also auf den Wegen zu den rehabilitierten Landwirtschaftsbanken untergegangen, denn die meisten von ihnen hatten unter der Wirtschaftskrise und des daraus resultierenden finanziellen Drucks der ersten achtziger Jahre besonders schwer zu leiden gehabt.


Reis und die grüne Revolution

Reis ist das wichtigste Nahrungsmittel und ein Grundnahrungsmittel in den meisten Teilen des Landes. Er wird besonders auf Luzon, im westlichen Visayas, im südlichen Mindanao und in Zentral-Mindanao angebaut. 1989 wurden allein fast 9,5 Milliarden Tonnen ungeschälter Reis produziert. 1990 belief sich der ungeschälte Reis auf 27 Prozent der Wertschöpfung im Landwirtschaftsbereich und auf 3,5 Prozent des BSPs. Die Erträge pro Hektar waren im Vergleich zu anderen südostasiatischen Ländern jedoch gering. Seit Mitte der sechziger Jahre wurden sie aber in Folge des Anbaus durch Hochertragssorten, die zuvor von dem "Internationalen Reiswissenschaftsinstitut", welches sich auf den Philippinen befindet, zur Züchtung in Auftrag gegeben worden waren, stetig erhöht. Das Verhältnis des "Reis-Wunders" bezogen auf den Ertrag stieg von 0 in den Jahren 1965-66 um 81 Prozent in dem Zeitraum von 1981-82. Die durchschnittliche Produktivität erhöhte sich um 2,3 Tonnen pro Hektar (auf Betrieben mit bewässerten Feldern 2,8 Tonnen) im Jahr 1983. In den ausgehenden siebziger Jahren hatte sich das Land von einem Netto-Importeur zumindest im Kleinen zu einem Netto-Exporteur gemausert.

Diese "grüne Revolution" wurde durch einen expandierenden Gebrauch von chemischen Mitteln erzielt. Der Gesamtverbrauch von Düngemittel stieg von 668 Tonnen in 1978 auf 1.222 Tonnen im Jahr 1988, was eine Zunahme von 80 Prozent entspricht. Um die Produktivität weiter zu steigern, setzte die Regierung auf den verstärkten Ausbau von Bewässerungssystemen. Die bewässerte Anbaufläche wuchs von unter 500.000 Hektar Mitte der sechziger Jahre auf 1,5 Millionen Hektar im Jahr 1988 - auf fast die Hälfte der potentiell bewässerten Anbaufläche.

In den Achtzigern aber sah sich die Reisproduktion Problemen ausgesetzt. Das durchschnittliche, jährliche Wachstum sank um mehr als 0,9 Prozent, was konträr zu den jährlichen Steigerungsraten um 4,6 Prozent der vorangegangenen fünfzehn Jahre stand. Der Wertzuwachs in der Reisindustrie fiel ebenfalls in den achtziger Jahren. Tropische Stürme und Trockenheiten, die generellen wirtschaftlichen "Niedrighalter" der Achtziger, und die Wirtschaftskrise von 1983-85 führten zusammen genommen zu diesem Abfall. Die Kredite zum Getreideanbau liefen aus, die Preise für landwirtschaftliche Investitionen stiegen, und die Preise für ungeschälten Reis sanken gleichfalls. Der Verbrauch an Düngemittel und Pflanzenschutzmittel sank um 15 Prozent. Die Bauern wurden erdrückt von steigenden Schulden und sinkenden Einkommen. Die Hektarerträge der Reisproduktion pendelten sich auf das Niveau von Ende der siebziger Jahre ein und fielen damit im Durchschnitt um 2,4 Prozent im Jahr während der ersten Hälfte der achtziger, wobei der Rückgang vor allem die kleinen, nicht bewässerten Anbauflächen betraf. Zum Schluss, im Jahr 1985, dem letzten vollen Regierungsjahr vom Marcos Regime, importierte das Land wieder 538.000 Tonnen Reis. Die Situation entspannte sich etwas Ende der achtziger Jahre, und es musste weniger Reis importiert werden. Im Jahr 1990 aber wurde das Land von einer lang anhaltenden Dürre heimgesucht. Die Ernte sank um 1,5 Prozent, und man war gezwungen, zusätzlich 400.000 Tonnen Reis einzuführen.


Kokosnussindustrie

Die Philippinen sind nach Indonesien der zweitgrößte Kokosnussproduzent der Welt. 1989 produzierten sie 11,8 Millionen Tonnen. Im gleichen Jahr trugen Kokosnussprodukte, Kokosnussöl, Kobra und trockene Kokosnüsse mit ungefähr 6,7 Prozent zum Export der Philippinen bei. Etwa 25 Prozent des lanwirtschaftlich genutzten Bodens war mit Kokosnusspalmen bepflanzt, und es wird geschätzt, dass zwischen 25 und 33 Prozent der Bevölkerung in ihrem Lebensunterhalt zumindest teilweise auf Kokosnüssen angewiesen sind. Geschichtlich betrachtet waren die südliche Tagalog Region, die Bicol Region Luzons und die östlichen Visayas Inseln die Zentren der Kokosnussproduktion. In den achtziger Jahren wurden das westliche und das südliche Mindanao ebenfalls wichtige Kokosnussanbaugebiete.

In den frühen neunziger Jahren bestand eine Kokosnussplantage mittlerer Größe aus weniger als vier Hektar Anbaufläche. Die Eigentümer, häufig in der Stadt lebende Landbesitzer, beschäftigten gewöhnlich örtliche Tagelöhner, die Kokosnüsse zu ernten, und sie zogen diese vor, ehe sie mit jemandem ein ordentliches Pachtverhältnis einzugehen bereit waren. Die Tagelöhner wurden nach Stückzahlen entlohnt. Diejenigen, die in der Kokosnussindustrie beschäftigt waren, gehörten vornehmlich dem unteren Bildungsstand an und hatten durchschnittlich ein höheres Lebensalter als der Durchschnitt der in der Landwirtschaft tätigen Personen, und zudem erzielten sie ein geringeres Durchschnittseinkommen.

Die Bodenfläche, die zum Kokosnussanbau genutzt wurde, stieg um ungefähr 6 Prozent pro Jahr in den sechziger und siebziger Jahren als Reaktion auf die Abwertung des Pesos von 1962 und 1970 und auf die steigende Weltmarktnachfrage. Die philippinische Regierung beantwortete die Nachfrage auf dem Weltmarkt damit, dass sie die heimische Kobraherstellung förderte und Investitionsinitiativen zum Bau von Kokosnussmühlen unterstützte. Die Anzahl der Mühlen stieg von achtundzwanzig im Jahr 1968 auf zweiundsechzig im Jahr 1979, und man schaffte damit eine beträchtliche Überkapazität. Die Lage verschärfte sich zudem durch fallende Ernteerträge aufgrund des hohen Alters der Kokospalmen in einigen Regionen.

1973 zwang das Notstandsgesetz der Regierung alle Produktionsvorgänge, die mit der Kokosnuss in Verbindung standen, in eine einzige Agentur, die "Philippinische Kokosnussbehörde" (PCA = Philippine Coconut Authority). Die PCA wurde ermächtigt, einen Preisaufschlag von 0,55 Peso pro 100 Kilogramm auf den Verkauf von Kobra zu legen, der dazu verwandt wurde, die heimischen Preise für auf Kokosnuss basierende Verbrauchsgüter zu stabilisieren, besonders das Öl zum Kochen. 1974 gründet die Regierung den "Kokosnuss-Industrie-Entwicklundgs-Fond" (CIDF - Coconut Industry Development Fond), um die Züchtung von hybriden Kokosnusspalmen zu finanzieren. Um dieses Projekt zu finanzieren, wurde der Preisaufschlag auf 20 Pesos angehoben.

Auch 1974 übernahmen die Kokosnusspflanzer, die von der "Kokosnuss Produzenten Vereinigung" (Cocofed = Coconut Producer Feration), einer Organisation der großen Plantagenbesitzer, geführt wurden, die Kontrolle über den Vorstand der PCA. 1975 erwarb die PCA eine Bank und nannte sie in "Vereinigte Kokosnusspflanzer Bank" (United Coconut Planters Bank) um, um den Bedürfnissen der Kokosnusspflanzer zu dienen, und der PCA Direktor, Eduardo Cojuangco, ein Geschäftsfreund von Marcos, wurde ihr Präsident. Die von der PCA erhobenen Preisaufschläge wurden auf der Bank deponiert - anfangs sogar zinslos! 1978 erhielt die "Vereinigte Kokospflanzer Bank" die gesetzliche Autorität übertragen, Kokosnussmühlen aufzukaufen, als angebliche Maßnahme die Überkapazität in der Industrie abzubauen. Gleichzeitig wurden Mühlen, die nicht den Kokosnusspflanzern gehörten, d. h. Cocofed-Mitgliedern oder von der PCA kontrollierten Gesellschaften, Subventionszahlungen verweigert, die Preisbeschränkungen auf Kokosnuss basierende Produkte auszugleichen. In den frühen achtziger Jahren meldete die philippinische Presse, dass die vereinigten Kokosnussölmühlen, eine PCA-eigene Firma und ihr Präsident, Cojuangco, 80 Prozent der philippinischen Ölmühlenkapazität kontrollierten. Der Verteidigungsminister, Juan Ponce Enrile, übte als Aufsichtsratsvorsitzender sowohl der "Vereinigten Kokosnusspflanzer Bank" als auch der Vereinigten Kokosnussölmühlen und als Ehrenvorsitzender der Cocofed ebenfalls einen großen Einfluss auf diese Industrie aus. Die Kokosindustrie, die sich aus 0,5 Millionen Plantagenbesitzern und Kokosnussbauern sowie 14.000 Händlern formiert hatte, war in den frühen achtziger Jahren zu einem hohen Grade monopolisiert.

Im Prinzip waren die Kokosnusspflanzer die Nutznießer der Preisaufschläge, die sich zwischen März 1977 und September 1981 auf 76 Pesos pro 100 Kilogramm stabilisiert hatten. Die Kontingentaufschläge deckten grundsätzlich Lebensversicherungen, Ausbildungsstipendien und Speiseölsubventionen ab, aber in der Realität profitierten nur wenige davon. Das Vorhaben des Neu- und Wiederanpflanzungsprogramms, welches von Conjuangco kontrolliert wurde, diente dazu, die überalterten Kokospalmen durch hybride malaysische Zwergarten und große afrikanische Sorten zu ersetzen. Die neuen Palmen sollten das Fünffache an Menge der vorhandenen Pflanzen pro Jahr produzieren. Das Ziel, jährlich 60.000 Palmen neu anzupflanzen, konnte nicht erreicht werden. Eine Schätzung aus 1983 besagte, dass 25 bis 30 Prozent der Kokospalmen mindestens sechzig Jahre und älter waren, und bis 1988 stieg dieses Verhältnis noch auf 35 bis 40 Prozent an.

Als die Kokosnusspreise in den frühen Achtzigern zu fallen begannen, wuchs der Druck, die Struktur der Industrie zu ändern. So stimmte die philippinische Regierung als Teil einer Bürgschaftsvereinbarung für die philippinische Wirtschaft mit dem IWF zu, die Vereinigten Kokosnussmühlen aufzulösen. Später forderte ein Gesetz der Vereinigten Staaten von 1988 an auf Nahrungsmittel, in denen tropische Speiseöle verarbeitet waren, dass die gesättigten Fettsäuren ausgewiesen werden mussten, und dieses hatte weitere negative Auswirkungen auf die schon kränkelnde Industrie und gab Anlass zu Protesten seitens der Kokosnusspflanzer, die sich dagegen wehrten, dass solche Angaben nicht auch von Speiseölen gefordert wurden, die in gemäßigten Klimazonen produziert wurden.


Zucker

Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte der siebziger Jahre gehörte der Zucker zu den wichtigsten Exportartikeln der Philippinen und nicht nur, dass man damit ausländische Devisen verdiente, sondern der Zucker bildete auch die Basis für die Anhäufung von sagenhaften Reichtümern eines bedeutenden Teils der Filipino Elite. Die Hauptzuckeranbauregion sind die westlichen Visayas Inseln, besonders die Insel Negros. Nicht wie beim Reisanbau, beim Mais und bei Kokosnüssen, wird Zuckerrohr typischerweise auf großen Plantagen oder Haciendas angebaut. Mitte der achtziger Jahre kam auf Negros mehr als 60 Prozent der Gesamtproduktionsmenge von 80 Prozent von Plantagen mit 25 und mehr Hektar. Landesweit bestanden für etwa die Hälfte aller Zuckerrohrplantagen Pachtverträge, wobei es sich dabei jedoch überwiegend um die kleineren, landwirtschaftlichen Betriebe mit durchschnittlich 2,5 Hektar handelte und die nur etwas mehr als 20 Prozent ihrer Flächen mit dieser Pflanze bebauten. Auf den Plantagen wurden Landarbeiter beschäftigt, die generell sehr schlecht entlohnt wurden. Eine Untersuchung des Gouverneurs der Provinz Negros Occidental von 1990 ergab, dass nur etwa ein Drittel der Zuckerrohrpflanzer den damals vorgeschriebenen Mindestlohn von 72,5 Pesos am Tag zahlten. Der Kontrast zwischen dem äußerst aufwendigen Lebensstil der Plantagenbesitzer (Hacienderos) und dem Elend der Arbeiter, besonders die der Wanderarbeiter, die als "Sacadas" bekannt sind, verdeutlichte das schnelle soziale und wirtschaftliche Auseinanderdriften der philippinischen Elite von der großen Masse der Bevölkerung.

In den 1950ern und 60ern betrug der Exportanteil des Zuckers mehr als 20 Prozent der Philippinen. Dieser Anteil sank um einiges in den siebziger Jahren und rutschte in der ersten Hälfte der 1980er auf ungefähr 7 prozent ab. Die Zuckerindustrie steckte in einer Krise. Ursache dieses Problems war der unter Druck geratene Weltmarkt für Zucker. Ein dramatischer Anstieg des Weltmarktzuckerpreises erfolgte 1974 und gipfelte bei 0,67 USD pro Pfund im Dezember des Jahres. In den folgenden zwei Jahren jedoch sah man die Preise auf weniger als 0,10 USD pro Pfund fallen, und sie blieben für zwei Jahre unten, bevor sie am Ende der Dekade wieder zu steigen begannen. In den frühen achtziger Jahren fielen die Preise erneut und sanken im Mai 1985 auf weniger als 0,03 USD pro Pfund und erreichten im Jahresdurchschnitt gerade um die 0,04 USD. In den ersten neunziger Jahren erholten sie sich wieder auf 0,14 USD pro Pfund, um dann abermals auf ungefähr 0,08 bis 0,09 USD pro Pfund zu fallen.

Historisch betrachtet waren die Philippinen bis zu einem gewissen Grad vor Wechselfällen des Weltmarktpreises von Zucker durch den Zugang auf den geschützten und subventionierten Markt der Vereinigten Staaten geschützt. 1913 hatte der Kongress der Vereinigten Staaten den freien Handel mit der Kolonie der Philippinen beschlossen und verfügt, dass philippinische Zuckerproduzenten einen ungehinderten Zugriff auf den amerikanischen Markt erhielten. Später, 1934, wurde für Zucker ein Quotensystem eingeführt, und dieses blieb bis 1974 bestehen. Obgleich die Zuckerexporte der Philippinen in die Vereinigten Staaten während dieser Zeit eingeschränkt waren, erfreute sich das Land dennoch einer bevorzugten Stellung. Die Quote der Philippinen für den amerikanischen Markt lag in den ersten siebziger Jahren zwischen 25 und 30 Prozent des Gesamtbedarfs und lag damit mehr als doppelt so hoch als die Quoten der Dominikanischen Republik, von Mexico und von Brasilien. Nachdem das Quotengesetz im Jahr 1974 auslief, wurde der philippinische Zucker auf dem freien Markt angeboten und dorthin verkauft, wo keine Einfuhrbeschränkungen bestanden. Folglich gingen die Exporte in die Vereinigten Staaten zurück.

Am 5. Mai 1982 führten die Vereinigten Staaten erneut ein Quotensystem zum Import von Zucker ein. Die Festlegung der Quote richtete sich dabei nach dem Anteil des Landes auf den Zuckermarkt der Vereinigten Staaten von 1975-81; es war die Periode, in der die philippinischen Zuckerexporte in die Vereinigten Staaten abgenommen hatten. Die Philippinen erhielten 13,5 Prozent. Die Bemühungen der philippinischen Regierung, den Anteil auf 25 Prozent anheben zu können, blieben erfolglos. Die Verkaufseinbrüche, die durch den reduzierten Quotenanteilverursacht wurde, wurden, verglichen mit den frühen siebziger Jahren, durch einen dramatischen Rückgang der Gesamtexporte an Zucker in die Vereinigten Staaten um 40 Prozent verschärft. Die philippinischen Zuckerexporte in die Vereinigten Staaten hatten in den Jahren 1968-71 jährlich durchschnittlich um die 1,3 Millionen Tonnen betragen und von 1983 bis 1988 waren sie auf den Durchschnitt von 284.000 Tonnen gefallen, wobei sie 1988 nur auf knapp 161.000 Tonnen kamen. 1988 wurden auf nur 273.000 Hektar Zuckerrohr angebaut, was ungefähr die Hälfte der Fläche von 1979 ausmachte.

Während der ersten Quotenregelungsperiode erfreuten sich die philppinischen Produzenten hoher Profite, obwohl die Arbeitsabläufe höchst uneffizient waren und jeglicher Mechanisierung entbehrten. Die Zuckererträge gehörten zu den niedrigsten der Welt. Produktionssteigerungen erfolgten nur aufgrund einer Ausdehnung der Anbauflächen für Zuckerrohr. Mit fallenden Preisen und dem Ende der Quote für die Vereinigten Staaten wurden Versuche unternommen, die Produktivität zu verbessern, indem die Erntearbeiten zunehmend mechanisiert wurden und das wiederum verursachte einen dramatischen Rückgang der Beschäftigtenzahlen, die sich anfangs um die 50 Prozent beliefen und über einen längeren Zeitraum bis auf 90 Prozent anstiegen. Bei einer Inselwirtschaft wie die auf Negros, auf der 25 Prozent der Beschäftigtungsverhältnisse direkt vom Zucker abhingen, war die Konsequenz des Verlustes des Lebensunterhalts der Bevölkerung katastrophal.

Der Niedergang der Zuckerindustrie wurde durch die Monopolisierung, die während der Jahre der Notstandsgesetze eingeleitet wurde und sich nicht von dem unterschied, was in der Kokosnussindustrie geschah, weiter kompliziert. Im Jahr 1976 gründete Marcos als Reaktion auf den jähen Absturz der Zuckerpreise die "Philippinische Zuckerkommission" (Philsucom = Philippine Sugar Commission) und ernannte seinen engen Freund, Roberto Benedicto, zu ihrem Präsidenten. Der Philsucom wurde die Ermächtigung erteilt, Zucker aufzukaufen und zu verkaufen, Preise festzulegen, die an Pflanzern wie auch an Mühlen gezahlt wurden, und Betriebe zu erwerben, die weitgehend zur Zuckerindustrie gehörten. 1978 wurde zusätzlich noch eine Bank eröffnet und der Bau von sieben neuen Zuckermühlen wurde zum Gesamtpreis von 40 Millionen USD in Auftrag gegeben.

In den 1980er Jahren hatte sich ein vehementer Widerstand gegenüber der Philsucom und ihrer Handelsorganisation, der "Nationalen Zuckerhandelsgesellschaft" (Nasutra = National Sugar Trading Corporation) gebildet. Wie beim Monopol in der Kokosnussindustrie, so stimmte die Regierung 1985 äußerst widerwillig der Vereinbarung mit dem IWF zu, die Nasutra aufzulösen. Dennoch musste die Zerschlagung vorgenommen werden. In einer Studie, die von Wirtschaftswissenschaftlern mehrerer Universitäten in einem gemeinsamen Projekt durchgeführt wurde, wurden die Verluste der Zuckerproduzenten zwischen 1974 und 1983 auf 11 bis 14 Milliarden Pesos geschätzt. Aquino etablierte 1986 die Zucker Regulierungsbehörde, um die Institution, die von Benedicto aufgebaut worden war, zu übernehmen.


Landpacht und Landreform

Eine schwere Bürde der spanischen Kolonialzeit war der hohe Konzentrationsgrad des Landeigentums und die daraus resultierende Konsequenz einer weitverbreiteten Armut und Rastlosigkeit der Landwirte. Die Regierungen der Vereinigten Staaten und mehrere philippinische Präsidialregierungen starteten Landreformprogramme, um auf dem Lande die soziale Stabilität zu erhalten. Aber der Mangel an einem festen, politischen Willen, wie auch der Widerstand der Landeigentümer vereitelte die Versuche der vielen, verschiedenen Initiativen weitgehend.

Die Größe der landwirtschaftlichen Betriebe ist ein signifikanter Indikator auf die Konzentration von Landeigentum. Obgleich 1980 landesweit ungefähr 50 Prozent der Betriebe weniger als 2 Hektar umfassten, machten diese kleinen Landwirtschaften nur 16 der gesamten Anbaufläche aus. Andererseits verfügten nur 3 Prozent der Landwirtschaftsbetriebe über 10 Hektar und mehr, und dennoch nutzten sie etwa 25 Prozent der Gesamtanbaufläche. Die Betriebe variierten in ihren Größen auch aufgrund der angebauten Pflanzen. Reishöfe waren gewöhnlich kleinere Betriebe, denn nur etwa 9 Prozent der Reisäcker befand sich auf Land von Betrieben mit 10 und mehr Hektar. Kokosnusshöfe waren durchschnittlich etwas größer und nahezu 28 Prozent des landwirtschlich genutzten Bodens, auf dem Kokosnüsse angebaut wurden, gehörte zu Betrieben mit mehr als 10 Hektar. Zuckerrohr dagegen wurde generell auf großen Plantagen angebaut. Fast 80 Prozent des Bodens, auf dem Zuckerrohr stand, gehörte landwirtschaftlichen Betrieben mit mehr als 10 Hektar. Ananas-Plantagen bildeten ein Sonderfall, denn die zwei größten Produzenten waren Tochtergesellschaften der multinationaler Firmen "Del Monte" und "Castle und Cooke", denen nicht gestattet war, direkt eigenes Land zu besitzen. Diese Multis umgingen dieses Verbot jedoch durch das Pachten (Leasing) von Land. 1987 leasten die zwei über Tochtergesellschaften 21.400 Hektar Ackerland und damit 40 Prozent der Gesamtfläche zum Anbau von Ananas.

Im September 1972 verfügte das zweite Präsidentendekret, welches Marcos nach dem Notstandsgesetz erließ, dass auf den ganzen Philippinen eine Landreform durchzuführen war. Einen Monat später erließ er das Präsidentendekret Nr. 27, welches die Spezifikationen dieses Landreformprogramms enthielten. Auf dem Papier war es das umfangreichste Programm, welches jemals auf den Philippinen versucht wurde, wenn man einmal von der Tatsache absieht, dass das Programm nur Reis- und Maisanbauflävchen betraf. Flächen von mehr als sieben Hektar sollten aufgekauft und parzelliert an Einzelpersonen von Landpächtern abgegeben werden (bis zu drei Hektar bewässertes und bis zu fünf Hektar unbewässertes Land), die dann den Kaufpreis des Bodens über einen Zeitraum von 15 Jahren abzuzahlen hatten. Unterpächter von Anbauflächen von weniger als sieben Hektar sollten zu Leasing-Nehmern umgewandelt werden und fest vereinbarte Pachten zahlen.

Die Landreform von Marcos war insofern erfolgreich, dass viele der großen Haciendas in Zentral-Luzon zerstückelt wurden. Ein erwartetes Zentrum des Unmuts der Großbauern erwuchs aus der Landeigentümerelite, und die Verbündeten Marcos waren dort nicht so zahlreich wie in anderen Schichten des Landes. So entpuppte sich das Programm, landesweit gesehen, als ein Reinfall. Nur 20 prozent der Reis- und Maisäcker oder 10 Prozent des gesamten landwirtschaftlichen Bodens wurde von dem Programm erfasst und 1985, dreizehn Jahre, nachdem Marcos Proklamation verkündet worden war, waren erst 75 Prozent der erwarteten Nutznießer Landeigentümer geworden. 1988 hatten erst 6 Prozent aller Haushalte in der Landwirtschaft ein Dokument über den Eigentumsübergang erhalten und welches auswies, dass der Boden, den sie bebauten, ihr registriertes Landeigentum war. Erst weniger als die Hälfte dieser Gruppe, 2,4 Prozent, hatten bis dahin endgültige Eigentumsurkunden erhalten, die den Eigentumsübergang festschrieben. Die politischen Bindungen an die Regierung nahmen ziemlich schnell ab, nachdem Marcos erfolgreich die Macht der Landelite unterminiert hatte, und sie stellten sich gegen ihn. Sogar wo ernsthaft Anstrengungen unternommen wurden, wurde die Umsetzung selektiert, schlecht gehandhabt und wurde zu ungehemmter Bestechung und Korruption genutzt.

Das Scheitern von Marcos Landreformprogramm gehörte zu den Hauptthemen in Aquinos Wahlkampagne von 1986, und sie verlieh der Landreform erste Priorität mit der Aussage: "Land den Bauern muss Realität werden und darf nicht länger eine leere Floskel bleiben!" Die Aussage war irgendwie besonders zu beachten, da sie aus einer der größten Großgrundbesitzerfamilien des Landes stammte und ihrer Familie die 15.000 Hektar große Hacienda Luisita gehört. Aber die Kandidatin drückte sich unmissverständlich aus, und die Landreform sollte sowohl die Familien-Hacienda Luisita betreffen wie auch jeden anderen Großgrundbesitz. Sie unternahm nicht den geringsten Versuch, die Landreform in Frage zu stellen bis die Angelegenheit im Januar 1987 auf die Spitze getrieben wurde, als das Militär gegen eine Domonstration von Landpächtern und -arbeitern vorging, die sich auf dem Weg zum Malacañang, der Präsidentenresidenz, befanden, um Taten für die versprochene Landreform einzufordern, und dabei wurden 18 Personen getötet und über 100 verwundet. Der Zwischenfall brachte die Regierung in Zugzwang, und es wurde eine Landreformkommission gebildet. Im Juli 1987, eine Woche bevor sich der neue Kongress zu seiner konstituierenden Sitzung traf und seine gesetzgebende Aufgabe wahrnehmen konnte, proklamierte Aquino das "Umfassende Landwirtschaftsreform Programm". Mehr als 80 prozent des kultivierten Bodens und fast 65 prozent der Haushalte in der Landwirtschaft wurden in einen Entwicklungsprozess eingebunden, und damit sollte der Bodentyp und die Größe der Fläche festgestellt werden. In Übereinstimmung mit der neuen Verfassung des Landes wurden die Provisionen für die "freiwillige Landteilung" und die Abstandszahlungen vereinbart. Jedoch die wichtigen Details bezüglich des Zeitrahmens, die Festlegung der Prioritäten und die Minimalgößen der Bodenflächen wurden dem neuen Kongress überlassen, dessen überwiegende Mehrheit die Interessen der Großgrundbesitzer vertrat.

Kritik über Aquinos Plan kam von beiden Seiten. Die Großgrundbesitzer dachten, er ging zu weit, und die Pächterorganisationen beschwerten sich darüber, dass er nicht weit genug ging und dass die Details dem von den Großgrundbesitzern dominierten Kongress überlassen blieben; und folglich war das Programm zum Scheitern verdammt. In ihrem Bericht schlug die Kommission vor, die Umsetzung pro forma einzuleiten und den Prozess zu untergraben, indem das "Umfassende Landwirtschaftsreform Programm" lieber schnell als in mehreren Schritten durchgeführt wurde. Die Weltbank kritisierte zudem, den Großgrundbesitzern zu gestatten, an Pächter und Landarbeiter Eigentumsanteile in Form von Gesellschaftsanteilen zu auszugeben, statt ihnen das Land selbst zu übereignen. Das Angebot musste attraktiv gestaltet werden, argumentierte die Kommission, denn "diese Landeigentümer sollten nur glauben, sie würden nicht damit leben können, das Land an die Nutznießer zu übertragen". Die Empfehlungen der Kommission wurden in der endgültigen Fassung des Regierungsprogramms lange ignoriert.

Am 10. Juni 1988, ein Jahr nach der Proklmation, passierte das "Umfassende Landwirtschaftsreformgesetz" den Kongress. Den Landeigentümern wurde eingeräumt, fünf Hektar Land zuzüglich drei Hektar für jeden Erben mit mindestens 15 Lebensjahren zu behalten. Das Programm wurde in mehreren Stufen umgesetzt. Die Größe der einzubehaltenden Fläche wurde ständig erweitert, und zuletzt wurde eine Nichtübertragung daraus, und ein Gewinnteilungsprogramm konnte als Alternative zur tatsächlichen Landübereignung herangezogen werden.

Besonders kontrovers waren die Ausgleichszahlungen, die Großgrundbesitzern erlaubte, im Fall von parzellierten und an Pächter und Landarbeiter vergebene Ländereien, einen Teil des Gesamtwerts der Firmengewinne equivalent zu dem Wert der auf den Böden erwirtschafteten Erträge zu zahlen. Im Mai 1990 stimmten die 7.000 Pächter des Aquino Besitzes, der Hacienda Luisita, zu, anstatt das Land selbst 33 Prozent der Anteile der Hacienda in Form von Gesellschaftsanteilen zu übernehmen. Wegen der verbleibenden zwei Drittel der Gesellschaftsanteile (Gewinne aus Gesellschaftsanteilen, die nicht aus der Landwirtschaft stammten) bei der Aquino Familie, ging jedoch keine wirklich effektive Mitbestimmung über das Land auf die Landarbeiter und -pächter über. Kritiker der Landreform sahen in der Gesellschaftsanteilsregelung ein Schlupfloch des Gesetzes, welches viele Großgrundbesitzer wohl zu nutzen wussten. Dem Beispiel der Hacienda Luisita folgend beantragten bis Mitte 1990 weitere 34 Agrargroßbetriebe die Genehmigung, ebenfalls Gesellschaftsanteile ausgeben zu dürfen. Obwohl es durchaus legal war, warf dieses Vorbild der Präsidentenfamilie doch gewisse Fragen über deren Einstellung zur Landreform auf.

Es ist schwierig die Kosten der Inflation, die das "Umfassenden Landwirtschaftsreformprogramm" verursachte, abzuschätzen. Zu Beginn des Jahres 1988 beliefen sich die Schätzungen zwischen 170 und 220 Milliarden Pesos; im folgenden Jahr lagen sie bei 332 Milliarden Pesos, von denen 83 Milliarden Pesos für den Landankauf und 248 Milliarden Pesos zur Unterstützung der Dienstleistungen und Infrastruktur benötigt wurden. Die am niedrigsten genannte Zahl sprach von durchschnittlich 17 Milliarden Pesos jährlich, was 2,1 Prozent vom BSP von 1988 und 8,9 Prozent des Staatshaushalts desselben Jahres ausmachte. Die Summe lag weit unter den Möglichkeiten des Landes, und trotzdem mussten die Steuern stetig angehoben und die Prioritäten der Ausgaben neu festgelegt werden. Um dieses Problem zu umgehen, hatte die Aquino Regierung geplant, 50 bis 60 Prozent des benötigten Kapitals aus ausländischen Entwicklungsprogrammen zu erhalten. Für 1990 jedoch waren die diesbezüglichen Erfolge nur minimal.

Die Regierung behauptete, dass in den ersten drei Jahren der Umsetzung des "Umfassenden Landreformprogramms" ein beträchtlicher Erfolg erzielt wurde und sie sich von jetzt an selbst in Frage stellte. Zwischen Juli 1987 und März 1990 wurden 430.730 Hektar verteilt. Jedoch über 80 Prozent davon waren lediglich die Fortsetzung des Marcos Landreformprogramms. Die Verteilung von Ländereien in Privatbesitz mit Ausnahme des Landes für Reis und Mais lag in absoluten Zahlen nur bei unbedeutenden 3.470 Hektar, und es waren nur 2 Prozent von den ursprünglich angestrebten Zahlen. Die Unfähigkeit der Agrarreformbehörde, seinen Etat richtig zu verwenden, wies auf deren internen Schwierigkeiten hin. Wie im Juni 1990 hatte die Behörde gerade einmal 44 Prozent von den zugewiesenen 14,2 Milliarden Pesos für den Zeitraum von Januar 1988 bis Juni 1990 ausgegeben. Zum Teil lag es an Urteilen des obersten Gerichtshofs, dass die Agrarreformbehörde ihre Landkaufziele am Ende von 1990 um die Hälfte zusammenstrich und von 400.000 auf 250.000 Hektar neu definierte.


Tierhaltung

1990 bestand die Tierhaltungsindustrie vorwiegend aus Rinderzucht, Carabaozucht (Zucht von Wasserbüffeln), Schweinezucht und der Zucht von Geflügeltieren, und sie trug mit nahezu 20 Prozent am Wertzuwachs des landwirtschaftlichen Bereiches bei und war damit von 1980 um 8 Prozent gestiegen. Ein großer Teil des Zuwachses resultierte aus der schnellen Expansion der Hühnerzucht, welche sich seit der sechziger Jahre zu einer kommerziellen Industrie entwickeln konnte. Die Hühnerhaltung machte 1990 die Hälfte der gesamten Tierhaltung aus, und sie hatte um 1970 noch etwa ein Viertel betragen. Anfang der achtziger Jahre begannen die Schweinezüchter den internationalen Schweinemarkt zu erobern, indem sie zunächst lebende Tiere nach Hongkong exportierten. Obwohl die Carabao-Produktion sich aufgrund einer intensiveren Tierhaltung, die seitens der Regierung durch ein Programm unterstützt wurde, erweiterte, fristeten die Carabao- und Rinderzucht weiterhin ein Schattendasein.

In den späten achtziger Jahren deckten die Schweine etwa 50 Prozent der gesamten inländischen Fleischproduktion ab, Hühner trugen 15 Prozent dazu bei und Rinder und Carabaos ungefähr 20 Prozent. Das Land war in der Schweine- und Hühnerproduktion nahezu ein Selbstversorger, aber es importierte jährlich noch etwa 4.500 Tonnen Rindfleisch. Die Wirtschaftkrise der 1980er Jahre machte die billigeren Hühner und Carabaos zu attraktiven Ersatzfleischlieferanten für das teurere Schweine- und Rindfleisch, und dennoch blieb die Carabaozucht vorwiegend danach ausgerichtet, den Markt mit Arbeitstieren zu versorgen. Die Milchwirtschaft der Philippinen war ebenfalls sehr unbedeutend. Milch in flüssiger Form war generell am Markt nicht zu bekommen, und praktisch wurde die gesamte Dosenmilch und Trockenmilch (Milchpulver) importiert.


Forstwirtschaft

Die Holzwirtschaft war Ende der sechziger Jahre ein profitables Geschäft. Das forstwirtschaftlich nutzbare Land wurde auf 6,5 Millionen Hektar geschätzt, was etwa 21,5 Prozent des gesamten Territoriums der Philippinen ausmachte, und viel von diesem Land war in höheren Bergregionen und an steilen Berghängen gelegen. Die Regierung förderte die Ausbeutung der Wälder des Landes während der ersten drei Dekaden nach der Unabhängigkeit, indem sie den Großteil des ungenutzten Bodens zu staatlichen Forsten erklärte und Lizenzen zum Holzeinschlag vergab. Außerdem betrieb sie eine Politik, die der Forstwirtschaft nur wenige Abgaben und Exportzölle auferlegte. Holz wurde somit zum "Hauptdevisenverdiener" im Ausland. Um 1977 waren für 8,3 Millionen Hektar des Baumbestandes Lizenzen zum Holzeinschlag vergeben. Erst in den späten siebziger Jahren wurde sich die Regierung über die Gefahr der Abholzung bewusst, und sie begann zunehmend Auflagen zu erteilen. Die Fläche des fortwirtschaftlich nutzbaren Boden verringerte sich und die Holzexporte sanken. 1988 gab es 120 lizensierte Holzeinschläger, die sich über eine Gesamtfläche von 4,74 Millionen Hektar verteilten und geschätzte 4.2 Millionen Kubikmeter Hölzer schlugen, und sie exportierten 644 Millionen Schnitthölzer. Der Anteil von Holz und Schnittholz am philippinischen Export sank von 25 Prozent aus dem Jahr 1969 auf 2 Prozent im Jahr 1988.

Zusätzlich zu der sanktionierten Holzindustrie, gab es einen beträchtlicen Anteil an illegalen Holzeinschlag. Das volle Ausmaß dieser Aktivitäten war schwer zu bestimmen, aber die Diskrepanz zwischen den philippinischen und japanischen Statistiken über den Holzexport von den Philippinen nach Japan dient als wichtige Informationsquelle. Von 1955 bis 1985 lagen die Holzimporte von den Philippinen gemäß japanischen Statistiken durchschnittlich 50 Prozent über den Holzexporten nach Japan gemäß philippinischen Statistiken. Von 1987 bis 1988 wurde diese Diskrepanz erheblich angeglichen, was vielleicht als Anzeichen auf die striktere Umsetzung der Politik von Aquinoa Regierung zu werten war.

Ein weiterer Grund der Entwaldung war die wandernde Landwirtschaft, die auf den Philippinen "Kaingin" genannt wird. Diese Methode schließt das Niederbrennen eines Teils des Waldes ein, um dabei einen Düngeeffekt zu erzielen, und man kann dann dort für etwa drei Jahre eine ganze Reihe von Getreidearten anbauen, um dann, wenn der Boden nahezu völlig ausgelaugt ist, weiterzieht und ein weiteres Stück Land zum Getreideanbau niederbrennt. Die oft als "Feuer und Asche" bezeichnete Landwirtschaft wird meistens von Hochland-Filipinos praktiziert und war ökologisch vertretbar, solange ausreichend Land zur Verfügung stand. Aber seit den 1960ern stieg die Nutzung des Bodens durch Holzabbau und durch die Neuansiedliung von landlosen Pächtern aus den niedergelegenen Gebieten, und das verursachte einen Bodenmangel. Abgebrannte Flächen mussten für eine gewisse Zeit als Brachland ruhen, und Neuankömmlinge hatten meistens keine ausreichende Kenntnisse über eine gesunde Wanderlandwirtschaft. Das Ergebnis war, dass eine Neubepflanzung nicht vorgenommen werden konnte, bis es wieder abgebrannt wurde. So setzte eine verstärkte Bodenerosion ein und einst bewaldete Gebiete wurden zu Weideland.

Die fortschreitende Entwaldung verursachte eine massive ökologische Zerstörung. In den achtziger Jahren beginnend initiierte die Regierung Wiederaufforstungsprogramme, um sich gegen die Zerstörung der Natur zu stemmen. Ab 1981 ließ sich Marcos von den Holzkonzessionären eine Wiederaufforstung nach dem Holzabbau garantieren. Nach seinem Sturz jedoch stellte der neue Minister für Umwelt und Natürliche Resourcen fest, dass 90 Prozent der 170 Holzabbaufirmen mit Konzessionen versäumt hatten, die Wiederaufforstungsmaßnahmen vorzunehmen. Die Aquino Regierung startete ebenfalls ein Wiederaufforstungsprogramm, um jährlich 100.000 Hektar Land wieder neu zu bewalden, aber es war auch nur von einem sehr begrenzten Erfolg gekrönt. 1988, zwei Jahre nach dem Start des Programms, hatte die Regierung erst 32.000 Hektar aufforsten lassen und für weitere 4.500 Hektar Wiederaufforstungsvertäge abgeschlossen. Andere Initiativen beinhalteten ein Programm, Hochlandbewohner in die Wiederaufforstung einzubinden, die Konzessionen zum Holzabbau zu begrenzen und den Export von Holzprodukten stärker zu überwachen. Sogar nichtstaatliche Umweltorganisationen wurden in die Bemühungen zur Erhaltung der Wälder einbezogen. Ein Experte bemerkte, dass bereits mehr als 5 Millionen Hektar Wald zerstört worden waren und mit einer Wiederaufforstungsrate von 119.000 Hektar pro Jahr würde das Land innerhalb einer Dekade unter Holzmangel zu leiden beginnen. Die aufgeforsteten Wälder waren zu jung, um erneut abgeholzt werden zu können, und folglich musste der in naher Zukunft auftretende Holzbedarf von den noch vorhandenen Altbeständen gedeckt werden, um sich zumindest mittelfristig adequate Reserven zu erhalten.


Fischerei

Die Philippinen sind von weiten Meeresgebieten umschlossen. 1976 erklärte die Regierung 200 Seemeilen (1 sm = 1,852 km) mit 2,2 Millionen qkm zur alleinigen Witschaftszone. Doch die traditionellen Fischgründe des Landes beschränken sich lediglich auf einer relativ kleinen Fläche von 126.500 qkm. Fisch und andere Meeresfrüchte decken mehr als die Hälfte des Proteinbedarfs eines durchschnittlichen Haushalts auf den Philippinen. Die gesamte Fischproduktion von 1989 lag bei 2,3 Millionen Tonnen. Von diesen wurden 46 Prozent von 574.00 Klein- und Nebenerwerbsfischern gefangen, die in kleinen Booten im Flachwasser operieren, die nicht mehr als drei Kilometer weit von der Küste entfernt liegen. Diese Fischer gehören zu den Ärmsten der Armen und erreichen ein durchschnittliches Einkommen, welches nur bei 25 Prozent vom nationalen Durchschnitt liegt. Weitere 27 Prozent der Fänge kamen von den ungefähr 45.000 Berufsfischern. Einen ähnlich hohen Prozentsatz der Gesamtfänge trug die sich schnell entwickelnde Aquakulturindustrie bei. Die Garnelenproduktion, die überwiegend in Aquakulturen erfolgt, entwickelte sich sehr schnell in den achtziger Jahren und brachte von 1894-87 durchschnittlich 31.000 Tonnen auf den Markt. 1988 erreichten die Exporte von Fischereierzeugnissen 497 Millionen USD und machten somit um die 6 Prozent des Gesamtexports aus.

Während der meisten achtziger Jahre wurde der Lebensunterhalt der kleinen, ortsgebundenen Klein- und Nebenerwerbsfischer von einer niedrigen Produktivität gekennzeichnet, da die Fänge bei ungefähr einer Million Tonnen pro Jahr stagnierten. Eine ganze Anzahl von Faktoren verursachte die niedrige Produktionsrate, denn Berufsfischer drangen auch in die Flachwasserzonen ein, und die Anzahl der künstlichen Fischteichanlagen wuchs stetig. Ein Großteil der Mangrovensumpfwälder wurde in Fischzuchtanlagen umgebaut und beschädigten damit ernsthaft das ökologische System an den Küsten. Korallenriffe erlitten schwere Schäden durch das illegale Fischen mit Dynamit und Cyanit und durch die "Muro-Ami" Fischtechnik, bei der junge Taucher Korallen mit Steinen beschweren, die an Seile festgebunden sind, um ganze Fischschwärme in die Netze zu treiben. Die Korallen wurden zusätzlich durch die Zufuhr von Nitraten zerstört, die durch die Erosion aufgrund der Entwaldung eingesetzt hatte, und inländischen Süßwasserseen wurden durch Industrie- und Landwirtschaftsabfälle zusätzlich verschmutzt.

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