José Rizal
(1861 - 1896)


Der philippinische Nationalheld, José Rizal, weihte sein kurzes Leben vornehmlich der Befreiung seines Heimatlandes von der spanischen Kolonialherrschaft. Auch war er einer der bekanntesten Literaten der Philippinen; so gehören seine zahlreichen Gedichte sowie seine beiden Romane noch heute zur Standardliteratur an allen philippinischen Schulen.

José Prostasio Mercado erblickte am 19. Juni 1861 in Kalamba City auf der Insel Luzon als siebentes von elf Kindern eines wohlhabenden Zuckerrohrpflanzers das Licht der Welt. Schon seine Familie wehrte sich gegen die Allmacht der spanischen Mönchsorden der Franziskaner, Augustiner und Dominikaner. Einer seiner älteren Brüder, Paciano Mercado, stand unter langjähriger spanischer Überwachung, da er dafür eingetreten sein soll, die spanischen gegen einheimische, philippinische Priester zu ersetzen. Als José seine Ausbildung 1872 im ehrwürdigen Ateneo Municipal in Manila aufnahm, riet ihm seine Familie, sich dort unter einem anderen Familiennamen - dem Namen Rizal - einzuschreiben, um zu vermeiden, dass die dortigen Priester ihn mit seinem Bruder Paciano in Verbindung bringen könnten. Später studierte José an der Universität der Dominikaner, Santo Tomás, in Manila und belegte Literatur, die Schönen Künste und Medizin. In allen Disziplinen erreichte er hervorragende Ergebnisse.

Im Jahr 1882 reiste Rizal nach Europa, wobei er sich neben Spanien auch in England, Italien, Polen (damals russisch Polen) und Deutschland aufgehalten hat. So studierte er neben in Berlin auch in der alten, deutschen Universitätsstadt Heidelberg Augenmedizin. In Spanien wurde er schon bald zum Sprecher der in Spanien lebenden Filipinos und setzte sich vehement dafür ein, die Vorherrschaft der geistlichen Orden im Staat zu beschneiden, eine Vertretung von Abgeordneten der Philippinen im spanischen Parlament, der Cortes, zuzulassen und gleiche Bürgerrechte für Filipinos wie für Spanier in die spanische Verfassung aufzunehmen.

Rizal veröffentlichte zwei Romane, die in Tagalog, der Sprache der Filipinos in Zentral-Luzon mit den Originaltiteln "Noli me Tangere" (1887), von dem ihnen hier eine deutsche Übersetzung vorliegt und "El Filibusterismo" (1891). Beide Bücher schrieb Rizal während seines Europaaufenthaltes.

1892 kehrte Rizal auf die Philippinen zurück und gründete dort eine Menschenrechtsgruppe unter dem Namen "Liga Filipina". Diese versuchte, auf friedlichem Wege Reformen im Land einzuleiten, welche der einheimischen Bevölkerung auf allen Gebieten mehr Bürgerrechte garantieren sollten. Die Konsequenz war, dass die Spanier Rizal festnahmen und auf die von der Hauptstadt weit abgelegenen, südlichen Hauptinsel Mindanao ins Exil schickten. Dort befasste er sich, da ihm jegliche politische Tätigkeit untersagt war, unter anderem mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Flora und Fauna seiner Umgebung und entdeckte und benannte Insekten und Pflanzen, die der Wissenschaft bis dato größtenteils unbekannt waren.

Schon bald nach seiner Verbannung formierte sich unter den Führern der Freiheitsbewegung, Bonifacio und Aguinaldo, eine militante philippinische Widerstandsbewegung, die sich den Namen "Katipunan" gab und mit Waffengewalt die Philippinen vom Joch spanischer Unterdrückung zu befreien suchte. Diese Organisation ernannte den abwesenden Rizal zu seinem Ehrenpräsidenten, um Kenner seiner literarischen Werke, die binnen kürzester Zeit in der philippinischen Bevölkerung trotz Verbots eine große Leserschaft erreicht hatten und um Sympathisanten seines Gedankenguts für die Unabhängigkeitsbewegung zu gewinnen.

Im Jahr 1896 wurde es Rizal gestattet, sich freiwillig als Militärmediziner für die damalige spanische Kolonie Kuba zu melden, wo ebenfalls ein bewaffneter Aufstand gegen die spanischen Okkupanten ausgebrochen war, der zudem noch von den Vereinigten Staaten von Amerika unterstützt wurde. Rizal war bereits eingeschifft, als er an Bord des Schiffes, welches ihn nach Kuba bringen sollte, festgenommen und von dort umgehend ins Gefängnis, in das Fort Santiago in Manila, gebracht wurde. In einem Aufsehen erregenden Prozess verurteilten ihn die Spanier wegen Landesverrats und Anstiftung zur Rebellion zum Tode durch Erschießen. Noch in seiner Zelle, im Fort Santiago, schrieb er sein wohl heute bekanntestes Gedicht, "Mi ultimo adios" (Mein letzter Abschied). Am 30. Dezember 1896 wurde er auf dem Bagumbayan - Feld, in dem heutigen Rizal Park, an der damals noch vorhandenen Stadtmauer des alten Manilas, öffentlich hingerichtet.

José Rizal galt als talentierter Poet, Schriftsteller, Künstler, Biologe und Mediziner, und darüber hinaus war er ein ergebener Patriot seiner Heimat, den Philippinen, denn er hatte bewiesen, dass die Filipinos intellektuell den Spaniern in nichts nachstanden. Obwohl er Zeit seines Lebens, bis hin zu seiner Exekution, fest daran geglaubt hatte, Reformen nur mit friedlichen Mitteln erreichen zu können, machte ihn die, von ihm stets missbilligte militante Revolutionsbewegung "Katipunan", zu ihrem bekanntesten Märtyrer des philippinischen Unabhängigkeitskampfes.

 

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